Anerkennung | Neubau von Feuerwehr und Bürgerhaus

Wehrheim

In Zusammenarbeit mit Atelier30 Architekten

 

Städtebaulicher Leitgedanke
Aus der zentralen Lage im Ortsteil Wehrheim entwickelt der Entwurf einen klar definierten und identitätsstiftenden Ort der „Neuen Mitte“. Zwei prägnante, zweigeschossige Baukörper bilden ein adressbildendes Ensemble, das den neuen Festplatz räumlich fasst und gleichzeitig die Anforderungen von Feuerwehr und Bürgerhaus integriert. Die Fassade des bestehenden historischen Gebäudes im Nordosten wird in das Ensemble eingebunden, sodass Bestand und Neubau gemeinsam die räumliche Kante des Platzes bilden. Der Festplatz ist multifunktional angelegt: Er kann im Alltag als Parkplatz genutzt werden und bietet ausreichend Fläche für Veranstaltungen wie die Zirkus-Projektwoche der Limesschule. Begrünte Aufenthaltsbereiche, Möblierung sowie eine abgestufte Freiraumgestaltung mit Sitzstufen und Grünflächen schaffen hohe Aufenthaltsqualität. Die Haupteingänge von Bürgerhaus und Feuerwehr orientieren sich zum Platz und stärken dessen Rolle als gemeinschaftlicher Mittelpunkt. Die Architektur nimmt die Maßstäblichkeit und Typologie des gewachsenen Ortsbildes auf und interpretiert sie mit giebelständigen Baukörpern zeitgemäß. So entstehen eine starke Identität, klare Freiraumzonen und ein Ort des Ankommens, der Begegnung und der Identifikation.

Funktionales Konzept / räumliche Organisation und innere Abläufe
Die funktionale Organisation basiert auf Klarheit, Effizienz und einer konsequenten Trennung unterschiedlicher Nutzungen. Die Feuerwehr verfügt über kurze Wege und optimierte Abläufe zwischen Alarmierung, Umkleiden und Fahrzeughalle. Die räumliche Struktur folgt dem Prinzip der Schwarz-Weiß-Trennung und ermöglicht konfliktfreie Bewegungsabläufe. Alarmhof, Übungshof und Fahrzeugbewegungen sind logisch organisiert und klar voneinander abgegrenzt. Stabsraum sowie Funk- und Zentralenbereiche befinden sich an zentraler Position im Obergeschoss. Aufenthaltsräume, Büros und Schulungsflächen werden über einen Flur mit Blick in die Fahrzeughalle erschlossen und lassen aufgrund ihrer flexiblen Struktur unterschiedliche Anordnungen zu. Das Bürgerhaus ist als offener und vielseitig nutzbarer Baustein der Gemeinde konzipiert. Foyer, Saal und Gastronomie- bzw. Multifunktionsbereiche können sowohl gemeinsam als auch unabhängig voneinander genutzt werden. Über das helle, galerieartige Foyer gelangen Besucherinnen und Besucher in die unterschiedlichen Nutzungsbereiche, die sich zu einer teilüberdachten Terrasse mit Blick auf den Taunus öffnen. Bücherei, Jugendzentrum und Gewerbeflächen sind integriert, verfügen jedoch über eigene Zugänge. Vereinsräume befinden sich im Obergeschoss, ergänzt durch Technik- und mögliche Reserveflächen wie einen Yogaraum. Zusätzliche Technikflächen für das übergeordnete Energie- und Heizkonzept sind im Untergeschoss vorgesehen.

Konstruktion, Materialwahl und Fassade
Die Konstruktion folgt dem Prinzip der Angemessenheit und setzt auf robuste, wirtschaftliche und langlebige Lösungen. Die Neubauten sind als Massivkonstruktionen aus Ziegelmauerwerk, vorzugsweise aus Recyclingziegeln, geplant. Tragende und brandschutzrelevante Bauteile werden in Stahlbeton ausgeführt. Für die Dächer ist eine Holzkonstruktion mit Kupferblechdeckung und integrierten Photovoltaikelementen vorgesehen. Die ausdrucksstarken Ziegelfassaden verleihen dem Ensemble eine zurückhaltende und zugleich repräsentative Architektursprache. Klare Baukörper, präzise gesetzte Öffnungen und differenziert gestaltete Fassadentiefen sorgen für eine selbstverständliche Präsenz im Ortsbild. Im Inneren schaffen helle Räume, natürliche Materialien und ein abgestimmtes Farbkonzept eine hohe Aufenthaltsqualität sowie eine gute Orientierung für die Nutzerinnen und Nutzer.

Freiflächen
Der multifunktionale Vorplatz bildet das räumliche Zentrum des Ensembles und erschließt sowohl Feuerwehr als auch Bürgerhaus. Er dient als Veranstaltungs- und Festfläche und kann außerhalb von Veranstaltungen flexibel genutzt werden. Eine Sitzstufenanlage im Norden und Osten fasst den Platz räumlich und bietet gemeinsam mit partiellen Holzauflagen angenehme Aufenthaltsmöglichkeiten. Baumüberstandene Pflanzflächen mit integrierten Sitzgelegenheiten gliedern die großzügigen Freiräume und sorgen mit robusten Stauden- und Gräserpflanzungen über viele Monate hinweg für jahreszeitliche Akzente. Die Anordnung der Flächen berücksichtigt die Anforderungen größerer Veranstaltungen wie der Zirkus-Projektwoche der Limesschule. Die Funktionsbereiche der Feuerwehr sind sinnvoll organisiert und direkt vom Straßenraum erreichbar. Der südliche Parkplatz wird neu geordnet und weitgehend entsiegelt, um zusätzliche Baumpflanzungen zu ermöglichen. Rasengittersteine, Klimapflaster, Wiesenmulden und unterirdische Baumrigolen verbessern die Regenwasserbewirtschaftung und fördern die Vitalität der Vegetation. Entlang der Goethestraße entsteht ein baumbestandenes, blühendes Band, das den Parkplatz räumlich fasst, ökologisch aufwertet und den Übergang zur angrenzenden Umgebung gestaltet.