Neugestaltung Freiflächen am Informationszentrum Mathildenhöhe | Darmstadt
Anerkennung | Neugestaltung Freiflächen am Informationszentrum Mathildenhöhe
Darmstadt
Die Blaue Mathilde – Natur als Galerie
Das neue Informationszentrum der Mathildenhöhe erhebt sich als Solitär im Park, eingebettet in die historische und kulturträchtige Umgebung und bildet zugleich einen zentralen Bezugspunkt innerhalb der Grünachse zwischen der Altstadt, der Erich-Ollenhauer-Promenade und dem Grünzug Rosenhöhe. Der Entwurf hat den zentralen Gedanken, einen maximalbegrünten Ort zu schaffen, er Schatten und Verdunstungskühle für die Besucher spendet, sich im Laufe der Jahreszeiten verändert und ausreichend Fläche für Versickerung und Verdunstung bietet. Aufenthaltsflächen für kleine und große Gruppen entstehen sowohl auf als auch entlang der Grünflächen. Ein langes geschwungenes Wegeband, legt sich behutsam auf die großen Grünflächen und verbindet so die einzelnen Bereiche miteinander. Der Freiraum reagiert dabei sensibel auf die historischen, ökologischen und künstlerischen Anforderungen an den Ort und verbindet diese zu einem fließenden, harmonischen Erlebnisraum, der Besucher:innen auf unterschiedlichen Ebenen anspricht.
Die Wegeführung folgt einem organischen, geschwungenen Gesamtkonzept, das die Bewegung durch das Gelände natürlich und intuitiv leitet. Vom nördlichen Bereich über den Vorplatz des Informationszentrums, durch den bewaldeten Osthang bis hin zum Fiedlerweg entstehen direkte Anschlüsse, während zugleich eine harmonische Gesamtbewegung durch den Park entwickelt wird. Hauptwege führen zu den zentralen Nutzungen, Nebenwege eröffnen Rückzugsräume und kleinere Aufenthaltsorte und ermöglichen eine differenzierte Raumerfahrung. Die Wege im Osthang sind bewusst als barrierearme, feste „Waldwege“ ausgebildet und sensibel in die naturnahe Umgebung eingebettet. Zwischen ihnen bleiben großzügige, naturnahe Flächen – teilweise aus Rindenmulch – für temporäre Nutzungen, künstlerische Aktivitäten oder Veranstaltungen erhalten.
Das gestalterische Leitmotiv des Freiraums greift die künstlerische Tradition der Mathildenhöhe auf. Inspiriert von den Wandmosaiken der Anlage sowie von den Arbeiten der Künstlerin Nevin Aladag entsteht ein organisch-abstraktes Kompositionsprinzip, das Wege, Aufenthaltsflächen, Möblierung und Pflanzung miteinander verbindet. Die Freiflächen folgen einem malerischen, fließenden Muster, das Besucher:innen sinnlich durch den Raum führt. Die Möblierung aus leuchtend, blauem Corian setzt bewusste Kontraste, nimmt das tiefe Blau der Wandkunst innerhalb der Gebäude auf und erzeugt eine visuelle Spannung zwischen minimalistischen, geraden Elementen und der organischen, natürlichen Formsprache der Landschaft. Sitzblöcke, Loungemöbel und Bänke werden als gestalterische Skulpturen verstanden, die Funktionalität, Ästhetik und Aufenthaltsqualität vereinen.
Der Vorbereich des Informationszentrums fungiert als multifunktionaler Empfangsraum mit barrierefreien Zugängen vom Olbrichweg, sicheren Haltemöglichkeiten für Busse sowie Aufenthalts- und Begegnungsflächen für bis zu 100 Personen. Der Ateliergarten, als historisch bedeutender Teil der UNESCO-Welterbestätte, ist über eine Treppe im nördlichen Bereich sowie über eine barrierearme Zuwegung im Nordwesten direkt erschlossen. Auf diese Weise wird der Garten wieder erlebbar, seine historischen Strukturen bleiben ablesbar und die künstlerische Substanz des Ortes wird bewahrt. Zugänge zum Osthang sind sowohl nördlich als auch südlich des Informationszentrums sowie über den Olbrichweg und den Fiedlerweg vorgesehen und gewährleisten eine vielfältige Durchwegung sowie flexible Nutzungsmöglichkeiten.
Die Materialität der Freiflächen ist differenziert und fein aufeinander abgestimmt. Der Großteil der Wege besteht aus wasserdurchlässigen Materialien; lediglich der Hauptweg wird aus Gründen der Befahrbarkeit aus hellem Asphalt hergestellt. Die übrigen Wege im Vorbereich erhalten wassergebundene Oberflächen in einer Farbigkeit, die sowohl mit den Asphaltflächen als auch mit den bestehenden Wegen der Mathildenhöhe harmoniert. Der Vorbereich des Informationszentrums sowie der Bereich vor dem Ateliergarten sind mit einem Kleinsteinpflaster aus Naturstein gestaltet, das einen ruhigen Kontrast zur blauen Möblierung bildet. Der Ankunftsbereich für Reisebusse ist als kiesgebundene Fläche ausgebildet und fügt sich farblich in das Gesamtkonzept ein.
Besondere Gestaltungselemente bereichern die Aufenthaltsqualität und schaffen Raumerlebnisse für alle Sinne. Vor dem Ateliergarten erinnert ein Wasserelement an das historische Wasserbecken; ergänzend erzeugen Wasseraustritte aus der Mauer ein sanftes Plätschern, das Ruhe und Verweilen fördert. Im Osthang bietet ein zentral angeordnetes Holzdeck Raum für multifunktionale Nutzungen, während der Großteil der Fläche für temporäre künstlerische Aneignung und Veranstaltungen offenbleibt. Trampelpfade sowie punktuell positionierte Sitzblöcke führen durch das dichte Grün, stärken die Verbindung zur Natur und eröffnen wechselnde Perspektiven in die Waldfläche.
Die Freianlagen differenzieren sich bewusst funktional und atmosphärisch: Der westliche Vorbereich ist repräsentativ, beschattet und vielseitig nutzbar, während der Osthang naturnah, kleinklimatisch wirksam und als Rückzugs- und Erlebnisraum erhalten bleibt. Die Beleuchtung ist im Vorbereich zurückhaltend und warm geplant. Der Osthang bleibt bewusst unbeleuchtet, um seinen natürlichen Charakter zu bewahren und die Tiere im Dunklen zu schützen. Lediglich temporäre Beleuchtungen bei Veranstaltungen sind gewünscht.
Die Sichtachsen und Blickbeziehungen der Mathildenhöhe bleiben vollständig erhalten, sodass der außergewöhnliche universelle Wert der UNESCO-Welterbestätte respektiert wird. Bauliche Elemente des Ateliergartens werden denkmalgerecht instandgesetzt, Pergolen und Mauern restauriert und nicht eindeutig belegte Elemente im Sinne einer kritischen Rekonstruktion ergänzt. Barrierearme Zugänge gewährleisten ein harmonisches Zusammenspiel historischer und zeitgenössischer Nutzungen.
Die Stellplätze sind bewusst zurückhaltend und gestalterisch unauffällig integriert. Entlang des Olbrichwegs befinden sich drei barrierefreie PKW-Stellplätze in angemessener Entfernung zum Eingang sowie 30 zentral gelegene Fahrradstellplätze und ein Mobilitätsstandort, die als Teil der geschwungenen Freiraumgestaltung wahrgenommen werden. Auf diese Weise wird nachhaltige Mobilität gefördert, ohne den historischen oder landschaftlichen Charakter zu beeinträchtigen.
Entlang des Olbrichwegs wird im Ideenteil eine grüne Leitidee entwickelt, die den historischen Straßenraum als integralen Bestandteil des Freiraums der UNESCO-Welterbestätte versteht. Straßenverlauf und Profil bleiben ablesbar, historische Materialien werden aufgenommen und in einen niveaugleichen, verkehrsberuhigten Raum überführt. Der Bereich zwischen Fiedlerweg und Lucasweg verknüpft Wege- und Grünstrukturen und stärkt die Verbindung zwischen dem westlichen Teil der Mathildenhöhe und dem Wettbewerbsgebiet. Orientierung entsteht nicht über Beschilderung, sondern über räumliche Klarheit, Blickbeziehungen und grüne Leitelemente. Ergänzend entsteht im nördlichen Bereich auf der vormals komplett versiegelten Fläche, ein grüner Freiraum mit hoher Aufenthaltsqualität, der die durchgehende Grünachse zwischen Altstadt und Rosenhöhe stärkt. Die starke Reduzierung der befestigten Flächen verbessert das Mikroklima erheblich.
Durch die Verzahnung von Architektur, Kunst und Landschaft, die Berücksichtigung des Baumbestands, die Vernetzung bestehender Biotopstrukturen und die fein abgestimmte Materialität entsteht ein Freiraum, der historische Tiefe und künstlerische Qualität in Einklang bringt. Die Mathildenhöhe wird als malerisches Gesamtkonstrukt erfahrbar, in dem Vegetation, Licht, Wasser, Material und Farbe eine atmosphärische Verbindung von Natur und Kunst eingehen.
Freiraumplanung Jeetzelufer, Amtsgarten und alter Friedhof | Lüchow
Anerkennung | Freiraumplanung Jeetzelufer, Amtsgarten und alter Friedhof
Lüchow
Die drei innerstädtischen Grünräume – Amtsgarten, Alter Friedhof und Jeetzelufer – bilden entlang der Langen Straße eine zusammenhängende Abfolge von Freiräumen, die Natur, Wasser und Ruhe mitten in Lüchow erfahrbar machen. Sie sind über ein durchgängiges, barrierefreies Wegesystem miteinander vernetzt, sodass Besucher:innen die unterschiedlichen Qualitäten der Bereiche gut erschließen können. Einheitliche Möblierung, Aufenthalts- und Ruhebereiche schaffen Orientierung und fördern die Aufenthaltsqualität, während die unterschiedlichen landschaftlichen Charaktere der drei Räume unterschiedliche Atmosphären vermitteln. Die Planung verbindet historische, soziale und ökologische Aspekte, stärkt die Identität der Innenstadt und bietet Orte für Begegnung, Erholung und Naherholung für alle Generationen.
Durch die gezielte Abfolge der Grünräume entstehen sowohl klare Bezüge zwischen den einzelnen Bereichen als auch ein übergeordnetes städtisches Erlebnis. Die Integration naturnaher Gestaltungselemente, Bepflanzung und wasserbezogener Strukturen unterstützt die ökologische Funktion, stärkt die Biodiversität und trägt zu einer nachhaltigen, resilienten Innenstadt bei. So entsteht ein stimmiges Gesamtkonzept, das die Aufenthaltsqualität erhöht, verschiedene Nutzergruppen anspricht und die Innenstadt langfristig als identitätsstarken und lebendigen Stadtraum positioniert.
Jeetzelufer
Die Jeetzel durchquert in Nord-Süd-Richtung das Zentrum von Lüchow und prägt als innerstädtischer Flusslauf das Stadtbild. Historisch als Transportweg genutzt, erfüllt die Jeetzel heute vor allem Funktionen im Hochwasserschutz, in der Stadtstruktur und für ökologische Belange. Die innerstädtischen Ufer sind derzeit stark reguliert, naturnahe Aufenthaltsbereiche nur vereinzelt vorhanden, und der Fluss bleibt für die Bürger:innen weitgehend unerlebbar.
Ziel der Neugestaltung ist es, die Jeetzel stärker in das Stadtleben zu integrieren, ihre ökologischen Potenziale zu stärken und neue Aufenthalts- und Erlebnismöglichkeiten zu schaffen. Unter Berücksichtigung der städtischen Gegebenheiten und des Hochwasserschutzes wurde ein Konzept entwickelt, das naturnahe Gestaltung mit Aufenthaltsangeboten verbindet.
Entlang des Ufers wurden an mehreren Stellen Sitzstufen in die Böschung integriert und zum Teil schwimmende Holzdecks auf dem Wasser angelegt, die den Fluss unmittelbar erlebbar machen. Im nördlichen Bereich entsteht zudem ein Anlegesteg für Kanus und ähnliche Nutzungen, ergänzt durch eine sichere Zufahrt von der Straße „Am Deich“. Gerade der südliche Aufenthaltsbereich, auf der Seite des Altenheims, wurde barrierefrei zugänglich gestaltet, sodass Menschen aller Altersgruppen das Wasser über eine in die Böschung integrierte Rampe erreichen und genießen können.
Die Abfolge der Aufenthaltsbereiche fügt sich harmonisch in die städtische Struktur ein: mal urban geprägt, mal naturnah, und schafft so eine abwechslungsreiche Erlebnisqualität. Ergänzend wurden entlang der vorhandenen Wege neue Bänke und sogenannte „Chillsofas“ installiert, die zu kurzen Pausen und Verweilen am Ufer einladen. Um den Hochwasserschutz auf dem Deich nicht zu beeinträchtigen, wurde dieser von Bäumen und fest installierten Einbauten freigehalten. Stattdessen wurden entlang der Wege auf der wasserabgewandten Seite neue Bäume gepflanzt, die Schatten auf den Wegen und Sitzbereichen spenden und so das Aufenthaltsangebot zusätzlich aufwerten.
Die Böschungen wurden an vielen Stellen mit standorttypischer Vegetation bepflanzt. Flusstypische Pflanzengemeinschaften im Wasser und am Ufer tragen zur ökologischen Vielfalt bei, fördern die Biodiversität und unterstützen die natürliche Reinigung des Gewässers. Blühwiesen entlang der Uferzonen bieten zusätzlichen Lebensraum für Insekten und andere Kleintiere. 2mal im Jahr werden die Wiesen gemäht, um die Flutsicherheit der Böschungen zu gewährleisten.
Insgesamt entsteht ein Jeetzelufer, das die Stadt aufwertet, den Bürger:innen neue Aufenthaltsqualitäten und Bewegungsräume eröffnet und zugleich ökologische Funktionen stärkt. Die Neugestaltung verbindet urbanes Leben, Naturerlebnis und Wassererfahrung und trägt so wesentlich zur Aufwertung des Stadtzentrums von Lüchow bei.
Amtsgarten
Der denkmalgeschützte Amtsgarten bildet einen wichtigen grünen Baustein im Südwesten Lüchows. Als historisch gewachsene Parkanlage mit landschaftlichem Charakter ist er geprägt durch den Verlauf der Drawehner Jeetzel, die das Gelände in weichen Linien durchzieht und als prägendes Element des Ortes erhalten bleibt.
Ziel der Neugestaltung ist es, die vorhandenen Qualitäten des Amtsgarten zu stärken, seine Aufenthaltsqualität zu steigern und den Bezug zum Wasser stärker erlebbar zu machen. Unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Belange wurde eine behutsame, naturnahe Aufwertung vorgenommen, die bestehende Strukturen respektiert und zugleich neue Angebote für unterschiedliche Nutzer:innengruppen schafft.
Die Wegeführung wurde ergänzt und qualifiziert, sodass eine klare Orientierung und bessere Erschließung entstehen, ohne den landschaftlichen Charakter zu beeinträchtigen. Entlang der Drawehner Jeetzel wurde der Uferraum abschnittsweise zu einem erlebbaren Auenbereich geöffnet. Typische Flussvegetation und wasserklärende Pflanzen stärken hier die ökologische Funktion und fördern die Biodiversität. Sitzstufen und Holzplattformen laden zum Verweilen am Wasser ein und schaffen Orte, an denen das Wasser sinnlich erlebbar wird.
Die Pergola wurde erneuert und das historische Relikt als identitätsstiftendes Element bewahrt. Ein neu eingefügter, wettergeschützter Pavillon ergänzt das Angebot und bietet so einen geschützten Aufenthaltsort. Ein Klangpfad und neu angelegte Wildblumenbereiche schaffen zusätzliche Erlebnisschichten, die den Amtsgarten zu einem Ort des Entdeckens machen.
Durch die dezente, naturnahe Gestaltung und die einheitliche, zurückhaltende Material- und Formensprache entsteht ein harmonisches Gesamtbild, das den historischen Charakter. Der Amtsgarten wird so zu einem Naherholungspark, der Natur, Geschichte und Aufenthalt im Grünen verbindet – ein grüner Erlebnisort inmitten der Stadt, der die ökologische und atmosphärische Qualität des Ortes nachhaltig stärkt.
Alter Friedhof
Der denkmalgeschützte Alte St.-Annen-Friedhof liegt am östlichen Rand der Lüchower Altstadt und bildet mit seinem wertvollen Baumbestand einen ruhigen, von Geschichte geprägten Freiraum. Als Begräbnisstätte mit besonderer Atmosphäre ist er heute vor allem Erinnerungs- und Begegnungsort.
Ziel der Neugestaltung ist es, den besonderen Charakter des Friedhofs zu bewahren und zugleich seine Erlebbarkeit und Aufenthaltsqualität zu verbessern. Unter Wahrung der denkmalpflegerischen Belange wurde eine zurückhaltende Gestaltung entwickelt, die bestehende Strukturen respektiert und durch gezielte Ergänzungen aufwertet.
Die vorhandenen Wege, die entlang der alten Familiengräber und des Kriegerdenkmals verlaufen, wurden aufgewertet und barrierefrei ausgebaut. Ergänzende, untergeordnete Wegeverbindungen im Inneren des Areals schaffen neue Durchlässigkeit und betonen die Raumstruktur des Friedhofs. Zwischen den neuen Wegen entsteht ein kleiner Skulpturengarten, der eine weitere Ebene des Erlebens eröffnet und den Ort um eine künstlerische Dimension bereichert.
Im Bereich des Eingangs und der Hauptwege entsteht ein kleiner Platz, der die Besucher:innen empfängt und einen besonderen Akzent setzt. Ein kleiner Brunnen aus Naturstein, in den aus einem Wasserhahn leicht das Wasser läuft, schafft eine ruhige und entspannte Atmosphäre und überdeckt gleichzeitig die Geräusche der benachbarten Straße.
Die Anlage bietet großzügige, von alten Bäumen beschattete Aufenthaltsbereiche, die zum Verweilen und ruhigen Austausch einladen. Neue Sitzmöglichkeiten in Form von Bänken und Sitzblöcken schaffen Orte der Ruhe und laden insbesondere die Schüler:innen des angrenzenden Schulzentrums zur respektvollen Aneignung des Ortes ein.
Besonderes Augenmerk galt der Gestaltung der Randbereiche. Hier wurde eine Lösung entwickelt, die die privaten Gärten der angrenzenden Grundstücke respektiert und zugleich klare, gestalterisch gefasste Übergänge schafft. Eine strukturierte Bepflanzung aus Hecken und Strauchgruppen dient als sanfte Abgrenzung zwischen privatem und öffentlichem Raum, während gezielte Öffnungen den Zugang zum Friedhof weiterhin ermöglichen. Retentionsmulden und Blühwiesen ergänzen die Anlage und stärken deren ökologische Qualität, indem sie zur Versickerung von Regenwasser beitragen und gleichzeitig wertvolle Lebensräume für Insekten schaffen.
Insgesamt entsteht ein Ort, der Geschichte und Gegenwart miteinander verbindet – ein stiller, grün gefasster Erinnerungsraum, der durch seine Offenheit, ökologische Aufwertung und behutsame Gestaltung neue Möglichkeiten der Begegnung bietet und den Alten Friedhof als identitätsstiftenden Bestandteil der Stadtlandschaft Lüchows stärkt.
Transformation Bezirksamt Hamburg-Nord | Hamburg-Eppendorf
3. Preis | Transformation Bezirksamt Hamburg-Nord
Hamburg-Eppendorf
In Zusammenarbeit mit gmp Architekten
Städtebau und Denkmalschutz
Die Potentiale des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudeensembles „Bezirksamt Hamburg-Nord“ herauszuarbeiten und zu stärken ist das Ziel dieses Wettbewerbsbeitrages. Der Verwaltungsbau wird in ein lebenswertes und zukunftsfähiges Quartier transformiert: Das Seitzquartier entsteht.
Die denkmalgeschützten Bauteile B-E nach den Plänen des Architekten Paul Seitz werden in ihrer Bausubstanz erhalten und behutsam durch drei Neubauten ergänzt: Ein neuer Turm als Hochpunkt an der Magistrale betont durch seine Fernwirkung den Auftakt von Eppendorf. Er stellt sich anstelle des Bauteils A direkt hinter das Bauteil B1, dockt mit einer überdachten Halle als Fuge daran an und schafft nach Osten einen großen und zusammenhängenden Innenhof.
Eine Aufstockung der ehemaligen Bücherhalle arrondiert den Gebäudeblock entlang der stark befahrenen Lenhartzstraße. Dabei ist die Straßenkante des Neubaus ein Stück nach hinten versetzt, sodass das Bauteil E seine Präsenz behält. Ein Anbau an Bauteil C1 verbindet als vermittelnder Baustein das Quartier mit dem angrenzenden Marie-Jonas-Platz. Die ursprüngliche Entwurfsidee wird hier fortgeführt, indem sich der Neubau gegenüber dem Bestand in der Höhe abstaffelt und eine neue Stirnseite erzeugt. So fügen sich alle Neubauten harmonisch in die Bestandsstruktur und die angrenzende Bebauung ein und entwickeln diese zeitgemäß weiter.
Die Bestandsgebäude werden in Abstimmung mit dem Denkmalamt saniert und in den Innenräumen für die neue Nutzung umgebaut. Die Fassaden behalten ihre schützenswerte Präsenz und werden lediglich in den Hofbereichen um Balkone ergänzt (Bauteil C und D). Dort ergibt sich ein innerer, privater und landschaftlich geprägter Quartiershof als Oase und identitätsstiftenden Raum für die Bewohner:innen des Seitzquartiers im Gegensatz zu dem eher öffentlichen Quartiersplatz zum Marie-Jonas-Platz- und dem eher städtischen Platz zur Magistrale hin.
Erschließung und Nutzung
Durch die Neubauten wird eine angemessene Nutzungsdichte und damit einhergehend auch eine größere Wirtschaftlichkeit des Projekts möglich. Nach Norden sind im EG v.a. Einzelhandelsflächen angeordnet. In den unteren Geschossen auf der Ostseite und im Hochpunkt finden sich Bürobereiche. In den oberen Geschossen sind Wohnungen unterschiedlicher Größe vorgesehen – vom kompakten 1-Zimmerappartement im Bestand bis hin zu großzügigen Stadthäusern in Bauteil D oder Maisonettewohnungen im Bauteil C.
Freiraumgestaltung
Mit der Transformation des Verwaltungsgebäudes in ein Quartier mit Gewerbe-, Büro und Wohneinheiten ändern sich auch die Anforderungen an den Freiraum. Ungenutzte und nicht zugängliche Grünflächen, rein funktionale Eingangsbereiche und Stellplatzflächen machen Platz für nachbarschaftliches Leben und Spielflächen. Der Innenhof ist öffentlich zugänglich, jedoch vorwiegend den Bewohner:innen vorbehalten. Neupflanzungen in freien, geschwungenen Formen ergänzen den bestehenden schützenswerten Baumbestand. Erschlossen wird der Hof direkt von den umliegenden Gebäuden. Eine private Durchwegung verbindet die Freiräume untereinander.
Mobilitätskonzept
Der Bedarf der KFZ-Stellplätze ermittelt sich aus Erfahrungswerten, in denen ortsspezifische Abminderungsfaktoren berücksichtigt sind. Den Bewohnern und Gästen stehen zwei große Fahrradgaragen, ergänzt durch dezentrale Parkbereiche in den Freibereichen zur Verfügung. Ein Mobility-Hub und zwei Fahrradwerkstätten komplettieren das Mobilitätskonzept.
Quartier Westerwischstrom | Cuxhaven
3. Preis | Quartier Westerwischstrom
Cuxhaven
In Zusammenarbeit mit Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner
Städtebauliche Leitidee
Aufgrund der bestehenden Insellage benötigt das neue Quartier ein nachbarschaftliches Gefüge um hier zukünftig eine Identität zu erzeugen. Als zentrales freiräumliches Element entsteht ein Anger, der als „Grünes Herz“ einen gemeinschaftlichen Innenbereich ausbildet, an den sich alle Baufelder anlehnen und ihre Adressen erhalten.
Der Anger vernetzt sich mit den Landschaftsräumen, insbesondere zum südlich Grünzug und der Süderwischschule und schafft so einen zusammenhängendes Freiraumgerüst. Aus diesen Wegeachsen entstehen wie selbstverständlich die einzelnen Baufelder, die der Grünen Mitte seine Raumkanten geben.
Der Biotopbereich des Röhrichstreifens bleibt erhalten und erhält einen ausreichenden Pufferstreifen. Er wird zum neuen freiräumlichen Thema der Grünen Mitte und stärkt die Funktion eines Retentionsanger.
Quartiersmitte
In direkter Blickbeziehung zur Theodor-Heuss-Allee entsteht ein zentral gelegener Quartiersplatz als repräsentativer Auftakt zum neuen Quartier. Er öffnet sich fensterartig zum Retentionsanger und bildet hier eine zentrale Mitte aus. Als urbaner Platzraum lässt er vielfältige Nutzungsmöglichkeiten zu und integriert zentrale Spiel- und Aktionsflächen. Große Bänke und Sitzstufen laden zum Verweilen ein und schaffen eine angenehme Aufenthaltsqualität mit Blick über den Retentionsanger hinweg.
Der bauliche Mittelpunkt wird durch die Kita gebildet, die hier zusammen mit einem Bäcker oder einem kleinen Dorfladen im angrenzenden Quartiershaus den Platz beleben. In den Obergeschossen können sich hier Sonderwohnformen als Mehrgenerationenhaus oder Seniorenwohnen befinden.
Der Vorbereich entlang der Kreisstraße wird freiräumlich in die neue Platzfolge eingebunden und bildet das Entree zum neuen Quartier. Hier befinden sich die ÖPNV-Haltestelle und die Quartiersgarage, die hier auch als baulicher Lärmschutz genutzt wird.
Gartenhöfe an der Grünen Mitte
Das modulare Konzept der Gartenhöfe bildet kleine Nachbarschaften aus, die mit unterschiedlichen Gebäudetypen für Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäusern mit dem Schwerpunkt familiengerechtes und gemeinschaftliches Wohnen bebaut werden können. Sie gruppieren sich um einen Gartenhof mit Spiel- und Kommunikationsflächen, wodurch das nachbarschaftliche Zusammenleben gestärkt wird. Die bauliche Dichte ist an der Grünen Mitte am höchsten und lockert sich zu den Rändern hin auf.
Die Gebäude entlang der Grünen Mitte sind für Baugruppen vorgesehen die durch eine individuelle Bebauung eine markante Parkkante mit abwechslungsreicher Architektur ausbilden. Die erdgeschossigen gemeinschaftlichen Nutzungen und die kleine Büros für W+A besitzen leicht auffindbaren Adressen und beleben den öffentlichen Raum.
Verkehrsfreies Wohnumfeld
Direkt im Zufahrtsbereich befindet sich die Quartiersgarage, die hier die Stellplätze des westlichen Geschoßwohnungsbaus aufnimmt. Im Sockel befinden sich ein Fahrradparkhaus und eine Energiezentrale, die als Heizkraftwerk oder Großwärmepumpe das Quartier autark mit Energie versorgt.
Die Stellplätze der Gartenhöfe befinden sich direkt an den Zufahrtsbereichen und halten die Innenbereiche autofrei wodurch Nachbarschaften mit einer hohen Lebensqualität entstehen. Eine zurückhaltende und wohlgesetzte Möblierung schafft Aufenthaltsqualitäten in den öffentlichen Räumen als Orte der Begegnung und Kommunikation.
Direkt am Quartiersplatz befindet sich eine Mobilitätsstation, die hier alle Funktionen der „sanften Mobiltät“ wie carsharing und e-Mobilität aufnimmt. Die Fuß- und Radwege durch die Grünraume stärken das durchlässige innere Erschließungskonzept und fördern den individuellen Fuß- und Radverkehr.
Grüne Mitte als Retentionsanger
Die Grüne Mitte dient als großer Retentionsanger, er wird naturnah ausgebildet und übernimmt die Funktion eines Retentionsraumes für das anfallende Regenwasser. Er trägt durch seine Aufenthaltsqualität, seine Spielangebote und ökologische Funktion als Regenwasserretentionsfläche zur Qualitätssteigerung und Identifikation des Quartiers bei.
Eine flache Rasenmulde parallel zum Röhrichstreifen übernimmt die Funktion eines zentralen Retentionsraums, der das Regenwasser aus den benachbarten Wohnhöfen aufnimmt und in die nördlich und südlich angrenzenden Regenwasserrückhalteflächen ableitet. Das Zusammenspiel aus Röhrichtbestand und der Erweiterung mit wechselfeuchten Retentionsflächen wird bezüglich Modellierung, Zuführung von Regenwasser sorgfältig mit den Belangen des Naturschutzes abgestimmt.
Regenwasser- und Klimafolgenanpassungskonzept
Das Konzept zur Regenwasserbewirtschaftung folgt den Prinzipien, die Versiegelung von Flächen auf ein Mindestmaß zu reduzieren und den
Regenwasserabfluss am Entstehungsort zurückzuhalten, sodass ein großer Teil des Wassers durch Verdunstung nicht mehr abgeleitet werden muss. Zunächst wird in den Baufeldern das anfallende Regenwasser der Flachdächer in Retentionsdächern mit minimalem Abfluss und einer Verdunstungsrate von bis zu 75 % zurückgehalten, das Regenwasser der Satteldach- und Hofflächen in Retentionszisternen gesammelt bzw. über offene Sickergräben und Sickerrinnen oberflächennah in die temporär eingestauten abgesenkten Flächen der Wohnhöfe und der wegebegleitenden Rasen- und Feuchtwiesenmulden geführt.
Das Wasser der Zisternen kann zur Grauwassernutzung in den Gebäuden sowie zum Bewässern der Gartenhöfe verwendet werden. Eine anteilige Dachbegrünung kann dabei zur Reinigung des Regenwassers beitragen und das anfallende Wasser auf den privaten Flächen reduzieren. Über die Gartenflächen gelangt das Wasser auf den zentralen Nachbarschaftsplatz, bzw. direkt in die angrenzenden Mulden. Hier wird das Wasser zurückgehalten und gedrosselt in die angrenzenden Grünfugen mit seinen Verbandsgewässern abgeleitet. Durch die Grünen Fugen sind bei Starkregenereignissen auch die Notwasserwege gewährleistet, so dass eine schadlose Ableitung des Regenwassers erfolgen kann.
Besonderer Wert wird auf eine umfangreiche Baumpflanzung mit klimaresilienten Arten gelegt, die für Beschattung und Verdunstungskühle sorgen. In Straßenräumen und den Platzbereichen werden sie über abgesenkte Pflanzstreifen und zu einem geringeren Teil über Baumrigolen mit Wasser versorgt und unterstützen so den Schwammstadtgedanken des gesamten Quartiers. Die Einsaat von artenreichen Wiesenflächen schafft im Zusammenspiel mit Vogelschutzgehölzen wertvolle Lebensräume für Insekten und andere Tiere. So werden Regenwasser- und Klimafolgenanpassung als ökologische Qualität sichtbar und erlebbar gemacht und tragen zum positiven Image des Quartiers bei.
Ankunfts- & Informationszentrum Wasserkuppe | Gersfeld (Rhön)
3. Preis | Ankunfts- & Informationszentrum Wasserkuppe
Gersfeld (Rhön)
In Zusammenarbeit mit Sturm und Wartzeck
Leitmotiv Basalt
Basalt ist überall in der Rhön in unterschiedlichsten Formen zu finden. Ob er an der Steinwand als spektakuläre, vertikale Schichtung, wie ein steinerner Wald zwischen den Bäumen steht, sich am Pferdskopf in der Horizontalen mit den umgebenen Wiesen vernadelt oder als filigrane sechseckige Säulen (Gangolfsberg) die skulpturale Kraft der Natur illustriert. Immer erscheint der Basalt als ortsprägendes Element, das durch seine differenzierten Schichten in Dialog mit der ihn umgebenden Landschaft tritt. Diese skulpturale Qualität, die einen Ort definiert, ohne ihn zu dominieren, diente als Leitmotiv für unseren Entwurf.
Städtebauliche Setzung und Freiraumplanung
Das Gebäude liegt als vielschichtiger, länglicher Körper zwischen dem heterogenen Baubestand des Areals und dem offenen Flugfeld. Die Verschiebung der Gebäudeschichten erlaubt es, organisch auf die unterschiedlichen Ansprüche der Umgebung zu reagieren. Im Nordosten definiert die differenzierte Gebäudekante vis-à-vis mit dem Flügelbau einen großzügigen, frei bespielbaren Platz, der das gesamte Areal als neue Mitte zusammenbindet. Hier sind die Riegel niedriger, um dem Platz einen maßstäblichen und einladenden Rahmen zu geben. Den weithin sichtbaren Abschluss des Platzes bildet der Haupteingang des neuen Informationszentrums. Dieser liegt auf gleicher Höhe mit dem Haupteingang des Seegelflugmuseums, was die Orientierung auf dem Gelände erleichtert und räumliche Synergien zwischen den Institutionen eröffnet. Im Nordwesten entsteht durch den Rücksprung der letzten Gebäuderiegel ein klar von den öffentlichen Nutzungen getrennter Außenraum mit Parkplätzen für die Mitarbeitenden und der Zufahrt für die Bergwacht.
Im Süden wendet sich das Gebäude auf voller Länge dem Flugfeld mit seinen offenen Fernen zu. Durch die höchsten Gebäudeteile mit Aussichts- und Sternenterrassen entsteht hier eine Silhouette mit hohem Wiedererkennungswert – der neue Auftakt zur Wasserkuppe. Im Bereich von Gastronomie und Regio Shop bieten dreiseitig gefasste Außenterrassen einen wind- und wettergeschützten Blick auf das Flugfeld und über die Rhön.
Freiraum
Für den Hochbau werden die nahegelegenen Basaltformationen interpretiert, Kanten und Versprünge der Fassade geben dem Gebäude einen Charakter, der sich wie selbstverständlich in die Landschaft einfügt. Das Grundstück hat einen Höhenversprung von mehreren Metern, der Hochbau reagiert hier mit ebenfalls, verspringenden EG-Höhen. Dieses Prinzip wird im Freiraum fortgesetzt, einzelne Nutzungsbereiche des EG haben Zugang zu vorgelagerten Terrassenebenen, die ebenfalls den Höhen folgen und zwischen Gebäude ein dem freiem Gelände vermitteln. Die Versprünge der Terrassensegmente werden über Bänke oder Stufen inszeniert und damit zu nutzbaren Elementen. Im Süden schließt ein Grünstreifen an, der über die Straße hinweg auch den Rand der Segelflugwiese integriert. Die Straße wird mit Rasenlinern gestaltet und erhält damit den Charakter eine Privatstraße, die nur von den Segelflieger:innen befahren wird. Die Bepflanzung ist hier dicht, versperrt aber nicht den weiten Blick. Baume werden hier zurückhaltend platziert. Im Norden ist die Bepflanzung etwas üppiger und bildet den Rahmen für die freie Eventfläche zwischen Neubau und dem Kompetenzzentrum. Die Materialitäten und Farben im Freiraum orientieren sich am Hochbau – Basalt und Holz, ergänzt mit gelbgoldenen Akzenten schaffen eine Einheit aus Gebäude und Terrassensockel.
Ersatzneubau GGS - Strand Europaschule Timmendorfer Strand | Timmendorf
Ein 3. Preis | Ersatzneubau GGS – Strand Europaschule Timmendorfer Strand
Timmendorf
In Zusammenarbeit mit Baufrösche Architekten und Stadtplaner
Leitidee
Die neue GGS Strand Europaschule vereint drei bisher getrennte Schul- und Gebäudeteile in einem gemeinsamen architektonischen und pädagogischen Konzept. Es entsteht ein lebendiger Lern- und Begegnungsort, der pädagogische Vielfalt, architektonische Klarheit und räumliche Flexibilität miteinander verbindet. Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, der Lernen, Gemeinschaft und Nachhaltigkeit in Einklang bringt und den europäischen Gedanken der Vielfalt sichtbar verkörpert.
Architektur
Der Neubau präsentiert sich als kompakter, dreigeschossiger Baukörper, der sich durch seine klare Gliederung harmonisch in den städtebaulichen Kontext einfügt. Die dreiteilige Fassadenstruktur schafft Maßstäblichkeit und fügt sich selbstverständlich in das Umfeld ein. Durch die gewählte Setzung des Baukörpers entsteht ein großzügiger, zusammenhängender Freiraum, der als Schulhof und Veranstaltungsfläche vielseitig genutzt werden kann.
Der zentral angeordnete Haupteingang wird über einen großzügigen Vorplatz von der nahegelegenen ÖPNV-Haltestelle erschlossen. Zusätzlich verfügt die Grundschule über einen eigenen Eingang, der insbesondere den jüngeren Kindern den Schulalltag erleichtert und zugleich die Schülerströme zu Stoßzeiten entzerrt.
Im Inneren öffnet sich das Gebäude zu einer zentralen Pausenhalle mit Mensa, die das kommunikative Herz der Schule bildet. Große Oberlichter mit steuerbarer Verdunkelung sorgen für ein angenehmes Tageslicht, während flexible Bühnen- und Raumkonzepte unterschiedlichste Nutzungen ermöglichen – von alltäglichen Begegnungen bis hin zu schulischen oder kulturellen Veranstaltungen. Eine umlaufende Galerie in den Obergeschossen erweitert die Nutzungsmöglichkeiten und fördert die Begegnung zwischen den Jahrgängen. Musikraum und Bibliothek sind unmittelbar an das Pausenforum angebunden. Die Mensa öffnet sich großzügig zum Schulhof und bietet mit ihrem überdachten Außenbereich geschützte Aufenthaltsmöglichkeiten.
Die innere Organisation folgt modernen pädagogischen Ansätzen. Clusterstrukturen mit offenen Lernzonen fördern Kommunikation, Flexibilität und selbstständiges Lernen. Klassen- und Differenzierungsräume sind transparent mit den Freilernbereichen verbunden und über zusätzliche Innenhöfe natürlich belichtet. Kurze Wege, klare Grundrisse und eine gute Orientierung kennzeichnen das Konzept. Die Grundschule verfügt über einen eigenen zweigeschossigen Bereich mit direkter Verbindung ins Obergeschoss. Zwei unterschiedlich dimensionierte Schulhöfe – ein großer für alle, ein kleiner für die Grundschule – schaffen altersgerechte Bewegungsräume. Ein zentraler Aufzug gewährleistet die barrierefreie Erschließung aller Ebenen.
Fassade
Die Fassade kombiniert warme, natürliche Materialien mit innovativen, nachhaltigen Elementen. Eine Holzverschalung trifft auf bunte, sechseckige Fassadenfliesen aus recyceltem Kunststoff – sogenannte Pretty Plastic Tiles. Diese bestehen zu 100 % aus upcyceltem PVC, gewonnen aus alten Fensterrahmen, Regenrinnen und Fallrohren. Die farbenfrohe Gestaltung steht sinnbildlich für die Vielfalt Europas und die Offenheit der Schulgemeinschaft. Das Material wurde 2021 mit dem Green Product Award ausgezeichnet und vereint Ästhetik, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit.
Freiraumkonzept
Durch die städtebauliche Positionierung des Neubaus entsteht eine Abfolge von drei eigenständigen, aber miteinander vernetzten Freiräumen. Diese Bereiche bilden eine abwechslungsreiche Lern- und Bewegungslandschaft.
Die Eingangsplaza dient als Durchgangs- und Treffpunkt und wird seitlich von Fahrradstellplätzen begleitet. Der Grundschulhof ist ein geschützter Spielbereich mit altersgerechten Klettermöglichkeiten und integriertem grünen Klassenzimmer. Ein Spielweg führt von dort entlang des Sportfelds zum großen Schulhof, der mit Baumgruppen, geschwungenen Formen und unterschiedlichen Aufenthaltszonen gestaltet ist. Vor der Mensa lädt eine fest installierte Möblierung zum Verweilen ein, während ein großes Spielgerät im Süden zum Treffpunkt für Bewegung und Gemeinschaft wird. Ruhigere Bereiche sind für die Schulimkerei und ein weiteres grünes Klassenzimmer vorgesehen.
Wassermanagement und Biodiversität
Die Freiflächen folgen einem ökologisch nachhaltigen Ansatz. Extensive Dachbegrünungen, wasserdurchlässige Beläge und ein Regenwasserkreislaufsystem tragen zur Resilienz des Areals bei. Regenwasser wird vor Ort zurückgehalten, versickert oder in Zisternen für die Brauchwassernutzung gesammelt. Die Bepflanzung fördert mit artenreichen, standortgerechten Pflanzengesellschaften die Biodiversität und schafft wertvolle Lebensräume.
Fahrrad- und PKW-Parkierung
Die überdachte Fahrradabstellanlage mit begrüntem Dach befindet sich westlich des Gebäudes. PKW-Stellplätze sind in der Tiefgarage untergebracht, während oberirdisch nur die Stellplätze für Menschen mit Behinderungen vorgesehen sind.
Ehemaliges Fernmeldezeugamt | Heusenstamm
1. Preis | Ehemaliges Fernmeldezeugamt
Heusenstamm
In Zusammenarbeit mit Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner
Städtebauliches Konzept
Das städtebauliche Konzept entwickelt sich aus dem angrenzenden Stadtgefüge heraus und bildet einen eigenständigen urbanen Stadtbaustein, der zwischen den nördlichen Wohngebieten und dem südlichen Gewerbegebiet vermittelt.
Als urban geprägtes Quartier entstehen hier neue Wohnformen, die Wohnen und Arbeiten kombinieren und auf Einzelparzellen ein neuartiges nachhaltiges Stadtquartier für Heusenstamm schaffen. Durch seine starke Begrünung der öffentlichen Räume entstehen eine allseitige freiräumliche Verzahnung und ein grüner Trittstein zu den angrenzenden Landschaftsräumen.
Freiräumliches Rückgrat und Quartiersstruktur
Das neue Quartier wird über ein zentrales freiräumliches Rückgrat erschlossen, an dem sich die einzelnen Baufelder anlehnen und worüber diese ihre Adressen erhalten. Dieser Freiraum als „urbanen Anger“ bildet einen attraktiven inneren grünen Wegekorridor und verbindet alle Quartiersbereiche miteinander, was die Identifikation und die Gemeinschaft innerhalb des neuen Stadtquartiers fördert.
Im gesamten Innenbereich entsteht so eine hohe Wohnqualität mit gemeinschaftlichen Flächen zum Spielen, Treffen und Aufenthalt. Rücksprünge und Aufweitungen bilden unterschiedliche räumliche Situationen aus und lassen ein spannungsvolles inneres Gefüge entstehen.
Der „Grüne Anger“ funktioniert als kommunikativer gemeinschaftlicher Freiraum mit Spiel- und Aufenthaltsflächen für alle Generationen.
Partiell überschirmt von einem gemischten Baumdach aus klimaresilienten Arten, sind in den Anger Treffpunkte, Outdoor-Fitness und Spielpunkte integriert. Eine unmerkliche Reliefierung mit Mulden nimmt Teile des Oberflächen- und Dachwassers auf und erzeugt neben dem wechselnden Bild aus trockenen und temporär nassen Flächen ein Mosaik aus verschiedenen Standortfaktoren, die eine hochgradig diverse Artenzusammensetzung erwarten lassen.
Grünfugen gliedern das neue Wohnquartier in deutlich ablesbare, einzelne Baufelder und sorgen für eine klare Orientierung und Adressbildung. Gleichzeitig machen Sie das Quartier durchlässig, ermöglichen eine Vielzahl von Querungen und sichern die Anbindung an die vorhandenen Rad- und Fußwegenetze.
Bebauungskonzept
Das Konzept sieht Baufelder mit offenen Hofstrukturen vor, die als eigenständige Quartierbereiche abschnittsweise entwickelt werden können. Sie bilden ein robustes städtebauliches Gerüst für ein urbanes gemischtgenutztes Stadtquartier, mit einem Nebeneinander von Wohnen, Arbeiten und Gewerbe. Auf verschiedenen Einzelparzellen entsteht eine flexible Bebauung für Geschoßwohnungsbau, Stadthäuser oder als Haus-im-Haus mit unterschiedlichen Wohn- und Arbeitsmodellen.
Die Baufelder werden mit individuellen Einzelhäusern bebaut, was zu einem lebhaften kleinteiligen Quartiersbild beiträgt. Es entsteht eine flexible Mischung aus unterschiedlichen Typologien für geförderten und freifinanzierten Wohnungsbau.
Kleine erdgeschossige Gewerbeeinheiten, Gemeinschaftsräumen sowie Wohnen+Arbeiten orientieren sich zum „urbanen Anger“ hin und beleben den öffentlichen Raum. Die Impulse der Baugruppen werden hier genutzt, um den Charakter des Quartiers mit seinen gemischten Arbeits- und Wohnmodellen zu stärken.
Die Wohnhöfe unterstützen die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens, mit Spielflächen und Kommunikationsorten. Als begrünte Innenhöfe tragen sie zum Wohlbefinden bei und funktionieren als grüne Oasen mit hoher Wohnqualität. Begrünte Wohnebenen, Wohngärten mit großen Bäumen und Selbstversorgergärten auf den Dächern bilden weitere Gemeinschaftsflächen innerhalb der Gebäudegruppen aus.
Dieser klare und robuste Rahmen schafft die Voraussetzung für eine kleinteilige bauliche Entwicklung mit einem Höchstmaß an individueller Freiheit. Durch wenige typologische Vorgaben wird die Grundstruktur für ein neues Stadtquartier geschaffen werden – stadträumlich integriert und flexibel für neue Wohnkonzepte.
Zentraler Platz als Visitenkarte
Im Kreuzungspunkt der Wegeachsen entsteht der Quartiersplatz, der hier wie eine Drehscheibe urbanes Leben aufnehmen kann. Er bildet das Herzstück des neuen Quartiers und dient als Kommunikationsort zwischen den Bewohnern der angrenzenden Stadtteile und des neuen Quartiers. Hier befinden sich Spiel- und Kommunikationsflächen für alle Altersgruppen und nutzungsoffene Flächen für gemeinschaftliche Veranstaltungen. Ein kleiner Brunnen bildet ein zentrales und belebendes Element auf dem Platz.
Direkt am Platz entsteht das zentrale Quartiershaus, welches als Solitär zeichenhaft die bauliche Mitte symbolisiert. Hier befinden kulturelle und gewerbliche Nutzungen, Co-Working und innovative Büroflächen für Start-ups. Ein Galerie-Cafe belebt den öffentlichen Raum und wirkt als stadträumlicher Magnet.
Angrenzend befindet sich das Quartiershaus mit der Kita und dem darüberliegenden Mehrgenerationenhaus. Die stadträumlich markante Ecke des nördlichen Baufeldes wird durch den Quartierstreff und den Bürgerladen belebt. Darüber befinden sich Sonderwohnformen für Senioren mit unterschiedlichen Betreuungsangeboten.
Klimaschutz und Klimaanpassung
Alle erhaltenswerten Bäume bleiben erhalten und werden durch neue Baumpflanzungen ergänzt. Der heutige und zukünftige Baumbestand kann so weiterhin als Entstehungsbereich für Frisch- und Kaltluft dienen. Durch die aufgelockerte Bauweise wird eine bioklimatische Entlastung und Verbesserung der Durchlüftungsverhältnisse erreicht.
Auch innerhalb der Quartiere sorgen großzügige Baumpflanzungen auf den Plätzen und in den Wohnstraßen für eine ausreichende Verschattung und tragen so zur Verbesserung des Kleinklimas bei. Die Begrünung der Innenhöfe, eine umfangreiche Fassadenbegrünung sowie die Begrünung der Dachflächen sorgen für größtmögliche Kühlungs- und Verdunstungseffekte.
Verkehr und Mobilität
Die PKW-Stellplätze werden auf zwei Quartiersgaragen verteilt die sich zentral innerhalb der einzelnen Bauabschnitte befinden. Die Zufahrten erfolgen über den angrenzenden Straßenraum und führen den Verkehr auf kurzem Weg in die Quartiersgarage. Die Zugänge zu den Garagen orientieren sich zu den Plätzen hin und erzeugen hier kommunikative Orte. Im Sockel befinden sich eine Mobilitätsstation und Stellplätze für Fahrräder.
Am Entréeplatz befindet sich der zentralen Mobilitätshub, ein Pavillon mit Fahrradwerkstatt und allen Funktionen für das Konzept der „sanften Mobilität“, wie carsharing-Stellplätze, Leihfahrräder sowie die Ladestationen der Elektromobilität. Durch intelligente Mobilitäts- und Sharing-Konzepte in Kombination mit dem ÖPNV kann eine signifikante Reduzierung des fahrenden und ruhenden KfZ-Verkehrs erreicht werden. Die Fuß- und Radwege durch die Grünraume stärken das durchlässige innere Erschließungskonzept und fördern den individuellen Fuß- und Radverkehr.
Das Wohnumfeld wird frei von Verkehr gehalten und ist nur eingeschränkt für die Anwohner, Müll- und Rettungsfahrzeuge im Bedarfsfall befahrbar. So entsteht ein weitgehend verkehrsfreier Innenbereich mit einer hohen Qualität in den Freiräumen, was ein pulsierendes Quartiersleben mit einer hohen Lebensqualität schafft. Eine zurückhaltende und wohlgesetzte Möblierung schafft Aufenthaltsqualitäten in den öffentlichen Räumen als Orte der Begegnung und Kommunikation.
Regenwasserkonzept
Für die Entwässerung wird ein differenziertes, dezentrales Regenwassermanagement in drei Stufen vorgeschlagen. In einer ersten Stufe wird das anfallende Dachwasser über Retentionsdächer zurückgehalten und zu einem hohen Anteil über Dachbegrünung bereits auf dem Dach verdunstet, was einen deutlich kühlenden Effekt für das Gebiet hat.
Der restliche und stark gedrosselte Teil das Dachwassers wird wie auch der Abfluss aus den sehr reduzierten befestigten Flächen in den Innenhöfen über offene Gräben und Rinnen und in den leicht abgesenkten Rasenmulden zurückgehalten und zum Teil versickert. Zusätzlich kann bei nachgewiesener Wirtschaftlichkeit das Wasser aus den privaten Flächen in dezentralen Retentionszisternen gesammelt, auf dem Grundstück zurückgehalten und für die Grauwassernutzung eingesetzt.
Das Regenwasser aus den öffentlichen Straßen- und Platzflächen wird ebenfalls in einem Netz aus kleinen Gräben und offenen Rinnen gesammelt und in einem ersten Schritt den leichten Mulden innerhalb des Grünen Angers und der Grünfugen zugeführt. Im Starkregenfall münden diese Mulden in den Retentionsraum im südlichen Randbereich. Durch die hohe Verweildauer des Wassers in den begrünten Mulden kann ein Teil des Wassers verdunsten oder es versickert bereits in den Vegetationsflächen.
Über Baumrigolen sichert das gesammelte Oberflächenwasser der Plätze die Wasserversorgung der Bäume.
Das Thema der Regenwasserbewirtschaftung wird als ökologische Qualität und als Anpassung an den Klimawandel sichtbar und erlebbar gemacht und trägt zum positiven Image der Siedlung bei.
Wirtschaftlichkeit/Recycling
Vorrangiges Ziel ist eine Wiederverwendung von Abbruchmaterialien, z.B. als Recyclingbeton innerhalb einer Hybridbauweise mit Holzbau. Die Gebäude werden grundsätzlich mit recycelbaren Materialen erstellt und sind energieautark. Ebenfalls soll das Konzept waste-to-energy zu einem natürlichen Kreislauf der Wertstoffe beitragen bei dem kein Abfall erzeugt wird.
Die Planung wird auf Grundlage wiederkehrender Maße erstellt und berücksichtigt einheitliche Standards in allen Bereichen. Dies schafft die Voraussetzung für eine elementierte Bauweise mit einem hohen Vorfertigungsgrad, welche insbesondere im Bereich des Holzbaus sinnvoll ist. Ziel ist es mit möglichst wenigen technischen Maßnahmen ein Höchstmaß an Energie einzusparen und Ressourcen zu schonen und maximal auszunutzen.
Kinderhaus, Bildungscampus Rainbrunnen | Schorndorf

Anerkennung | Kinderhaus, Bildungscampus Rainbrunnen
Schorndorf
In Zusammenarbeit mit Atelier 30
Städtebauliche Einbindung und Verzahnung mit der Landschaft
Der Neubau des Kinderhauses mit der Erweiterung des Schulgebäudes am Bildungscampus Schorndorf zeigt sich als ein maßstäbliches Ensemble einzelner Baukörper mit einem gemeinsamen Zentrum, dem künftigen kommunikativen Herz der Neubauten. Im Kontext des Bestandes bilden diese eine Anordnung in einem freien Verbund, welcher sich mit den Freianlagen verzahnt und gut proportionierte Freiräume bietet.
Die Anbindung der Schulerweiterung für die Fröbelschule erfolgt auf eine selbstverständliche Art und Weise an den Neubau. Der Kindergarten erhält seinen separaten Eingang im südlichen Grundstücksbereich. Der Entwurfsgedanke der Verzahnung zwischen Landschaft und Gebäude zeigt sich auch im Innenraum des Ensembles wieder. Die geordneten Strukturen der Baukörper schaffen dabei sehr gut organisierte innenräumliche Abläufe und spannende räumliche Beziehungen von innen nach außen und umgekehrt. Diese Eigenschaften machen den Neubau zu einem zeichenhaften abwechslungsreichen und kreativen Gebäude für Kinder und Lehrende. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Konzeptes war es, die Nutzungen in ablesbare Baukörper zu verorten, wodurch der Erweiterungsbau der Schule den bestehenden Campusgedanke und dessen Einrichtung ergänzt und stärkt.
Freianlagen
Ankommen
Der Auftakt des neuen Schul- und Kindergartentages findet auf dem Vorplatz statt. Bepflanzt mit einem mehrstämmigen, großzügig unterpflanzten Amberbaum mit seiner um den Baum schwebenden Rundbank ist die Eingangsplaza zugleich Durchgangs- und Aufenthaltsbereich. Der westliche Teil des Vorplatzes entlang der Haltebucht und vor dem Haupteingang bietet großzügigen Raum zum Warten, Ein- und Ausstieg, der östliche Teil erweitert den Freiraum vor dem Speisesaal, bietet Raum für das zu verlegende Spielfeld und erweitert im Osten den bestehende Pausenhof der Fröbelschule.
Spielhöfe
Die Setzung der Baukörper ordnet den einzelnen Kindergarten- und Schulbereichen klar definierte Freiräume zu. Eine lineare Spielskulptur mit intergriertem Sandspiel, Kletter- und Rückzugsmöglichen, einer Rutsche schließt ein westlichen Spielhof zur Grundstücksgrenze ab und arrangiert die Spielmöglichkeiten in so platzsparender Weise, dass viel Raum zum Toben und Sausen und für eine Bobbycarbahn außerhalb der Fallschutzbereich bleibt. Der nördliche Spielhof im räumlichen Zusammenhang mit der Christian-Morgensternschule versteht sich als Bewegungshof mit einem Angebot an an die Altersgruppe angepassten Spielgeräten. Der Schulgarten mit seinen Möglichkeiten zum barrierefreien Gärtnern und für einen Unterricht im Freien ist im nordöstlichen Hof angeordnet.
Ökologische Aspekte
Den Freiraum auf dem gesamten Gelände verstehen wir als stark durchgrünte Spiel- und Schullandschaft. Sie ist überstellt von großkronigen Zukunftsbäumen und gegliedert durch abgesenkte Gräser- und Staudenflächen, die neben Ihrem insektenfreundlichem Blütenreichtum gleichzeitig als Retentions.- und Sickerflächen dienen. Die befestigten Aufenthaltsflächen sind mit sickerfähigem Betonpflaster, randlich auch mit linearen Rasenfugenpflaster befestigt. Alle randlichen Strauchpflanzungen sind als Vogelschutzpflanzung mit einheimischen Bäumen und Sträucher und einem Saum aus standortgerechten Wildkräutern den Abschluss. Dort, wo keine bespiel- und betretbare Rasenfläche erforderlich ist, leisten magere, zweischürigen Wiesen ihren Beitrag zur Biodiversität. Alle Pflanzungen werden – neben ästhetischen Gesichtspunkten – so ausgeführt, dass sie einen wertvollen Beitrag zur Bioidiversität leisten können. Durch eine gezielte Auswahl an unterschiedlichen Substraten wird ein Mosaik aus ökologisch wertvollen Standorten initiiert, das sich durch Aussaat von gebietsautochthonem Wildkräutersaatgut zu besonders artenreichen Pflanzengesellschaften entwickelt. Die Modellierung des Geländes zu flachen Mulden zur Retention und Versickerung erhöhen die Diversität der Mikrostandorte zusätzlich.
Wassermanagement und Biodiversität
Die Freianlagen erfüllen neben den Anforderungen der Bewegungs- und Lernlandschaft auch grundsätzliche Funktionen einer resilienten und nachhaltigen Gebietsentwicklung. Dazu zählen ein Maximum an strukturreichen Vegetationsflächen, wasserdurchlässige Oberflächenbefestigungen und ein Regenwassermanagement als Kreislaufsystem. Die Dachflächen des Schulgebäudes werden, zur optimalen Niederschlagsrückhaltung und -verdunstung als Retentionsdächer (ca. 20-40cm Substrat und Retentionsboxen) ausgebildet. Die Substratschicht in Zusammenspiel mit den Retentionsboxen speichert das Regenwasser und stellt es den Pflanzen zur Verfügung. In den erdangebundenen Vegetationsflächen wird das Regenwasser durch die Ausbildung der Topografie den Pflanzflächen zugeführt.



Kindertagesstätte Ortsmitte Hegge | Waltenhofen

2. Preis | Kindertagesstätte Ortsmitte Hegge
Waltenhofen
In Zusammenarbeit mit Benkert Schäfer
Ortsräumliche Setzung und Einbindung in die Umgebung
Der Ortsteil Hegge ist geprägt durch eine offene Bebauung ohne räumliche Verdichtung zur Mitte. Randzonen wurden durch Wohnbebauung verdichtet, im Zentrum fehlt es an einem Ort für die Gemeinschaft. Durch die neue Kindertagesstätte soll dieses Spannungsfeld aufgelöst und die Chance ergriffen werden, eine neue Mitte zu ermöglichen. Die hier vorgeschlagene Situierung der neuen KiTa in unmittelbarer Nähe zu Kirche und Nahversorger ordnet die Ortsmitte neu, ein lebendiger Dorfplatz entsteht. Um die Kirche am Dorfplatz wieder erlebbar zu machen, wird nicht mehr notwendige Bebauung entfernt. Bewusst gesetzte Baumstellung gliedert die neue Ortsmitte in unterschiedliche Nutzungsbereiche. Ein kleiner Ausschank mit Biergarten und schattige Aufenthaltsbereiche laden zum Verweilen ein. Ein kühlender Brunnen verbessert das Mikroklima, besonders an heißen Sommertagen. Die neue KiTa selbst versteht sich als ein offenes Haus für die Kinder am Dorfplatz. Mit einer Abfolge von Wegen und Plätzen, führt es im Innern den Dorfplatz fort und lässt die unterschiedlichen Nutzungen der KiTa erlebbar werden. Das Gebäude nutzt geschickt die Topografie am Ort – der Mehrzweckraum, direkt am Eingang ist Adresse und offen für die ganze Gemeinde, der Kindergarten und weitere gemeinschaftliche Nutzungen sind um einen gemeinsamen Innenhof als Mitte des Hauses organisiert. Die Kinderkrippe für die Kleinsten ist im Sockel darunter, mit direktem Zugang zum Garten hin organisiert. Für den Wohnungsbau wird eine offene und rhythmisierte Setzung im Maßstab der umgebenden Bebauung vorgeschlagen.
Dem Prinzip des Haufendorfes folgend entstehen kleine Außenbereiche, die gemeinschaftlich genutzt werden können.
Erschließung und Verkehr
Die Haupterschließung der Kita erfolgt über den Dorfplatz und die Veitser Straße. Hier entstehen entlang der Straße Kiss & Ride Stellplätze für das sichere Holen und Bringen der Kinder. Zugänge im Süden und Osten in den Garten und ein Zugang von der Veitserstraße, als Anbindung zum Hort gegenüber, runden die Vernetzung mit dem Kontext ab. Das Parken für Mitarbeiter der Kita und Bewohner der neuen Wohnbebauung findet in der gemeinsamen Tiefgarage statt, welche ebenfalls von der Veitser Straße aus erschlossen wird. Zusätzliche Stellplätze für kurze Erledigungen im Ortskern befinden sich nördlich des Dorfplatzes entlang der Industriestraße. Die Wohnstraße „Am Pfarrgarten“ bleibt somit weitestgehend den Anwohnern vorbehalten und bietet so eine ruhige Erschließung der einzelnen Wohngebäude über den gemeinsamen Anger. Ein neuer Fußweg verbindet den Dorfplatz mit dem Marienplatz und schafft eine direkte Fußgängerachse für die Bewohner des östlichen Ortsgebiets ‚Illerbogen‘. Der Eingang der neuen Kita liegt am Dorfplatz, wo auch überdachte Fahrradstellplätze angeboten werden – ein Ort der Begegnung für Pädagogen, Eltern und Kinder entsteht. Die Anlieferung der Küche geschieht über einen zusätzlichen Eingang an der Veitser Straße.
Typologie und Raumorganisation
Die zweigeschossige Kindertagesstätte fügt sich harmonisch in die bestehende Hanglage ein. Im Erdgeschoss befinden sich, zentral zum Dorfplatz ausgerichtet, der Eingangsbereich und das Foyer mit Mehrzweckraum. Von dort aus sind der allgemeine Bereich mit Küche und Speisesaal, sowie der Kindergarten zugänglich. Die große freiliegende Sitztreppe im Foyer führt ins darunterliegende Gartengeschoss und dient neben der Erschließung, auch als Lesetreppe und Bibliothek.
Ein Atrium in der Mitte des Gebäudes sorgt für ausreichend Belichtung und bietet weitere geschützte Außenbereiche für die Kinder. Im Gartengeschoss befindet sich die Kinderkrippe mit direkten Ausgängen zum Kleinkinderspielbereich im Garten. Der Werkraum und das Atelier sind zentral angeordnet und haben einen eigenen Außenbereich im Atrium. Auch der Personalbereich liegt im Gartengeschoss, mit einem eigenen Ausgang zum Freisitz. Die Tiefgarage, der Lagerbereich und Nebenräume sind wirtschaftlich im hangseitigen Bereich des Gartengeschosses angeordnet.
Orientierung in den Freiraum
Alle Gruppenräume der Kita orientieren sich nach Südosten zum Garten hin. Die Kinder im Kindergarten gelangen über eine Außentreppe im Süden des Gebäudes oder barrierefrei über den Aufzug in den Garten. Dort warten verschiedene Spielbereiche und ein großes Spielelement auf sie. Der Bereich des ehemaligen Pfarrgartens wird hier in den neuen Spielbereich integriert. Die jüngeren Kinder in der Kinderkrippe haben einen direkten Zugang zum Garten über deren Gruppenräume. Der Außenbereich des Personalbereichs führt über einen Lichthof zu einer kleinen Terrasse.
Freianlagen
Der Freiraum der neuen Kindertagesstätte schafft eine lebendige, grüne Umgebung, die sich harmonisch in die bestehende Ortsstruktur einfügt. Der Erhalt der Bestandsbäume sorgt für eine naturnahe Atmosphäre, spendet Schatten und leistet einen wertvollen ökologischen Beitrag. Durch die behutsame Modellierung der Topographie entstehen abwechslungsreiche Außenbereiche, die die natürliche Geländeformation aufgreifen. Ein multifunktionales Spielelement strukturiert den Raum, dient als Trennung zwischen den Bereichen und fördert zugleich die motorischen Fähigkeiten der Kinder. Es integriert zusätzliche Lagerflächen für Spielgeräte im Außenbereich. Durch gezielte Bepflanzung werden die Kita und Krippenbereiche klar definiert, während terrassenartige Freiflächen fließende Übergänge zwischen Innen- und Außenräumen ermöglichen. So entsteht eine durchdachte Verbindung von Natur, Spiel und Gemeinschaft, die die pädagogische Nutzung des Außenraums optimal unterstützt.
Nachhaltigkeit
Die neue Kindertagesstätte in Zeiten des Klimawandels – nachhaltig, wirtschaftlich und klimaneutral
Im Bausektor und damit auch für Städte und Gemeinden wächst die Verantwortung, in der Umsetzung neuer Gebäude auf nachhaltige Konzepte zu setzen. Das hier vorgeschlagene Haus ist daher ein nachhaltiges, wirtschaftliches und in die Zukunft gerichtetes.
TOPOS und Freiraum – nachhaltige Innenentwicklung ist klimaresilient und kann sich dem Klimawandel über blau-grüne-Siedlungsstrategien anpassen. Dachbegrünung und in Teilen mögliche begrünte Fassaden reduzieren die Wärmeverluste und verbessern das Mikroklima durch Absorptionskühlung im Sommer. Ein Hausbaum und Retentionsflächen im Innenhofbereich unterstützen diese Maßnahmen. Das Niederschlagswasser kann vor Ort über Zisternen rückgehalten, genutzt und überschüssige Niederschlagsmengen in Sickerschächten auf dem Grundstück versickern.


Neubau der Bildungsakademie der HWK Karlsruhe | Karlsruhe
Anerkennung | Neubau der Bildungsakademie der HWK Karlsruhe
Karlsruhe
In Zusammenarbeit mit Atelier30
Städtebauliche Idee
Mit dem Neubau der Bildungsakademie erhält die Handwerkskammer Karlsruhe die Chance sich im Kontext ständiger wirtschaftlicher, technologischer und gesellschaftlicher Veränderungen mit einer neuen, zeitgemäßen und modernen Lern- und Arbeitswelt zu präsentieren.
Den Planungs- und Baurechtlichen Grundlagen folgend wird der Neubau entlang der Johann-Georg-Schlosser-Straße positioniert. Mit der Abstaffelung des Baukörpers wird das Bauvolumen gegliedert und funktional organisiert.
Der Haupteingang zum Gebäude liegt im zentral angeordneten, markanten dreigeschossigen Bauteil der Akademie, womit der Bildungsakademie ein gut wahrnehmbarer, dem Ort angemessener Auftritt verschafft wird.
Dem Haupteingang ist ein Eingangsplatz vorgelagert, der das seitlich platzierte Parkhaus an den Haupteingang auf kurzem Weg anbindet.
Innenhöfe
Die Werkstätten sind um zentral liegende Innenhöfe angeordnet. Bei der Durchwegung der Werkstattbereiche entsteht somit ein abwechslungsreicher Erschließungsbereich mit interessanten Ausblicken. Zudem bieten Aufweitungen im Bereich vor den Innenhöfen und auch die Innenhöfe selbst Raum für Kommunikation und zur Entspannung.
Freiraum
Die Bildungsakademie in Karlsruhe wird durch einen großzügigen Vorplatz erreicht. Vorbei an kleineren Grüninseln und zahlreichen Bäumen ist der Eingang klar zu erkennen. Durch eine Verbindung von Grün und Sitzflächen entsteht ein attraktiver Ort zum Treffen und bietet die Möglichkeit, seine Zeit in der urbanen Mitte unter schattenspendenden Bäumen zu verbringen.
Die gesammelte Verschiebung der Parkflächen auf den westlichen Teil des Grundstücks sorgt für einen beruhigten Bereich vor der Akademie für Fußgänger:innen und Fahrradfahrer:innen.
Gestärkt wird dies durch Fahrradstellplätze vor dem Eingang.
Die Anlieferung erfolgt über die südliche Freifläche. Zusammen mit der Einfahrt zur Tankstelle kann die Anlieferung getrennt zum restlichen Nutzen der Akademie stattfinden. Durch einen Vegetationsstreifen in Kombination mit einem Zaun wird die Zugänglichkeit eingeschränkt und eine klare räumliche Trennung vollzogen. Um diese Fläche jedoch weiter aufzuwerten, werden zahlreiche Bäume platziert. Verbunden mit Ausschweifungen des Grünbandes ergeben sich kleine Nischen mit Sitzflächen unter diesem Baumdach.
Zentraler Punkt in der Außenlagenplanung ist das immer wichtiger werdende Regenwassermanagement, um die Bildungsakademie auch in vielen Jahren als modernen Standort zu sehen. So wurden sprechend großzügige Retentions- und Versickerungsflächen geplant.
Südlich des Neubaus befindet sich die Retentionsfläche in einer Kombination aus mehreren Mulden. So kann hier überschüssiges Regenwasser vom Grundstück und den angrenzenden Flächen gesammelt, verdunstet und versickert werden.
Durch ein Grünband um das Parkdeck kann auch ein Teil des Regenwassers im westlichen Teil des Grundstücks aufgenommen werden. Das restliche Wasser wird in die lange Versickerungsfläche im Süden geleitet.
Auch die drei Innenhöfe mit Grün- und Sitzelementen unterstützen den Umgang mit dem Niederschlag durch direkte Versickerungsflächen.
Dach- und Fassadengestaltung
Die Dächer der eingeschossigen Gebäudebereiche und die Geschossdecken des Zentralbaus sind als Holz-Beton-Verbunddecken auf einem Konstruktionsraster von 5x5m geplant. Bei Bedarf wird das Konstruktionsrater auf 7,5×7,5m bzw. 10x10m erweitert und die Konstruktion mittels Unterzügen unterstützt.
Die Fassadenelemente und Innenwände sind in Holzrahmenbauweise vorgesehen.
Über die Materialität der Fassade wird die Holzbauweise konsequent fortgesetzt. Die Fassadenflächen sind mit einer Holzschalung verkleidet. In Teilen wird eine Fassadenbegrünung vorgeschlagen.
Biodiversität und Regenwassermanagement
Die Freianlagen erfüllen neben den funktionalen Anforderungen der Bildungsakademie auch grundsätzliche Funktionen resilienter und nachhaltiger Gebietsentwicklung. Regenwassermanagement, wasserdurchlässige Oberflächenbefestigungen,
strukturreiche Vegetationsflächen, Biodiversität und Kohabitation stehen hier im
Mittelpunkt. Die Gebäudedächer erhalten eine Intensivbegrünung mit regionalem Saatgut. Die 30 cm starke Substratschicht hält das Regenwasser durch Speicherung und Verdunstung fast vollständig zurück. Überschüssiges Regenwasser der Dächer wird in Zisternen gesammelt und als Brauchwasser für die Gebäudetechnik und die Grünflächen zur Verfügung gestellt.
Die Freianlagen erhalten ein übergreifendes Regenwassermanagement. Hierzu wird das anfallende Regenwasser in die Pflanz- oder Strauchflächen geleitet, damit es dort aufgefangen wird und lokal versickern kann. Überschüssiges Regenwasser bei Starkregenereignissen wird gezielt in Retentionsflächen geleitet.
Die offenen Grünflächen, mit einem großen Anteil an artenreichen Blühzonen, mit hitzetoleranten Extensivstauden und Gräsern, dienen als Nahrung und Lebensraum für Bienen und Insekten. An den Rändern sind freiwachsende Hecken aus heimischen Gehölzen vorgesehen, sie bilden die Raumgrenze, mindern den Lärm und haben Schutzcharakter. Eingestreute Fruchtgehölze erhöhen die Biodiversität der Freianlage. Ein Grünraum für Menschen, Tiere und Pflanzen.


































































