Neugestaltung Schulcampus Mühlenberg | Wipperfürth
Anerkennung | Neugestaltung Schulcampus Mühlenberg
Wipperfürth
In Zusammenarbeit mit LH Architekten und STLH Architekten
Leitidee und Städtebau
Der Neubau für den Schulcampus generiert sich aus drei einfachen, ineinander geschobenen Volumen für die beiden Nutzungen Realschule und Hauptschule sowie den gemeinsam genutzten Bereichen dazwischen. Aufgrund des unterschiedlichen Flächenbedarfs unterscheiden sich die drei Kuben in Fläche und Höhe, sodass sich ein differenziertes Gesamtensemble ergibt, bei dem die einzelnen Nutzungen weiterhin klar ablesbar bleiben. Der Baukörper für die Hauptschule ist im westlichen Grundstücksbereich angeordnet, der für die Realschule im östlichen. Beide überragen mit vier, bzw. fünf Obergeschossen den dreigeschossigen Kubus für die Gemeinschaftsflächen und Fachklassenbereiche, die Eigenständigkeit beider Schulen als separate Organisationseinheiten bleibt dabei gewahrt. Die Gebäudevolumen für die Realschule und die Gemeinschaftsbereiche verfügen jeweils über Innenhöfe, um die Belichtung aller Räume zu gewährleisten. Die Anordnung der Baukörper erlaub es, den Neubau in zwei Bauabschnitten errichtet zu können, auf aufwendige Interimslösungen kann dadurch verzichtet werden. Die Höhenstaffelung des Schulcampus folgt dabei der nach Osten ansteigenden Topographie des Areals, der Footprint des Gebäudes wird dadurch minimiert. Aufgrund dieser Topografie entsteht nach Südwesten unter dem Erdgeschoss ein weiteres, teilweise eingegrabenes „Gartengeschoss“, das zusätzliche Nutzungen in allen Bereichen aufnimmt. Die beiden Schulhöfe können so auf unterschiedlichen Ebenen angeordnet werden, sie erstrecken sich südwestlich (Hauptschule) und nordöstlich (Realschule) an die Baukörper angrenzend und folgenden damit der Grundidee der separaten Organisationseinheiten. Beide Schulhöfe verfügen durch Unterschnitte im Gebäudevolumen über die geforderten überdachten Bereiche. Die klare farbliche Ausbildung der Fassaden folgt dem Farbcode für die beiden Schulen, der Mittelbau für die Gemeinschaftsnutzungen erhält einen eigenständigen Farbcode. Die Voss-Arena erhält einen neuen Eingangsbaukörper, der nicht nur die Erschließung vom Schulhof aus ermöglicht, sondern über ein weiteres Geschoss aus direkt von der Straße aus erreichbar ist. Die Arena bekommt damit eine eigene Adresse und Sichtbarkeit vom Straßenraum und damit einen vom Schulgelände unabhängigen Zugang.
Freiraum
Erschlossen wird das Gelände über einen gemeinsamen Zugang von Norden. Ein zweiter Zugang wird von Süd-Westen ermöglicht, über den Zugang zum südlich gelegenen Wohngebiet. Hier sind auch nach wie vor – neu geordnet – die geforderten Stellplätze angeordnet. Die gemeinsam genutzten Sportfelder liegen – wie auch die „grünen Klassenzimmer“ im südlichen Grüngürtel und fassen die Schulhöfe. Unter Berücksichtigung einer möglichst flexiblen Nutzung der Schulhofflächen werden auch hier grüne Inseln und Baumpflanzungen vorgesehen, die die Aufenthaltsqualität fördern und dem Kleinklima zugutekommen. In den grünen Rahmen eingebettet sind auch die Outdoor-Klassenzimmer beider Schulen. Auch hier wird die Topografie genutzt und mit Sitzkanten sichtbar gemacht. Trotz der Hanglage konnten Flächen geschaffen werden, die für den Rückhalt von Regenwasser zur Verfügung stehen. Bei der Farbigkeit der Beläge wurden hellere, aber blendfreie Farbtöne gewählt, diese absorbieren weniger Strahlungswärme.
Baukörper
Die drei gleichwertigen Haupteingänge sind jeweils zum nördlichen Vorplatz ausgerichtet, durch Bauköperrücksprünge gekennzeichnet und damit leicht auffindbar. Das Organisationsprinzip beider Schulen ist dabei identisch: Über die Haupteingänge erreicht man jeweils die im Erdgeschoss verorteten Verwaltungs- und Personalbereiche sowie die vertikalen Haupterschließungskerne, die jeweils in den Überlappungsflächen der Kuben angeordnet sind. Diese Kerne dienen gleichzeitig als Übergang und Verbindung zu den mittig angeordneten gemeinsamen Nutzungen wie z.B. Aula und Mensa und den Fachklassenbereichen in den Obergeschossen. An den Enden der jeweiligen Baukörper befindet sich jeweils ein außenliegendes Treppenhaus, das den zweiten Rettungsweg darstellt. Beide Schulen verfügen in den oberen Geschossen jeweils über „Etagenfoyers“, über die man die Lerncluster-Bereiche erreicht. Die Treppen und Foyers sind dabei je nach Schule unterschiedlich gestaltet, was die jeweiligen eigenen Identitäten der Schulen unterstreicht und die Orientierung erleichtert. Im dritten Obergeschoss verfügen beide Schulen über eine Dachterrasse auf dem Dach des Mittelbaus. Der Mittelbau nimmt im Erdgeschoss das Forum, die Bibliothek sowie den Ganztagsbereich auf, im Gartengeschoss befinden sich hier die zweigeschossige Aula und die Mensa, sowie Musikräume. Die großzügige Freitreppe mit Sitzstufenanlage im Forum verbindet beide Geschosse. Forum und Mensa sind dabei als Regenpausenbereiche den jeweiligen Schulhöfen zugeordnet. In den Obergeschossen sind im Mittelbau die für beide Schulen nutzbaren und benötigten Fachklassenbereiche angeordnet.
Materialität, Konstruktion & Nachhaltigkeit
Das gesamte Gebäude ist oberhalb des als Massivbau vorgesehenen Gartengeschosses als Holz-Beton-Verbundkonstruktion konzipiert. Die Erschließungs- und Treppenhauskerne werden in Stahlbetonbauweise errichtet, um den Brandschutzanforderungen zu genügen und gleichzeitig die Aussteifung des Gebäudes zu gewährleisten. In den übrigen Bereichen wird eine Betondecke auf Holzträger im Raster 1,25m aufgelegt. Diese Träger sind an Hauptträger in Fassaden- und Flurwandrichtung angebunden, die auf Stützen im Raster 3,75m aufliegen. Der Materialaufwand für die Decken kann durch diese Konstruktion minimiert werden. Alle Holzbauteile sind so dimensioniert, dass der Brandschutz über Abbrand sichergestellt wird. Die Materialität der Konstruktion kann damit in allen Gebäudebereichen sichtbar und erlebbar gemacht werden. Die Skelettbauweise ermöglicht, auf alle Anforderungen des Raumprogramms flexibel reagieren zu können, spätere Anpassungen der Raumgrößen sind problemlos möglich. Das Konstruktionsraster wird über die Fassade auch nach außen getragen. Vertikale Lisenen aus Holz gliedern diese, in den Sockelbereichen wird dieses Raster abgelöst durch das Stützen-Hauptraster von 3,75m. Prägnant auskragende Fensterbänke als oberer Abschluss der Brüstungsbereiche bilden dazu das horizontale Pendant. Die variierende Verkleidung der Brüstungsbänder aus profilierten Keramikelemente verleiht wiederum jedem Baukörper seine eigene Identität. Die Farbgebung der Lisenen, Brüstungen und der sonstigen geschlossenen Fassadenbereiche folgen weitestgehend monochrom dem Farbkonzept für die einzelnen Nutzungsbereiche Hauptschule (blau), Mittelbau (grün) und Realschule (rot). Alle Räume verfügen über außenliegenden Sonnenschutz. Das Dach des Mittelbaus wird intensiv begrünt und als Retentionsdach aktivierbar, jede Schule verfügt hier über eine eigene Terrasse. Die Dächer der Schulbaukörper sind jeweils extensiv begrünt und mit großflächigen PV-Anlagen ausgerüstet. Die Wärmeversorgung erfolgt über eine Wärmepumpe, die im Sommer auch zur Kühlung herangezogen werden kann. Der Großteil der Räume ist mit Fussbodenheizung ausgerüstet. Durch die optimale Ausrichtung der Räume – der überwiegende Teil orientiert sich nach Norden oder Süden – werden die solaren Einträge im Sommer minimiert. Der Verglasungsanteil der Fassade wurde so konzipiert, dass Nutzung von künstlicher Belichtung reduziert werden kann.
Ankunfts- & Informationszentrum Wasserkuppe | Gersfeld (Rhön)
3. Preis | Ankunfts- & Informationszentrum Wasserkuppe
Gersfeld (Rhön)
In Zusammenarbeit mit Sturm und Wartzeck
Leitmotiv Basalt
Basalt ist überall in der Rhön in unterschiedlichsten Formen zu finden. Ob er an der Steinwand als spektakuläre, vertikale Schichtung, wie ein steinerner Wald zwischen den Bäumen steht, sich am Pferdskopf in der Horizontalen mit den umgebenen Wiesen vernadelt oder als filigrane sechseckige Säulen (Gangolfsberg) die skulpturale Kraft der Natur illustriert. Immer erscheint der Basalt als ortsprägendes Element, das durch seine differenzierten Schichten in Dialog mit der ihn umgebenden Landschaft tritt. Diese skulpturale Qualität, die einen Ort definiert, ohne ihn zu dominieren, diente als Leitmotiv für unseren Entwurf.
Städtebauliche Setzung und Freiraumplanung
Das Gebäude liegt als vielschichtiger, länglicher Körper zwischen dem heterogenen Baubestand des Areals und dem offenen Flugfeld. Die Verschiebung der Gebäudeschichten erlaubt es, organisch auf die unterschiedlichen Ansprüche der Umgebung zu reagieren. Im Nordosten definiert die differenzierte Gebäudekante vis-à-vis mit dem Flügelbau einen großzügigen, frei bespielbaren Platz, der das gesamte Areal als neue Mitte zusammenbindet. Hier sind die Riegel niedriger, um dem Platz einen maßstäblichen und einladenden Rahmen zu geben. Den weithin sichtbaren Abschluss des Platzes bildet der Haupteingang des neuen Informationszentrums. Dieser liegt auf gleicher Höhe mit dem Haupteingang des Seegelflugmuseums, was die Orientierung auf dem Gelände erleichtert und räumliche Synergien zwischen den Institutionen eröffnet. Im Nordwesten entsteht durch den Rücksprung der letzten Gebäuderiegel ein klar von den öffentlichen Nutzungen getrennter Außenraum mit Parkplätzen für die Mitarbeitenden und der Zufahrt für die Bergwacht.
Im Süden wendet sich das Gebäude auf voller Länge dem Flugfeld mit seinen offenen Fernen zu. Durch die höchsten Gebäudeteile mit Aussichts- und Sternenterrassen entsteht hier eine Silhouette mit hohem Wiedererkennungswert – der neue Auftakt zur Wasserkuppe. Im Bereich von Gastronomie und Regio Shop bieten dreiseitig gefasste Außenterrassen einen wind- und wettergeschützten Blick auf das Flugfeld und über die Rhön.
Freiraum
Für den Hochbau werden die nahegelegenen Basaltformationen interpretiert, Kanten und Versprünge der Fassade geben dem Gebäude einen Charakter, der sich wie selbstverständlich in die Landschaft einfügt. Das Grundstück hat einen Höhenversprung von mehreren Metern, der Hochbau reagiert hier mit ebenfalls, verspringenden EG-Höhen. Dieses Prinzip wird im Freiraum fortgesetzt, einzelne Nutzungsbereiche des EG haben Zugang zu vorgelagerten Terrassenebenen, die ebenfalls den Höhen folgen und zwischen Gebäude ein dem freiem Gelände vermitteln. Die Versprünge der Terrassensegmente werden über Bänke oder Stufen inszeniert und damit zu nutzbaren Elementen. Im Süden schließt ein Grünstreifen an, der über die Straße hinweg auch den Rand der Segelflugwiese integriert. Die Straße wird mit Rasenlinern gestaltet und erhält damit den Charakter eine Privatstraße, die nur von den Segelflieger:innen befahren wird. Die Bepflanzung ist hier dicht, versperrt aber nicht den weiten Blick. Baume werden hier zurückhaltend platziert. Im Norden ist die Bepflanzung etwas üppiger und bildet den Rahmen für die freie Eventfläche zwischen Neubau und dem Kompetenzzentrum. Die Materialitäten und Farben im Freiraum orientieren sich am Hochbau – Basalt und Holz, ergänzt mit gelbgoldenen Akzenten schaffen eine Einheit aus Gebäude und Terrassensockel.
Ersatzneubau GGS - Strand Europaschule Timmendorfer Strand | Timmendorf
Ein 3. Preis | Ersatzneubau GGS – Strand Europaschule Timmendorfer Strand
Timmendorf
In Zusammenarbeit mit Baufrösche Architekten und Stadtplaner
Leitidee
Die neue GGS Strand Europaschule vereint drei bisher getrennte Schul- und Gebäudeteile in einem gemeinsamen architektonischen und pädagogischen Konzept. Es entsteht ein lebendiger Lern- und Begegnungsort, der pädagogische Vielfalt, architektonische Klarheit und räumliche Flexibilität miteinander verbindet. Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, der Lernen, Gemeinschaft und Nachhaltigkeit in Einklang bringt und den europäischen Gedanken der Vielfalt sichtbar verkörpert.
Architektur
Der Neubau präsentiert sich als kompakter, dreigeschossiger Baukörper, der sich durch seine klare Gliederung harmonisch in den städtebaulichen Kontext einfügt. Die dreiteilige Fassadenstruktur schafft Maßstäblichkeit und fügt sich selbstverständlich in das Umfeld ein. Durch die gewählte Setzung des Baukörpers entsteht ein großzügiger, zusammenhängender Freiraum, der als Schulhof und Veranstaltungsfläche vielseitig genutzt werden kann.
Der zentral angeordnete Haupteingang wird über einen großzügigen Vorplatz von der nahegelegenen ÖPNV-Haltestelle erschlossen. Zusätzlich verfügt die Grundschule über einen eigenen Eingang, der insbesondere den jüngeren Kindern den Schulalltag erleichtert und zugleich die Schülerströme zu Stoßzeiten entzerrt.
Im Inneren öffnet sich das Gebäude zu einer zentralen Pausenhalle mit Mensa, die das kommunikative Herz der Schule bildet. Große Oberlichter mit steuerbarer Verdunkelung sorgen für ein angenehmes Tageslicht, während flexible Bühnen- und Raumkonzepte unterschiedlichste Nutzungen ermöglichen – von alltäglichen Begegnungen bis hin zu schulischen oder kulturellen Veranstaltungen. Eine umlaufende Galerie in den Obergeschossen erweitert die Nutzungsmöglichkeiten und fördert die Begegnung zwischen den Jahrgängen. Musikraum und Bibliothek sind unmittelbar an das Pausenforum angebunden. Die Mensa öffnet sich großzügig zum Schulhof und bietet mit ihrem überdachten Außenbereich geschützte Aufenthaltsmöglichkeiten.
Die innere Organisation folgt modernen pädagogischen Ansätzen. Clusterstrukturen mit offenen Lernzonen fördern Kommunikation, Flexibilität und selbstständiges Lernen. Klassen- und Differenzierungsräume sind transparent mit den Freilernbereichen verbunden und über zusätzliche Innenhöfe natürlich belichtet. Kurze Wege, klare Grundrisse und eine gute Orientierung kennzeichnen das Konzept. Die Grundschule verfügt über einen eigenen zweigeschossigen Bereich mit direkter Verbindung ins Obergeschoss. Zwei unterschiedlich dimensionierte Schulhöfe – ein großer für alle, ein kleiner für die Grundschule – schaffen altersgerechte Bewegungsräume. Ein zentraler Aufzug gewährleistet die barrierefreie Erschließung aller Ebenen.
Fassade
Die Fassade kombiniert warme, natürliche Materialien mit innovativen, nachhaltigen Elementen. Eine Holzverschalung trifft auf bunte, sechseckige Fassadenfliesen aus recyceltem Kunststoff – sogenannte Pretty Plastic Tiles. Diese bestehen zu 100 % aus upcyceltem PVC, gewonnen aus alten Fensterrahmen, Regenrinnen und Fallrohren. Die farbenfrohe Gestaltung steht sinnbildlich für die Vielfalt Europas und die Offenheit der Schulgemeinschaft. Das Material wurde 2021 mit dem Green Product Award ausgezeichnet und vereint Ästhetik, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit.
Freiraumkonzept
Durch die städtebauliche Positionierung des Neubaus entsteht eine Abfolge von drei eigenständigen, aber miteinander vernetzten Freiräumen. Diese Bereiche bilden eine abwechslungsreiche Lern- und Bewegungslandschaft.
Die Eingangsplaza dient als Durchgangs- und Treffpunkt und wird seitlich von Fahrradstellplätzen begleitet. Der Grundschulhof ist ein geschützter Spielbereich mit altersgerechten Klettermöglichkeiten und integriertem grünen Klassenzimmer. Ein Spielweg führt von dort entlang des Sportfelds zum großen Schulhof, der mit Baumgruppen, geschwungenen Formen und unterschiedlichen Aufenthaltszonen gestaltet ist. Vor der Mensa lädt eine fest installierte Möblierung zum Verweilen ein, während ein großes Spielgerät im Süden zum Treffpunkt für Bewegung und Gemeinschaft wird. Ruhigere Bereiche sind für die Schulimkerei und ein weiteres grünes Klassenzimmer vorgesehen.
Wassermanagement und Biodiversität
Die Freiflächen folgen einem ökologisch nachhaltigen Ansatz. Extensive Dachbegrünungen, wasserdurchlässige Beläge und ein Regenwasserkreislaufsystem tragen zur Resilienz des Areals bei. Regenwasser wird vor Ort zurückgehalten, versickert oder in Zisternen für die Brauchwassernutzung gesammelt. Die Bepflanzung fördert mit artenreichen, standortgerechten Pflanzengesellschaften die Biodiversität und schafft wertvolle Lebensräume.
Fahrrad- und PKW-Parkierung
Die überdachte Fahrradabstellanlage mit begrüntem Dach befindet sich westlich des Gebäudes. PKW-Stellplätze sind in der Tiefgarage untergebracht, während oberirdisch nur die Stellplätze für Menschen mit Behinderungen vorgesehen sind.
Ehemaliges Fernmeldezeugamt | Heusenstamm
1. Preis | Ehemaliges Fernmeldezeugamt
Heusenstamm
In Zusammenarbeit mit Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner
Städtebauliches Konzept
Das städtebauliche Konzept entwickelt sich aus dem angrenzenden Stadtgefüge heraus und bildet einen eigenständigen urbanen Stadtbaustein, der zwischen den nördlichen Wohngebieten und dem südlichen Gewerbegebiet vermittelt.
Als urban geprägtes Quartier entstehen hier neue Wohnformen, die Wohnen und Arbeiten kombinieren und auf Einzelparzellen ein neuartiges nachhaltiges Stadtquartier für Heusenstamm schaffen. Durch seine starke Begrünung der öffentlichen Räume entstehen eine allseitige freiräumliche Verzahnung und ein grüner Trittstein zu den angrenzenden Landschaftsräumen.
Freiräumliches Rückgrat und Quartiersstruktur
Das neue Quartier wird über ein zentrales freiräumliches Rückgrat erschlossen, an dem sich die einzelnen Baufelder anlehnen und worüber diese ihre Adressen erhalten. Dieser Freiraum als „urbanen Anger“ bildet einen attraktiven inneren grünen Wegekorridor und verbindet alle Quartiersbereiche miteinander, was die Identifikation und die Gemeinschaft innerhalb des neuen Stadtquartiers fördert.
Im gesamten Innenbereich entsteht so eine hohe Wohnqualität mit gemeinschaftlichen Flächen zum Spielen, Treffen und Aufenthalt. Rücksprünge und Aufweitungen bilden unterschiedliche räumliche Situationen aus und lassen ein spannungsvolles inneres Gefüge entstehen.
Der „Grüne Anger“ funktioniert als kommunikativer gemeinschaftlicher Freiraum mit Spiel- und Aufenthaltsflächen für alle Generationen.
Partiell überschirmt von einem gemischten Baumdach aus klimaresilienten Arten, sind in den Anger Treffpunkte, Outdoor-Fitness und Spielpunkte integriert. Eine unmerkliche Reliefierung mit Mulden nimmt Teile des Oberflächen- und Dachwassers auf und erzeugt neben dem wechselnden Bild aus trockenen und temporär nassen Flächen ein Mosaik aus verschiedenen Standortfaktoren, die eine hochgradig diverse Artenzusammensetzung erwarten lassen.
Grünfugen gliedern das neue Wohnquartier in deutlich ablesbare, einzelne Baufelder und sorgen für eine klare Orientierung und Adressbildung. Gleichzeitig machen Sie das Quartier durchlässig, ermöglichen eine Vielzahl von Querungen und sichern die Anbindung an die vorhandenen Rad- und Fußwegenetze.
Bebauungskonzept
Das Konzept sieht Baufelder mit offenen Hofstrukturen vor, die als eigenständige Quartierbereiche abschnittsweise entwickelt werden können. Sie bilden ein robustes städtebauliches Gerüst für ein urbanes gemischtgenutztes Stadtquartier, mit einem Nebeneinander von Wohnen, Arbeiten und Gewerbe. Auf verschiedenen Einzelparzellen entsteht eine flexible Bebauung für Geschoßwohnungsbau, Stadthäuser oder als Haus-im-Haus mit unterschiedlichen Wohn- und Arbeitsmodellen.
Die Baufelder werden mit individuellen Einzelhäusern bebaut, was zu einem lebhaften kleinteiligen Quartiersbild beiträgt. Es entsteht eine flexible Mischung aus unterschiedlichen Typologien für geförderten und freifinanzierten Wohnungsbau.
Kleine erdgeschossige Gewerbeeinheiten, Gemeinschaftsräumen sowie Wohnen+Arbeiten orientieren sich zum „urbanen Anger“ hin und beleben den öffentlichen Raum. Die Impulse der Baugruppen werden hier genutzt, um den Charakter des Quartiers mit seinen gemischten Arbeits- und Wohnmodellen zu stärken.
Die Wohnhöfe unterstützen die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens, mit Spielflächen und Kommunikationsorten. Als begrünte Innenhöfe tragen sie zum Wohlbefinden bei und funktionieren als grüne Oasen mit hoher Wohnqualität. Begrünte Wohnebenen, Wohngärten mit großen Bäumen und Selbstversorgergärten auf den Dächern bilden weitere Gemeinschaftsflächen innerhalb der Gebäudegruppen aus.
Dieser klare und robuste Rahmen schafft die Voraussetzung für eine kleinteilige bauliche Entwicklung mit einem Höchstmaß an individueller Freiheit. Durch wenige typologische Vorgaben wird die Grundstruktur für ein neues Stadtquartier geschaffen werden – stadträumlich integriert und flexibel für neue Wohnkonzepte.
Zentraler Platz als Visitenkarte
Im Kreuzungspunkt der Wegeachsen entsteht der Quartiersplatz, der hier wie eine Drehscheibe urbanes Leben aufnehmen kann. Er bildet das Herzstück des neuen Quartiers und dient als Kommunikationsort zwischen den Bewohnern der angrenzenden Stadtteile und des neuen Quartiers. Hier befinden sich Spiel- und Kommunikationsflächen für alle Altersgruppen und nutzungsoffene Flächen für gemeinschaftliche Veranstaltungen. Ein kleiner Brunnen bildet ein zentrales und belebendes Element auf dem Platz.
Direkt am Platz entsteht das zentrale Quartiershaus, welches als Solitär zeichenhaft die bauliche Mitte symbolisiert. Hier befinden kulturelle und gewerbliche Nutzungen, Co-Working und innovative Büroflächen für Start-ups. Ein Galerie-Cafe belebt den öffentlichen Raum und wirkt als stadträumlicher Magnet.
Angrenzend befindet sich das Quartiershaus mit der Kita und dem darüberliegenden Mehrgenerationenhaus. Die stadträumlich markante Ecke des nördlichen Baufeldes wird durch den Quartierstreff und den Bürgerladen belebt. Darüber befinden sich Sonderwohnformen für Senioren mit unterschiedlichen Betreuungsangeboten.
Klimaschutz und Klimaanpassung
Alle erhaltenswerten Bäume bleiben erhalten und werden durch neue Baumpflanzungen ergänzt. Der heutige und zukünftige Baumbestand kann so weiterhin als Entstehungsbereich für Frisch- und Kaltluft dienen. Durch die aufgelockerte Bauweise wird eine bioklimatische Entlastung und Verbesserung der Durchlüftungsverhältnisse erreicht.
Auch innerhalb der Quartiere sorgen großzügige Baumpflanzungen auf den Plätzen und in den Wohnstraßen für eine ausreichende Verschattung und tragen so zur Verbesserung des Kleinklimas bei. Die Begrünung der Innenhöfe, eine umfangreiche Fassadenbegrünung sowie die Begrünung der Dachflächen sorgen für größtmögliche Kühlungs- und Verdunstungseffekte.
Verkehr und Mobilität
Die PKW-Stellplätze werden auf zwei Quartiersgaragen verteilt die sich zentral innerhalb der einzelnen Bauabschnitte befinden. Die Zufahrten erfolgen über den angrenzenden Straßenraum und führen den Verkehr auf kurzem Weg in die Quartiersgarage. Die Zugänge zu den Garagen orientieren sich zu den Plätzen hin und erzeugen hier kommunikative Orte. Im Sockel befinden sich eine Mobilitätsstation und Stellplätze für Fahrräder.
Am Entréeplatz befindet sich der zentralen Mobilitätshub, ein Pavillon mit Fahrradwerkstatt und allen Funktionen für das Konzept der „sanften Mobilität“, wie carsharing-Stellplätze, Leihfahrräder sowie die Ladestationen der Elektromobilität. Durch intelligente Mobilitäts- und Sharing-Konzepte in Kombination mit dem ÖPNV kann eine signifikante Reduzierung des fahrenden und ruhenden KfZ-Verkehrs erreicht werden. Die Fuß- und Radwege durch die Grünraume stärken das durchlässige innere Erschließungskonzept und fördern den individuellen Fuß- und Radverkehr.
Das Wohnumfeld wird frei von Verkehr gehalten und ist nur eingeschränkt für die Anwohner, Müll- und Rettungsfahrzeuge im Bedarfsfall befahrbar. So entsteht ein weitgehend verkehrsfreier Innenbereich mit einer hohen Qualität in den Freiräumen, was ein pulsierendes Quartiersleben mit einer hohen Lebensqualität schafft. Eine zurückhaltende und wohlgesetzte Möblierung schafft Aufenthaltsqualitäten in den öffentlichen Räumen als Orte der Begegnung und Kommunikation.
Regenwasserkonzept
Für die Entwässerung wird ein differenziertes, dezentrales Regenwassermanagement in drei Stufen vorgeschlagen. In einer ersten Stufe wird das anfallende Dachwasser über Retentionsdächer zurückgehalten und zu einem hohen Anteil über Dachbegrünung bereits auf dem Dach verdunstet, was einen deutlich kühlenden Effekt für das Gebiet hat.
Der restliche und stark gedrosselte Teil das Dachwassers wird wie auch der Abfluss aus den sehr reduzierten befestigten Flächen in den Innenhöfen über offene Gräben und Rinnen und in den leicht abgesenkten Rasenmulden zurückgehalten und zum Teil versickert. Zusätzlich kann bei nachgewiesener Wirtschaftlichkeit das Wasser aus den privaten Flächen in dezentralen Retentionszisternen gesammelt, auf dem Grundstück zurückgehalten und für die Grauwassernutzung eingesetzt.
Das Regenwasser aus den öffentlichen Straßen- und Platzflächen wird ebenfalls in einem Netz aus kleinen Gräben und offenen Rinnen gesammelt und in einem ersten Schritt den leichten Mulden innerhalb des Grünen Angers und der Grünfugen zugeführt. Im Starkregenfall münden diese Mulden in den Retentionsraum im südlichen Randbereich. Durch die hohe Verweildauer des Wassers in den begrünten Mulden kann ein Teil des Wassers verdunsten oder es versickert bereits in den Vegetationsflächen.
Über Baumrigolen sichert das gesammelte Oberflächenwasser der Plätze die Wasserversorgung der Bäume.
Das Thema der Regenwasserbewirtschaftung wird als ökologische Qualität und als Anpassung an den Klimawandel sichtbar und erlebbar gemacht und trägt zum positiven Image der Siedlung bei.
Wirtschaftlichkeit/Recycling
Vorrangiges Ziel ist eine Wiederverwendung von Abbruchmaterialien, z.B. als Recyclingbeton innerhalb einer Hybridbauweise mit Holzbau. Die Gebäude werden grundsätzlich mit recycelbaren Materialen erstellt und sind energieautark. Ebenfalls soll das Konzept waste-to-energy zu einem natürlichen Kreislauf der Wertstoffe beitragen bei dem kein Abfall erzeugt wird.
Die Planung wird auf Grundlage wiederkehrender Maße erstellt und berücksichtigt einheitliche Standards in allen Bereichen. Dies schafft die Voraussetzung für eine elementierte Bauweise mit einem hohen Vorfertigungsgrad, welche insbesondere im Bereich des Holzbaus sinnvoll ist. Ziel ist es mit möglichst wenigen technischen Maßnahmen ein Höchstmaß an Energie einzusparen und Ressourcen zu schonen und maximal auszunutzen.
Kinderhaus, Bildungscampus Rainbrunnen | Schorndorf

Anerkennung | Kinderhaus, Bildungscampus Rainbrunnen
Schorndorf
In Zusammenarbeit mit Atelier 30
Städtebauliche Einbindung und Verzahnung mit der Landschaft
Der Neubau des Kinderhauses mit der Erweiterung des Schulgebäudes am Bildungscampus Schorndorf zeigt sich als ein maßstäbliches Ensemble einzelner Baukörper mit einem gemeinsamen Zentrum, dem künftigen kommunikativen Herz der Neubauten. Im Kontext des Bestandes bilden diese eine Anordnung in einem freien Verbund, welcher sich mit den Freianlagen verzahnt und gut proportionierte Freiräume bietet.
Die Anbindung der Schulerweiterung für die Fröbelschule erfolgt auf eine selbstverständliche Art und Weise an den Neubau. Der Kindergarten erhält seinen separaten Eingang im südlichen Grundstücksbereich. Der Entwurfsgedanke der Verzahnung zwischen Landschaft und Gebäude zeigt sich auch im Innenraum des Ensembles wieder. Die geordneten Strukturen der Baukörper schaffen dabei sehr gut organisierte innenräumliche Abläufe und spannende räumliche Beziehungen von innen nach außen und umgekehrt. Diese Eigenschaften machen den Neubau zu einem zeichenhaften abwechslungsreichen und kreativen Gebäude für Kinder und Lehrende. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Konzeptes war es, die Nutzungen in ablesbare Baukörper zu verorten, wodurch der Erweiterungsbau der Schule den bestehenden Campusgedanke und dessen Einrichtung ergänzt und stärkt.
Freianlagen
Ankommen
Der Auftakt des neuen Schul- und Kindergartentages findet auf dem Vorplatz statt. Bepflanzt mit einem mehrstämmigen, großzügig unterpflanzten Amberbaum mit seiner um den Baum schwebenden Rundbank ist die Eingangsplaza zugleich Durchgangs- und Aufenthaltsbereich. Der westliche Teil des Vorplatzes entlang der Haltebucht und vor dem Haupteingang bietet großzügigen Raum zum Warten, Ein- und Ausstieg, der östliche Teil erweitert den Freiraum vor dem Speisesaal, bietet Raum für das zu verlegende Spielfeld und erweitert im Osten den bestehende Pausenhof der Fröbelschule.
Spielhöfe
Die Setzung der Baukörper ordnet den einzelnen Kindergarten- und Schulbereichen klar definierte Freiräume zu. Eine lineare Spielskulptur mit intergriertem Sandspiel, Kletter- und Rückzugsmöglichen, einer Rutsche schließt ein westlichen Spielhof zur Grundstücksgrenze ab und arrangiert die Spielmöglichkeiten in so platzsparender Weise, dass viel Raum zum Toben und Sausen und für eine Bobbycarbahn außerhalb der Fallschutzbereich bleibt. Der nördliche Spielhof im räumlichen Zusammenhang mit der Christian-Morgensternschule versteht sich als Bewegungshof mit einem Angebot an an die Altersgruppe angepassten Spielgeräten. Der Schulgarten mit seinen Möglichkeiten zum barrierefreien Gärtnern und für einen Unterricht im Freien ist im nordöstlichen Hof angeordnet.
Ökologische Aspekte
Den Freiraum auf dem gesamten Gelände verstehen wir als stark durchgrünte Spiel- und Schullandschaft. Sie ist überstellt von großkronigen Zukunftsbäumen und gegliedert durch abgesenkte Gräser- und Staudenflächen, die neben Ihrem insektenfreundlichem Blütenreichtum gleichzeitig als Retentions.- und Sickerflächen dienen. Die befestigten Aufenthaltsflächen sind mit sickerfähigem Betonpflaster, randlich auch mit linearen Rasenfugenpflaster befestigt. Alle randlichen Strauchpflanzungen sind als Vogelschutzpflanzung mit einheimischen Bäumen und Sträucher und einem Saum aus standortgerechten Wildkräutern den Abschluss. Dort, wo keine bespiel- und betretbare Rasenfläche erforderlich ist, leisten magere, zweischürigen Wiesen ihren Beitrag zur Biodiversität. Alle Pflanzungen werden – neben ästhetischen Gesichtspunkten – so ausgeführt, dass sie einen wertvollen Beitrag zur Bioidiversität leisten können. Durch eine gezielte Auswahl an unterschiedlichen Substraten wird ein Mosaik aus ökologisch wertvollen Standorten initiiert, das sich durch Aussaat von gebietsautochthonem Wildkräutersaatgut zu besonders artenreichen Pflanzengesellschaften entwickelt. Die Modellierung des Geländes zu flachen Mulden zur Retention und Versickerung erhöhen die Diversität der Mikrostandorte zusätzlich.
Wassermanagement und Biodiversität
Die Freianlagen erfüllen neben den Anforderungen der Bewegungs- und Lernlandschaft auch grundsätzliche Funktionen einer resilienten und nachhaltigen Gebietsentwicklung. Dazu zählen ein Maximum an strukturreichen Vegetationsflächen, wasserdurchlässige Oberflächenbefestigungen und ein Regenwassermanagement als Kreislaufsystem. Die Dachflächen des Schulgebäudes werden, zur optimalen Niederschlagsrückhaltung und -verdunstung als Retentionsdächer (ca. 20-40cm Substrat und Retentionsboxen) ausgebildet. Die Substratschicht in Zusammenspiel mit den Retentionsboxen speichert das Regenwasser und stellt es den Pflanzen zur Verfügung. In den erdangebundenen Vegetationsflächen wird das Regenwasser durch die Ausbildung der Topografie den Pflanzflächen zugeführt.



Kindertagesstätte Ortsmitte Hegge | Waltenhofen

2. Preis | Kindertagesstätte Ortsmitte Hegge
Waltenhofen
In Zusammenarbeit mit Benkert Schäfer
Ortsräumliche Setzung und Einbindung in die Umgebung
Der Ortsteil Hegge ist geprägt durch eine offene Bebauung ohne räumliche Verdichtung zur Mitte. Randzonen wurden durch Wohnbebauung verdichtet, im Zentrum fehlt es an einem Ort für die Gemeinschaft. Durch die neue Kindertagesstätte soll dieses Spannungsfeld aufgelöst und die Chance ergriffen werden, eine neue Mitte zu ermöglichen. Die hier vorgeschlagene Situierung der neuen KiTa in unmittelbarer Nähe zu Kirche und Nahversorger ordnet die Ortsmitte neu, ein lebendiger Dorfplatz entsteht. Um die Kirche am Dorfplatz wieder erlebbar zu machen, wird nicht mehr notwendige Bebauung entfernt. Bewusst gesetzte Baumstellung gliedert die neue Ortsmitte in unterschiedliche Nutzungsbereiche. Ein kleiner Ausschank mit Biergarten und schattige Aufenthaltsbereiche laden zum Verweilen ein. Ein kühlender Brunnen verbessert das Mikroklima, besonders an heißen Sommertagen. Die neue KiTa selbst versteht sich als ein offenes Haus für die Kinder am Dorfplatz. Mit einer Abfolge von Wegen und Plätzen, führt es im Innern den Dorfplatz fort und lässt die unterschiedlichen Nutzungen der KiTa erlebbar werden. Das Gebäude nutzt geschickt die Topografie am Ort – der Mehrzweckraum, direkt am Eingang ist Adresse und offen für die ganze Gemeinde, der Kindergarten und weitere gemeinschaftliche Nutzungen sind um einen gemeinsamen Innenhof als Mitte des Hauses organisiert. Die Kinderkrippe für die Kleinsten ist im Sockel darunter, mit direktem Zugang zum Garten hin organisiert. Für den Wohnungsbau wird eine offene und rhythmisierte Setzung im Maßstab der umgebenden Bebauung vorgeschlagen.
Dem Prinzip des Haufendorfes folgend entstehen kleine Außenbereiche, die gemeinschaftlich genutzt werden können.
Erschließung und Verkehr
Die Haupterschließung der Kita erfolgt über den Dorfplatz und die Veitser Straße. Hier entstehen entlang der Straße Kiss & Ride Stellplätze für das sichere Holen und Bringen der Kinder. Zugänge im Süden und Osten in den Garten und ein Zugang von der Veitserstraße, als Anbindung zum Hort gegenüber, runden die Vernetzung mit dem Kontext ab. Das Parken für Mitarbeiter der Kita und Bewohner der neuen Wohnbebauung findet in der gemeinsamen Tiefgarage statt, welche ebenfalls von der Veitser Straße aus erschlossen wird. Zusätzliche Stellplätze für kurze Erledigungen im Ortskern befinden sich nördlich des Dorfplatzes entlang der Industriestraße. Die Wohnstraße „Am Pfarrgarten“ bleibt somit weitestgehend den Anwohnern vorbehalten und bietet so eine ruhige Erschließung der einzelnen Wohngebäude über den gemeinsamen Anger. Ein neuer Fußweg verbindet den Dorfplatz mit dem Marienplatz und schafft eine direkte Fußgängerachse für die Bewohner des östlichen Ortsgebiets ‚Illerbogen‘. Der Eingang der neuen Kita liegt am Dorfplatz, wo auch überdachte Fahrradstellplätze angeboten werden – ein Ort der Begegnung für Pädagogen, Eltern und Kinder entsteht. Die Anlieferung der Küche geschieht über einen zusätzlichen Eingang an der Veitser Straße.
Typologie und Raumorganisation
Die zweigeschossige Kindertagesstätte fügt sich harmonisch in die bestehende Hanglage ein. Im Erdgeschoss befinden sich, zentral zum Dorfplatz ausgerichtet, der Eingangsbereich und das Foyer mit Mehrzweckraum. Von dort aus sind der allgemeine Bereich mit Küche und Speisesaal, sowie der Kindergarten zugänglich. Die große freiliegende Sitztreppe im Foyer führt ins darunterliegende Gartengeschoss und dient neben der Erschließung, auch als Lesetreppe und Bibliothek.
Ein Atrium in der Mitte des Gebäudes sorgt für ausreichend Belichtung und bietet weitere geschützte Außenbereiche für die Kinder. Im Gartengeschoss befindet sich die Kinderkrippe mit direkten Ausgängen zum Kleinkinderspielbereich im Garten. Der Werkraum und das Atelier sind zentral angeordnet und haben einen eigenen Außenbereich im Atrium. Auch der Personalbereich liegt im Gartengeschoss, mit einem eigenen Ausgang zum Freisitz. Die Tiefgarage, der Lagerbereich und Nebenräume sind wirtschaftlich im hangseitigen Bereich des Gartengeschosses angeordnet.
Orientierung in den Freiraum
Alle Gruppenräume der Kita orientieren sich nach Südosten zum Garten hin. Die Kinder im Kindergarten gelangen über eine Außentreppe im Süden des Gebäudes oder barrierefrei über den Aufzug in den Garten. Dort warten verschiedene Spielbereiche und ein großes Spielelement auf sie. Der Bereich des ehemaligen Pfarrgartens wird hier in den neuen Spielbereich integriert. Die jüngeren Kinder in der Kinderkrippe haben einen direkten Zugang zum Garten über deren Gruppenräume. Der Außenbereich des Personalbereichs führt über einen Lichthof zu einer kleinen Terrasse.
Freianlagen
Der Freiraum der neuen Kindertagesstätte schafft eine lebendige, grüne Umgebung, die sich harmonisch in die bestehende Ortsstruktur einfügt. Der Erhalt der Bestandsbäume sorgt für eine naturnahe Atmosphäre, spendet Schatten und leistet einen wertvollen ökologischen Beitrag. Durch die behutsame Modellierung der Topographie entstehen abwechslungsreiche Außenbereiche, die die natürliche Geländeformation aufgreifen. Ein multifunktionales Spielelement strukturiert den Raum, dient als Trennung zwischen den Bereichen und fördert zugleich die motorischen Fähigkeiten der Kinder. Es integriert zusätzliche Lagerflächen für Spielgeräte im Außenbereich. Durch gezielte Bepflanzung werden die Kita und Krippenbereiche klar definiert, während terrassenartige Freiflächen fließende Übergänge zwischen Innen- und Außenräumen ermöglichen. So entsteht eine durchdachte Verbindung von Natur, Spiel und Gemeinschaft, die die pädagogische Nutzung des Außenraums optimal unterstützt.
Nachhaltigkeit
Die neue Kindertagesstätte in Zeiten des Klimawandels – nachhaltig, wirtschaftlich und klimaneutral
Im Bausektor und damit auch für Städte und Gemeinden wächst die Verantwortung, in der Umsetzung neuer Gebäude auf nachhaltige Konzepte zu setzen. Das hier vorgeschlagene Haus ist daher ein nachhaltiges, wirtschaftliches und in die Zukunft gerichtetes.
TOPOS und Freiraum – nachhaltige Innenentwicklung ist klimaresilient und kann sich dem Klimawandel über blau-grüne-Siedlungsstrategien anpassen. Dachbegrünung und in Teilen mögliche begrünte Fassaden reduzieren die Wärmeverluste und verbessern das Mikroklima durch Absorptionskühlung im Sommer. Ein Hausbaum und Retentionsflächen im Innenhofbereich unterstützen diese Maßnahmen. Das Niederschlagswasser kann vor Ort über Zisternen rückgehalten, genutzt und überschüssige Niederschlagsmengen in Sickerschächten auf dem Grundstück versickern.


Neubau der Bildungsakademie der HWK Karlsruhe | Karlsruhe
Anerkennung | Neubau der Bildungsakademie der HWK Karlsruhe
Karlsruhe
In Zusammenarbeit mit Atelier30
Städtebauliche Idee
Mit dem Neubau der Bildungsakademie erhält die Handwerkskammer Karlsruhe die Chance sich im Kontext ständiger wirtschaftlicher, technologischer und gesellschaftlicher Veränderungen mit einer neuen, zeitgemäßen und modernen Lern- und Arbeitswelt zu präsentieren.
Den Planungs- und Baurechtlichen Grundlagen folgend wird der Neubau entlang der Johann-Georg-Schlosser-Straße positioniert. Mit der Abstaffelung des Baukörpers wird das Bauvolumen gegliedert und funktional organisiert.
Der Haupteingang zum Gebäude liegt im zentral angeordneten, markanten dreigeschossigen Bauteil der Akademie, womit der Bildungsakademie ein gut wahrnehmbarer, dem Ort angemessener Auftritt verschafft wird.
Dem Haupteingang ist ein Eingangsplatz vorgelagert, der das seitlich platzierte Parkhaus an den Haupteingang auf kurzem Weg anbindet.
Innenhöfe
Die Werkstätten sind um zentral liegende Innenhöfe angeordnet. Bei der Durchwegung der Werkstattbereiche entsteht somit ein abwechslungsreicher Erschließungsbereich mit interessanten Ausblicken. Zudem bieten Aufweitungen im Bereich vor den Innenhöfen und auch die Innenhöfe selbst Raum für Kommunikation und zur Entspannung.
Freiraum
Die Bildungsakademie in Karlsruhe wird durch einen großzügigen Vorplatz erreicht. Vorbei an kleineren Grüninseln und zahlreichen Bäumen ist der Eingang klar zu erkennen. Durch eine Verbindung von Grün und Sitzflächen entsteht ein attraktiver Ort zum Treffen und bietet die Möglichkeit, seine Zeit in der urbanen Mitte unter schattenspendenden Bäumen zu verbringen.
Die gesammelte Verschiebung der Parkflächen auf den westlichen Teil des Grundstücks sorgt für einen beruhigten Bereich vor der Akademie für Fußgänger:innen und Fahrradfahrer:innen.
Gestärkt wird dies durch Fahrradstellplätze vor dem Eingang.
Die Anlieferung erfolgt über die südliche Freifläche. Zusammen mit der Einfahrt zur Tankstelle kann die Anlieferung getrennt zum restlichen Nutzen der Akademie stattfinden. Durch einen Vegetationsstreifen in Kombination mit einem Zaun wird die Zugänglichkeit eingeschränkt und eine klare räumliche Trennung vollzogen. Um diese Fläche jedoch weiter aufzuwerten, werden zahlreiche Bäume platziert. Verbunden mit Ausschweifungen des Grünbandes ergeben sich kleine Nischen mit Sitzflächen unter diesem Baumdach.
Zentraler Punkt in der Außenlagenplanung ist das immer wichtiger werdende Regenwassermanagement, um die Bildungsakademie auch in vielen Jahren als modernen Standort zu sehen. So wurden sprechend großzügige Retentions- und Versickerungsflächen geplant.
Südlich des Neubaus befindet sich die Retentionsfläche in einer Kombination aus mehreren Mulden. So kann hier überschüssiges Regenwasser vom Grundstück und den angrenzenden Flächen gesammelt, verdunstet und versickert werden.
Durch ein Grünband um das Parkdeck kann auch ein Teil des Regenwassers im westlichen Teil des Grundstücks aufgenommen werden. Das restliche Wasser wird in die lange Versickerungsfläche im Süden geleitet.
Auch die drei Innenhöfe mit Grün- und Sitzelementen unterstützen den Umgang mit dem Niederschlag durch direkte Versickerungsflächen.
Dach- und Fassadengestaltung
Die Dächer der eingeschossigen Gebäudebereiche und die Geschossdecken des Zentralbaus sind als Holz-Beton-Verbunddecken auf einem Konstruktionsraster von 5x5m geplant. Bei Bedarf wird das Konstruktionsrater auf 7,5×7,5m bzw. 10x10m erweitert und die Konstruktion mittels Unterzügen unterstützt.
Die Fassadenelemente und Innenwände sind in Holzrahmenbauweise vorgesehen.
Über die Materialität der Fassade wird die Holzbauweise konsequent fortgesetzt. Die Fassadenflächen sind mit einer Holzschalung verkleidet. In Teilen wird eine Fassadenbegrünung vorgeschlagen.
Biodiversität und Regenwassermanagement
Die Freianlagen erfüllen neben den funktionalen Anforderungen der Bildungsakademie auch grundsätzliche Funktionen resilienter und nachhaltiger Gebietsentwicklung. Regenwassermanagement, wasserdurchlässige Oberflächenbefestigungen,
strukturreiche Vegetationsflächen, Biodiversität und Kohabitation stehen hier im
Mittelpunkt. Die Gebäudedächer erhalten eine Intensivbegrünung mit regionalem Saatgut. Die 30 cm starke Substratschicht hält das Regenwasser durch Speicherung und Verdunstung fast vollständig zurück. Überschüssiges Regenwasser der Dächer wird in Zisternen gesammelt und als Brauchwasser für die Gebäudetechnik und die Grünflächen zur Verfügung gestellt.
Die Freianlagen erhalten ein übergreifendes Regenwassermanagement. Hierzu wird das anfallende Regenwasser in die Pflanz- oder Strauchflächen geleitet, damit es dort aufgefangen wird und lokal versickern kann. Überschüssiges Regenwasser bei Starkregenereignissen wird gezielt in Retentionsflächen geleitet.
Die offenen Grünflächen, mit einem großen Anteil an artenreichen Blühzonen, mit hitzetoleranten Extensivstauden und Gräsern, dienen als Nahrung und Lebensraum für Bienen und Insekten. An den Rändern sind freiwachsende Hecken aus heimischen Gehölzen vorgesehen, sie bilden die Raumgrenze, mindern den Lärm und haben Schutzcharakter. Eingestreute Fruchtgehölze erhöhen die Biodiversität der Freianlage. Ein Grünraum für Menschen, Tiere und Pflanzen.
Neue Mitte Forstfeld | Kassel
2. Preis | Forstfeld-Mitte
Kassel
Mehrfachbeauftragung in Zusammenarbeit mit Baufrösche
Leitidee
Der städtebauliche Entwurf für ein Stadtteilzentrum kombiniert eine gezielte Baukörperkonfiguration mit den Bestandsbauten, prägnante Baumgruppen mit einem einladenden grünen Quartiersplatz entlang dem Forstbachweg.
Städtebau und Freiraum
Das Boomerang-Haus für Begegnung, Bildung und Wohnen bildet durch seine städtebauliche Setzung gemeinsam mit dem Jugendzentrum und der Turn- und Multifunktionshalle das neue Stadtteilzentrum mit einem Quartiersplatz und Park entlang dem Forstbachweg. Die geplante Begrünung mit alten und neuen Bäumen trägt zur Schaffung eines einladenden, vielseitig nutzbaren und geschützten Freiraums bei. Das Erdgeschoss des Boomerang-Hauses ist für gemeinschaftliche, soziale und gewerbliche Nutzungen vorgesehen, um die Quartiersmitte zu beleben und den sozialen Austausch sichtbar zu fördern. Der Turm und das Atriumhaus ergänzen die Collage und formen zusammen einen grünen, halböffentlichen Wohnhof. Dieser Wohnhof kann durch großzügige Gemeinschaftsräume in den Erdgeschossen zusätzlich belebt werden, und ist somit auch bestens geeignet für gemeinschaftliche Wohnmodelle. Ein großzügiger Durchgang im Boomerang-Haus verbindet den offenen, parkartigen Wohnhof mit den Quartiersplatz. Das TOGO-Haus am Ende des Togoparks bildet einen markanten räumlichen Akzent, dient der sozialen Sicherheit und nutzt die hier vorhandene ungenutzte Brachfläche für Wohnen und Gewerbe. Die Lärmintensiven Nutzungen für ein Ballsportfeld und einen Skaterpark werden auf dem Schulgelände entlang dem Forstbachweg neu angelegt und ergänzen jetzt mit dem Supermarkt die die neue Forstfeld-Mitte entlang dem Forstbachweg. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, die Lärmbelastung in den angrenzenden Wohngebieten zu reduzieren, während gleichzeitig eine attraktive Freizeitgestaltung mit Jugendzentrum für Jugendliche sichergestellt wird. Das ursprüngliche Ballsport-Grundstück wird nun für eine Urbanfarm für Jung und Alt genutzt. Ein Aktivpark ergänzt das Angebot, fördert die sportliche Nutzung des Freiraums durch die Bewohner des Stadtteils und bildet zudem die Verbindung zum neu angelegten Silent Park im Norden am Togoplatz. Eine Boule-Platz wird am neuen Quartiersplatz am Forstbachweg angelegt.
Erschließung
Der Autoverkehr im gesamten Quartier wird erheblich reduziert, um die öffentlichen Frei- und Grünräume bevorzugt als hochwertige Aufenthaltsräume für die Bewohner im Stadtteil Forstfeld zu gestalten. Der Forstbachweg wird in Teilbereichen zu einer Tempo-30-Zone umgestaltet (Beispiel Leuschnerstraße). Die bestehende Zufahrt und die Parkplätze für die Kita werden zurückgebaut und an die Heinrich-Steul-Straße verlagert. Die Flächen der bisherigen Parkplätze werden in Außenspielflächen für Kinder umgewandelt. Die hierdurch entfallende Zäsur zwischen Jugendzentrum und den angrenzenden Flächen trägt maßgeblich dazu bei das Haus Forstbachweg städtebaulich in den Kontext und an den Quartiersplatz zu rücken. Die erforderlichen Stellplätze werden in einer kurzen Stichstraße und entlang der Heinrich-Steul-Straße ausgewiesen. Bei Bedarf kann unter dem Turmhaus eine Tiefgarage errichtet werden. Die Abstellflächen für Fahrräder werden im Freiraum mit Bügel und einem abschließbaren Fahrradhaus angeboten. Zusätzlich sind die Aufzüge in den Wohnhäusern für Fahrräder geeignet, so dass die Fahrräder auch sicher und komfortabel in den eignen Kellerräumen sicher abgestellt werden können. Die Durchwegung für den Radverkehr durch die neue Mitte-Forstfeld ist mit Tempo 10 möglich. Da das Boomerang-Haus nur dreigeschossig geplant wird und das Turmhaus und das Atriumhaus mit Sicherheitstreppenhäuser ausgestattet werden, sind keinen aufwendigen Feuerwehrumfahrten notwendig.
Freiraum und Ökologie
Durch das städtebauliche Konzept ergibt sich ein hoher Grünflächenanteil mit prägenden Gehölzstrukturen im Bestand, anspruchsvoller Neubepflanzung und attraktiven Platzflächen. Von besonderer Bedeutung für das Konzept der Freianlagen ist der Quartiersplatz mit einer hohen Aufenthaltsqualität und die Verbindung der Freiräume untereinander.
Die großzügigen Grünflächen, der Erhalt und die Neuanpflanzung von Bäumen erfüllen den durch den Klimawandel erhöhten Bedarf an Stadtgrün. Diese Maßnahmen dienen als Puffer gegen Hitzestress und Starkregenereignisse und wirken zusätzlich als Staubfilter. Wo immer möglich, wird das Regenwasser in offenen Retentionsmulden geführt und sichtbar gemacht. Gleichzeitig wird der Abfluss von Regenwasser von den Dächern durch die Nutzung von Dachbegrünungen als Pufferspeicher minimiert.
Weiterentwicklung Bahnhofsquartier | Leverkusen-Mitte
2. Preis | Weiterentwicklung Bahnhofsquartier
Leverkusen-Mitte
In Zusammenarbeit mit Atelier30 Architekten
Leitidee und städtebauliches Konzept
Der Neubau des neuen Bahnhofsgebäudes mit angrenzendem Fahrradparkhaus markiert mit einem angemessenen Hochpunkt den neuen Bahnhofszugang bzw. Zugang zu den Gleisen und setzt ein Zeichen für das Bahnhofsquartier Wiesdorf/Leverkusen-Mitte. Zugleich bildet die Neubebauung den Übergang und einen angemessenen Auftakt nach Süden zum neu-entwickelten Postgelände-Areal.
Die Kubatur des Bahnhofsgebäudes entwickelt sich, terrassenartig abgetreppt, aus dem eingeschossigen Langbau des Fahrradparkhauses heraus. Die Bebauung ist geprägt durch intensiv begrünte Dach- und Fassadenflächen und stellt einen sichtbaren Beitrag zur Stadtentwicklung dar. Das Fahrradparkhaus ist in mehrere Abstellbereiche untergliedert. Mit der verkanteten Anordnung der Fahrradboxen wird sowohl der Raum zum ZOB hin gefasst und dennoch der Fahrradschnellweg nicht in die zweite Reihe gesetzt. Mit den neuen möglichen Durchquerungen wird der Fahrradschnellweg an den ZOB/Bahnhofsplatz angeschlossen und nicht als reine „Durchfahrtsschneise“ in die zweite Reihe hinter das Fahrradparkhaus verbannt. Die auskragende Überdachung im Bereich des Erdgeschosses bietet Schutz für weitere Fahrradstellplätze und die Möglichkeit zum Unterstellen. Die Bebauung kann in zwei getrennten Bauteilen errichtet werden.
Freiraumkonzept
Gegenüber der großen Verkehrsfläche des Busbahnhofs vermittelt der neue Bahnhofsvorplatz als grünes Bindeglied zwischen der vegetationslosen Funktionsfläche – dem Bahnhofs- und Büroneubaus und dem Rialtoboulevard. Im Zusammenspiel zwischen befestigten Flächen, baumüberstandenen Gräser- und Staudenflächen und einem Wasserspiel wird der Platz nicht nur seiner Funktion als frequenzstarker Transitraum gerecht, sondern wird – ausgestattet mit zweitlos-robustem Stadtmobiliar – gleichzeitig zum attraktiven Aufenthaltsraum für Wartende, Flaneure und Gastronomiebesucher*innen. Da mit einer zukünftig noch zunehmenden, starken Aufheizung der angrenzenden Verkehrsflächen zu rechnen ist, wird der Bahnhofsvorplatz außerhalb der Bewegungsräume mit großkronigen, schattenspendenden Bäumen überstellt, die im Zusammenspiel mit der Verdunstungskälte des Brunnens einen deutlichen Kühleffekt versprechen. Die Fahrbahn für die Busse wird im Platzbereich in Ortbetonweise mit denselben Zuschlagstoffen und derselben Farbnuancierung wie der Plattenbelag hergestellt, um einen möglichst durchgängigen, einheitlichen Gesamteindruck zu gewährleisten.
Leuchtwerkareal | Augsburg
Anerkennung | Leuchtwerkareal
Augsburg
In Zusammenarbeit mit REICHER HAASE ASSOZIIERTE
Grün- und Freiflächen
Vom geschützten Grünstreifen an der Lech ausgehend, ziehen sie die Baumstrukturen bis weit in das Quartier hinein und verbinden so den Stadt- und den Grünraum miteinander. Zwischen den Gebäuden entstehen in Ost-West-Richtung grüne Korridore, die das Grün bis an die Berliner Allee heranziehen und so den Grünraum von der Lech nicht nur ins Quartier, sondern bis in die Stadt ziehen. Dies wird sich auch positiv auf die sommerliche Erwärmung der Stadt auswirken, da die Korridore die frische und kühle Luft vom Fluss transportieren.
Um die Schneise möglichst effektiv zu gestalten, wird die Mitte freigehalten, zu den Rändern hin verdichten sich aber die Baumstellungen, so dass die angrenzenden Fassaden sich nicht aufheizen und diese warme Luft den positiven Effekt mindern würde.
Im Grünzug an der Lech entsteht ein zusätzlicher Sparzierweg, so dass Rad- und Fußverkehr sich nicht einen Weg teilen. Entlang des Spazierwegs öffnen sich immer wieder kleine Plätze, die zum Verweilen am Wasser oder im Grünstreifen einladen. Tischtennisplatten und Calisthenics ergänzen hier das Freizeitprogramm. Am Wasser kann in den Sommermonaten auch eine Badestelle entstehen.
Öffentliche Grünflächen
Die Grünen Korridore, die sich durch das Quartier von Ost nach West ziehen, bilden die öffentlichen Grünflächen. In der offenen Mitte entstehen Spiel- und Sportmöglichkeiten. Bänke laden zum Verweilen und Treffen ein. Ein mittiger Weg verbindet jeweils das Quartier mit dem Freiraum an der Lech.
Private Grünflächen
Innerhalb der Wohnquartiere entstehen Höfe, in denen sich direkt an den Gebäuden private Grünflächen befinden, die durch Strauch und Heckenpflanzungen vom Gemeinschaftsgarten, getrennt werden. In den gemeinschaftlichen Bereichen gibt es die Möglichkeit für gemeinsames Gärtnern, spielen und Aufenthalt im Freien.
Plätze und Straßenräume
Der Boulevard, der sich durch das gesamte Quartier zieht, verbindet alle Bereiche miteinander und stellt die innere Erschließungsachse dar. Der Raum wird von beiden Seiten durch Grünflächen begleitet, die sich von den Gebäuden unterschiedlich weit bis in den Boulevard ziehen. So erhält der gesamte Raum ein grünes Erscheinungsbild. Die Fahrbahn schlängelt sich dabei durch diese Grünflächen.
Die vier Quartiesplätze, die sich entlang des Boulevards aufreihen, haben unterschiedliche Funktionen. Der Osramplatz bildet den Auftakt ins Quartier. Hier befindet sich ein städtischer Platz, mit Cafés, Bänken und freien Flächen für Märkte und Veranstaltungen. Abends erstrahlen hier die Pflanzflächen in besonderem Licht und bilden kreise auf dem Boden. Weiter südlich befindet sich der kleinere Quartiersplatz Ledvance. Hier findet Nachbarschaftliches Treffen statt. LED Platten im Boden erstrahlen hier, wenn der Platz genutzt wird. Der Wolframplatz erhält ein besonderes Highlight. Hier spannt sich zwischen den Bestandsbäumen ein Leuchtdraht, der in den Abendstunden eine besondere Atmosphäre schafft. Zwischen den Werkstätten im Norden entsteht ein weiterer Platz. Hier steht das Handwerk im Vordergrund. Kleine Ausstellungen und Märkte finden hier Raum.
Bäume und Pflanzen
Alle Bestandsbäume im Quartier werden erhalten, um die Qualität der bereits etablierten Bäume zu nutzen. Ergänzt werden die Bestandsbäume durch Pflanzung von Klimabäumen. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit extremen Regenfällen und durchweichten Böden zurechtkommen, aber auch mit länger anhaltenden Trockenperioden. Um den Boden nicht für jede Baumpflanzung austauschen zu müssen, wird das Gelände teilweise, mit dem vorhandenen Material aufgeschüttet. So erhalten die Bäume genügend Wurzelraum, ohne die alten Aufschüttungen komplett entfernen zu müssen. Bei der Wahl der Pflanzen wird auf flachwurzelnde Arten geachtet. Eine artenreiche Strauchpflanzung vor den Wohnhäusern, bietet sowohl den Anwohnern Schutz vor Einblicken in die Wohnung als auch einen Lebensraum für viele Vogel- und Insektenarten. Die Grünen Achsen werden an den Rändern durch Stauden- und Gräserpflanzungen begleitet, die durch ihr üppiges und dichtes Wachstum einen niedrigen Pflegeaufwand benötigen.
Innerhalb der Versickerungsmulden werden resiliente Stauden und Gräser gepflanzt, die sich auch nach langen Phasen unter Wasser schnell wieder erholen und auch längere Trockenperioden gut überstehen.
Regenwasserbewirtschaftung
Um ein zukunftsfähiges Quartier zu schaffen, ist es in erster Linie wichtig, die Flächen so umfänglich wie möglich zu entsiegeln. So kann ein natürliches Klima entstehen, mit Versickerung und Verdunstung direkt am Ort. Durch die Belastung der Böden ist dies im Quartier allerdings mit einem hohen Kostenaufwand verbunden. Der Entwurf sieht vor, das Regenwasser aus dem Quartier gezielt in die vorgesehenen Mulden zu leiten, in denen sich das Wasser sammeln und versickern kann. In diesen Bereichen wird der Boden bis unter die Schichten der Aufschüttungen ausgetauscht, dass das Regenwasser ungehindert bis zum Grundwasser sickern kann. Um das Regenwasser in diese Mulden leiten zu können, wird das restliche Gelände teilweise überhöht.
Vor den Gebäuden zur Berliner Allee hin entstehen Raingardens. Das anfallende Regenwasser von den Fuß- und Radwegen und das überschüssige Regenwasser von den Dachflächen, wird in diese Bereiche geleitet. Durch die belebten Bodenschichten kann das gereinigte Wasser bis ins Grundwasser versickern oder nach an der Oberfläche wieder verdunsten. Bei Starkregenereignissen, kann durch die Muldenbildung Wasser angestaut werden, dass dann nach und nach versickert.
Die Dächer werden begrünt und als niedrige Retentionsdächer ausgebildet. So kann, dass Regenwasser bereits auf den Dächern rückgehalten werden und steht hier für die Pflanzen und für die Verdunstung zur Verfügung.





















































