Neubau Feuer- und Rettungswache I | Bonn

2. Preis | Neubau Feuer- und Rettungswache I

Bonn

In Zusammenarbeit mit Steimle Architekten

 

Der Neubau der Feuer- und Rettungswache I in Bonn besteht aus einem Ensemble dreier lebendiger Bausteine, die einen gemeinsamen Hof bilden. Die Sockel aus Fahrzeughallen fassen den Alarmhof ein, in den oberen Geschossen verbindet eine begrünte Terrasse die in Modulbauweise errichteten Gebäudeteile miteinander und lädt zum Aufenthalt ein.
Das Ensemble behauptet sich eigenständig im Kontext und transformiert die vorhandene städtebauliche Zerstückelung in einen klaren Baukörper. Das Gebäude maximiert Stellplatzflächen und zeigt zum Lievelingsweg ihre Nutzungen als Feuerwehr, Rettungswache, Leitstelle und Verwaltungsbau. Zur Autobahn im Norden erhebt sich der Übungsturm charakteristisch und funktional über den Übungshof. Die Wohnbebauung am Zeisigweg wird durch das niedrige Gebäude städtebaulich geschont und durch die Setzung vor Lärm geschützt. Zum Lievelingsweg erhebt sich der Hauptbau klar erkennbar als wichtige Adresse im Stadtraum. Diese wird durch die Funkantenne im Osten der Leitstelle unterstrichen.

Die Architektur spiegelt die Nutzung als öffentliches Gebäude wider. Dabei zeigt es der Bevölkerung sowohl seine Funktion als helfendes und schützendes Gebäude. Der Ausdruck des Gebäudes ist eigenständig und einer Feuerwache angemessen. Die gewählte architektonische Form verleiht dem Bauwerk ein Gesicht nach allen Seiten hin.

Freianlagen

Eine Feuerwache ist in erster Linie ein hochfunktionales Gebäude, das intuitive und konflikt-freie Einsatz- und Arbeitsabläufe gewährleisten muss. Die Freianlagen sind daher größtenteils von Aufstellflächen und Schleppkurven belegt.
Freiraum mit Grünflächen und Aufenthalts- und Erholungsqualität wird daher im 1.OG nach-gewiesen. Ein umlaufendes Terrassenband, zum Innenhof ausgerichtet, ermöglicht es einen grünen Rahmen zu schaffen, der auch vom Hof aus wahrnehmbar ist und damit eine ange-nehme Atmosphäre auf beiden Ebenen schafft. Die östliche Terrasse, über der Fahrzeughalle, bietet neben der Begrünung unterschiedliche Aufenthaltsmöglichkeiten.
Die Terrassen im Süden und Westen sind etwas schmaler, können aber auch über das Ge-bäude betreten werden.
Die obersten Dachflächen werden als Retentionsdächer mit extensiver Begrünung in Kombi-nation mit Photovoltaik errichtet. Ein wichtiger Baustein im Hinblick auf das Regenwasserma-nagement, sind doch die Hofflächen schwerlasttauglich mit Belägen ausgestattet, die voraus-sichtlich keine Versickerung zulassen.
Im Innenhof gibt es zentral eine Fläche, die frei von Zufahrten und Schleppkurven bleibt. Hier entsteht eine grüne Insel mit großen Gehölzen. Hier könnte der Einsatz von Baumrigolen sinnvoll sein. Zudem erhält die Nordfassade des Westriegels eine bodengebundene Fassa-denbegrünung. Nördlich dieser Fassade wird der Stellplatz für die Reparaturfahrzeuge aus-gewiesen. Hier ist möglicherweise eine versickerungsfähige Bauweise denkbar.

Den Zufahrtsbereich, bzw. die Alarmausfahrt teilt sich die Feuerwache mit dm Zufahrtsbereich von BonnOrgange.
Auch das Parkdeck des regionalen Entsorgers wird über diese Zufahrt realisiert. Auf der ver-bleibendes Restfläche werden die notwendigen Besucherparkplätze und Fahrradstellplätze untergebracht.

Bei der Auswahl der Materialien sind eine CO2-neutrale Produktion, Verwendung regionaler Baustoffe und eine mögliche Recyclingfähigkeit usw. zu prüfen.
Bzgl. der Farbigkeit sind hellere, aber blendfreie Farbtöne zu bevorzugen, diese absorbieren weniger Strahlungswärme, die bei dunklen Belagsflächen dann wieder an die Umgebungsluft abgeben würden.

Der Baumbestand entlang der westlichen Grundstückgrenze wird weitestgehend erhalten. Zu Gunsten der Nachbarbebauung wird der Grünstreifen nach der Baumaßnahme sinnvoll er-gänzt und verdichtet. Bei der Auswahl der Gehölze ist darauf zu achten, dass sich diese ge-genüber den veränderten Bedingungen durch extreme sommerliche Temperaturen, Dürre-phase, Starkregenereignisse usw. am Standort unempfindlich zeigen. Außerdem ist auf darauf zu achten innerhalb er Pflanzflächen Nährgehölze vorzusehen, sowie Nist- und Brutmöglichkeiten anzubieten um die Biodiversität zu fördern.


Neubau Heilpädagogisches Zentrum | Senden Neu-Ulm

1. Preis | Neubau Heilpädagogisches Zentrum

Senden Neu-Ulm

In Zusammenarbeit mit Atelier30

 

Städtebauliche Einbindung und landschaftliche Verzahnung

Der Neubau des Heilpädagogischen Zentrums in Senden präsentiert sich als fein abgestimmtes Ensemble aus drei gestaffelten Baukörpern, die sich sensibel und selbstverständlich in die Topografie des Geländes einfügen. Gemeinsam mit der integrierten Sporthalle und dem Therapiebereich entsteht eine architektonisch wie funktional vielschichtige Verzahnung mit dem städtischen Umfeld und der angrenzenden Landschaft. Die differenzierte Gliederung und Höhenstaffelung der Baukörper vermittelt Maßstäblichkeit und ermöglicht aus jeder Perspektive eine harmonische Einbettung in das Gelände.

Die Hauptadresse des Zentrums orientiert sich zum Südosten hin, wo ein großzügig gestalteter Vorplatz mit klar definiertem Haupteingang ein einladendes, repräsentatives Entrée schafft. Von hier aus öffnet sich das kommunikative Zentrum der Einrichtung, das als Herzstück alle Hauptbereiche miteinander verbindet.

Im Nordwesten bilden die Außenspielflächen – darunter Allwetterplatz, Rasenspielfeld und Schulgarten – den landschaftlichen Abschluss und unterstreichen die enge Verbindung zwischen gebautem Raum und Freiraum.

Topografische Integration und räumliche Vielfalt

Die Anordnung der Baukörper folgt dem natürlichen Geländegefälle und übersetzt es in eine gestalterisch und funktional reich differenzierte Gebäudelandschaft. Der Gedanke der Verzahnung setzt sich im Inneren fort: Helle, großzügige Flurzonen, offene Aufenthaltsbereiche und vielfältige Sichtbeziehungen nach außen schaffen eine inspirierende, lichtdurchflutete Lern- und Arbeitsatmosphäre. Die klare Struktur der Baukörper unterstützt eine intuitive Orientierung und stärkt die räumliche Qualität.

Erschließung und funktionale Organisation

Der zentrale Haupteingang führt in eine lichtdurchflutete Foyer- und Pausenhalle, die als räumliches Herzstück dient. Café und Musikräume sind hier direkt angebunden und lassen sich flexibel zur Halle hin öffnen. Die innere Erschließung ist klar gegliedert, die Wegeführung intuitiv.

Vom Zentrum aus werden im Erdgeschoss der Sport- und Therapiebereich mit Schwimmhalle sowie das Kinderhaus erschlossen. Alle Funktionsbereiche sind bei Bedarf separat zugänglich und funktional klar voneinander getrennt. Die zentrale Pausenhalle verknüpft über einen großzügigen Luftraum sämtliche Hauptbereiche des Hauses. Um eine Galerie im Obergeschoss gruppieren sich Sozial- und Aufenthaltsräume, ergänzt durch die Grund- und Berufsschulstufen. Im zweiten Obergeschoss befinden sich die Verwaltung, die Lehrerzimmer sowie die Mittelschulstufe, jeweils als eigenständige Raumbereiche ablesbar.

Wie im restlichen Gebäude sorgen Rücksprünge in den Flurzonen für abwechslungsreiche Kommunikationsräume mit Blickbeziehungen ins Freie und in begrünte Innenhöfe. Das offene Raumkonzept unterstützt eine angenehme Lernatmosphäre und ermöglicht zugleich hohe Flexibilität: Die modulare Grundrissstruktur erlaubt zukünftige Anpassungen der Raumorganisation.

Ein hoher Anteil begrünter Dach- und Fassadenflächen verbessert nicht nur das Mikroklima, sondern fungiert auch als Retentionsfläche zur Regenwasserrückhaltung. Im Untergeschoss sind neben Technik- und Nebenräumen auch 28 Stellplätze untergebracht.

Ankommen

Der Auftakt des neuen Schultages findet auf dem Vorplatz an der Nahtstelle zwischen Bestand und dem neuen Heilpädagogischem Zentrum statt. Überschattet von Baumgruppe aus mehrstämmigen, großzügig unterpflanzten Amberbäumen mit ihren um die Bäume schwebenden Bänken, ist die Eingangsplaza Durchgangs- und Aufenthaltsbereich gleichermaßen. Hier sind, hinter der Baumgruppe etwas abgeschirmt, eingangsnah die Fahrradstellplätze platziert.

Schullandschaft

Den Freiraum im direkten Anschluss an die Pausenhalle verstehen wir als Schullandschaft , die die platzgreifenden Anforderungen des Raumprogramms erfüllt und dabei so stark wie irgend möglich begrünt ist. Sie ist teilweise überstellt von großkronigen Zukunftsbäumen und gegliedert durch abgesenkte Gräser- und Staudenflächen unter den Baumkronen, die neben ihrem insektenfreundlichen Blütenreichtum gleichzeitig als Retentions- und Sickerflächen dienen.  Der zentrale Pausenhof ist mit sickerfähigem Betonpflaster mit partiell linearen Rasenfugen befestigt. Die von einer niedrigen Pflanzung teilweise umschlossene grüne Klassenzimmer im Südosten- – im direkten Anschluss an den Schulgarten – bietet abseits vom Trubel des Pausenhofs Platz fürs Lernen im Freien. Zur Agrarlandschaft im Süden bildet eine Mischhecke aus Vogelschutzgehölzen den Abschluss und Übergang zur Landschaft.  Dort, wo keine bespiel- und betretbare Rasenfläche erforderlich ist, leisten magere, zweischürige Wiesen ihren Beitrag zur Biodiversität. Der Südbereich des Schulhofes ist als Bewegungslandschaft mit dem kleinem Spielfeld, einer Kletterwand und weiteren Bewegungsangeboten konzipiert.

Geschützter Freiraum für das Kinderhaus

Der Freibereich des Kinderhauses ist als sanft modellierte Spiel- und Erlebniswelt gestaltet, die neben einer altersgerechten Ausstattung mit Spielgeräten und ausreichenden befestigten Flächen Raum für naturnahes Spiel in den Randbereichen lässt. Laubbäume mit eher lichten Kronen sorgen für ein ganzjährig angenehmes Klima – viel Sonne im laublosen Zustand, hinreichend Schatten im Sommer.

In den Saum der Randbereiche sind Nasch- und Nutzpflanzen wie Erdbeeren und Heidelbeeren, Minze und Melisse sowie Haselnusssträucher eingebettet, die zum einem robust genug für eine intensive Nutzung sind, zum anderen den jahreszeitlichen Wechsel in das pädagogische Konzept anschaulich einbinden.

Wassermanagement und Biodiversität

Die Freianlagen erfüllen neben den Anforderungen der Bewegungs-, Lern- und Spiellandschaft auch grundsätzliche Funktionen einer resilienten und nachhaltigen gebauten Umwelt. Dazu zählen ein Maximum an strukturreichen Vegetationsflächen, wasserdurchlässige Oberflächenbefestigungen und ein Regenwassermanagement als Kreislaufsystem.  Die Dachflächen des Schulgebäudes werden als Retentionsdächer ausgebildet. (18 cm Substrat auf den Dächern (auch bei einer möglichen Solarnutzung, mit Retentionsboxen mit kapillarem Dochtsystem zur optimalen Niederschlagsrückhaltung und -verdunstung). Die Substratschicht in Zusammenspiel mit den Retentionsboxen speichert das Regenwasser und stellt es den Pflanzen zur Verfügung. In den erdangebundenen Vegetationsflächen wird das Regenwasser durch die Ausbildung der Topografie den Pflanzflächen BZW. Baumrigolen zugeführt und darüber hinaus in Zisternen für die Brauchwassernutzung gesammelt.

Alle Pflanzungen werden – neben ästhetischen Gesichtspunkten – so ausgeführt, dass sie einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität leisten können. Durch eine gezielte Auswahl an unterschiedlichen Substraten in den Randbereichen wird ein Mosaik aus ökologisch wertvollen Standorten initiiert, das sich durch Aussaat von gebietsautochthonem Wildkräutersaatgut zu besonders artenreichen Pflanzengesellschaften entwickelt.


Neubau Weiterführende Schule und Sporthalle Hafner | Konstanz

3. Preis | Neubau Weiterführende Schule und Sporthalle Hafner

Konstanz

In Zusammenarbeit mit Atelier30

 

Ankommen
Der Auftakt des neuen Schultages findet auf dem Vorplatz an der Nahtstelle zwischen neuem Grünzug und der von Nordwesten kommenden Quartiersstraße statt. Überschattet von zwei mehrstämmigen, großzügig unterpflanztem Amberbäumen mit seinen um die Bäume schwebenden Rundbänken, ist die Eingangsplaza Durchgangs- und Aufenthaltsbereich gleichermaßen. Wer zuerst kommt, findet auch sehr eingangsnah ums Eck auf der Ostseite einen Stellplatz für sein Fahrrad, ansonsten ist die große Anzahl der Fahrradeinstellplätze gut erreichbar unter dem Baumhain im Osten platzier.

 

Schullandschaft
Den Freiraum im direkten Anschluss an die Pausenhalle verstehen wir als stark begrünte Schullandschaft auf dem Niveau des Erdgeschosses dem 1. OG auf dem Dach über dem obersten OG. Sie ist überstellt von großkronigen Zukunftsbäumen und gegliedert durch abgesenkte Gräser- und Staudenflächen unter den Baumkronen, die neben Ihrem insektenfreundlichem Blütenreichtum gleichzeitig als Retentions.- und Sickerflächen dienen. Der zentrale Pausenhof ist mit sickerfähigem Betonpflaster mit teilweise linearen Rasenfugen befestigt. Die Ausstattungselemente sind multifunktional gestaltet – die Chilldecks, in der Nähe der Sitzstufen im Baumschatten angeordnet sind informeller Treffpunkt auch außerhalb der Pausen. Das von einer niedrigen Hecke umschlossene Freiluftstudierzimmer im Südosten bietet abseits vom Trubel des Pausenhofs an langen Studiertischen Platz fürs Lernen in Gruppen oder alleine. Zur Agrarlandschaft im Osten bildet eine Vogelschutzpflanzung einheimischen Bäumen und Sträucher und einem Saum aus standortgerechten Wildkräutern den Abschluss. Dort, wo keine bespiel- und betretbare Rasenfläche erforderlich ist, leisten magere, zweischürigen Wiesen ihren Beitrag zur Biodiversität.

Bewegungslandschaft
Auf dem Dach der Turnhalle wird die Schullandschaft zur Bewegungslandschaft – von verschiedenen Callisithenics-und Parcours-Angebote bis hin zu Bodentrampolinen findet sich alles, bei dem Sport und Spaß eine Einheit bilden. Dass auch mal nur zugeschaut wird, versteht sich von selbst: Lange Bänke, bei denen man zusammen auch auf der Lehne sitzen kann und intimere Sitzschalen für Zwei bilden die „Tribüne“ für die Action auf dem Dach. Gerahmt werden die Flächen durch eine trockenheitsresistente Gräser- und Staudenpflanzung. Sie sind so platziert, dass die Lasten möglichst effizient an den Rändern eingeleitet werden.
Eine breite, begrünte Treppenanlage mit integrierten Sitzstufen führt zum Streetballfeld und der Boulderskulptur auf Erdgeschossniveau

 

Wassermanagement und Biodiversität
Die Freianlagen erfüllen neben den Anforderungen der Bewegungs- und Lernlandschaft auch grundsätzliche Funktionen einer resilienten und nachhaltigen Gebietsentwicklung. Dazu zählen ein Maximum an strukturreichen Vegetationsflächen, wasserdurchlässige Oberflächenbefestigungen und ein Regenwassermanagement als Kreislaufsystem. Die Dachflächen des Schulgebäudes werden als Retentionsdächer ausgebildet. (18 cm Substrat auf den Solardächern, bis zu 50 cm auf dem 1. OG und im Bereich des Schulgartens, mit Retentionsboxen mit kapillarem Dochtsystem zur optimalen Niederschlagsrückhaltung und -verdunstung) Die Substratschicht in Zusammenspiel mit den Retentionsboxen speichert das Regenwasser und stellt es den Pflanzen zur Verfügung. In den erdangebundenen Vegetationsflächen wird das Regenwasser durch die Ausbildung der Topografie den Pflanzflächen zugeführt und darüber hinaus in Zisternen für die Brauchwassernutzung gesammelt. Bei Starkregenereignissen wird überschüssiges Regenwasser in Muldenversickerungssysteme (Versickerungskaskade) in den Pflanzflächen gesammelt.
Alle Pflanzungen werden – neben ästhetischen Gesichtspunkten – so ausgeführt, dass sie einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität leisten können. Durch eine gezieltes Auswahl an unterschiedlichen Substraten wird ein Mosaik aus ökologisch wertvollen Standorten initiiert, das sich durch Aussaat von gebietsautochthonem Wildkräutersaatgut zu besonders artenreichen Pflanzengesellschaften entwickelt.


Erweiterung und Umbau von zwei Grundschulen | Sassenburg

1. Preis | Erweiterung und Umbau von zwei Grundschulen

Sassenburg

In Zusammenarbeit mit Kauffmann Theilig & Partner

 

Die Grundschule im bunten Dreieck in Sassenburg erhält durch eine präzise gesetzte und atmosphärisch dichte Erweiterung eine neue räumliche und pädagogische Qualität. Der bestehende, dreieckige Solitärbau mit seiner markanten, abgeschlossenen Form wird durch eine erdgeschossige Erweiterung an der Südostseite ergänzt – nicht durch Aufstockung oder außenstehende Satelliten, sondern durch eine architektonisch verwandte Struktur, die das Dreieck schlüssig vergrößert und somit erweitert, ohne seine Identität zu verlieren. Diese Maßnahme schafft nicht nur zusätzliche Flächen, sondern auch lichtdurchflutete, offene Zwischenräume und eine neue Clusterstruktur: jeweils vier der zwölf neuen Klassenräume bilden gemeinsam mit dazwischenliegenden offenen Lernbereichen kleine pädagogische Einheiten. Die aufgefächerte Anordnung der Räume ermöglicht großzügige Tageslichtführung und eine enge Verzahnung von Innen- und Außenräumen.

Der bislang schwer nutzbare Innenhof wird durch eine behutsame Überdachung mit Oberlichtern zu einem klimatisch geschützten Zentrum der Schule umgewandelt – dem neuen Marktplatz. Dort finden künftig die Bibliothek und der Computerraum ihren Platz, beide zentral und hochwertig belichtet. Weitere punktuelle Ergänzungen innerhalb der bestehenden Struktur – wie etwa die neue Mensa an der West-Ecke – fügen sich organisch und mit minimalem baulichen Aufwand ein. Die Mensa selbst ist ideal positioniert: direkt neben dem Eingang mit großzügigen Innen- und Außenflächen, kurzen Wegen für die Essensausgabe, direkter Anlieferung von außen sowie einer flexiblen Erweiterbarkeit durch mobile Wände in Richtung Flur. Auch eine Bühne sowie der Anschluss an den Musikraum lassen sich leicht integrieren.

Der Bauablauf ist so konzipiert, dass die Schule während des gesamten Prozesses im Betrieb bleiben kann – ohne Interimslösung im klassischen Sinn. In den siebenwöchigen Sommerferien werden die bestehenden Bauteile an der Südostseite zurückgebaut und angepasst, eine leistungsfähigere Fassade ersetzt die marode Bestandsfassade. Zeitgleich werden die neuen Klassenräume als vorgefertigte Holzcontainer produziert, welche am Ende der Sommerferien direkt an ihrem endgültigen Standort positioniert werden. So beginnt das neue Schuljahr in einem bereits nutzbaren Teil des Neubaus. Die weiteren Umbauten – wie die Mensa, das Schließen des Innenhofs, Infrastrukturmaßnahmen und Arbeiten an der Westfassade – erfolgen innerhalb der darauffolgenden zehn Monate, bei laufendem Schulbetrieb. Die restlichen Maßnahmen und finalen Anbindungen werden in den darauffolgenden Sommerferien abgeschlossen. Nach eineinhalb Jahren ist das neue Schulhaus vollständig fertiggestellt.

Die bestehende Schule, so ambitioniert sie einst gedacht war, zeigte sich übertechnisiert und wartungsintensiv. Die neue Planung setzt bewusst auf funktionierende Low-Tech-Lösungen mit hohem didaktischem Potenzial: Fensterlüftung mit optimierter Querlüftung macht mechanische Systeme in den Klassenräumen überflüssig. Bestehende Lüftungsanlagen werden gezielt nur dort eingesetzt, wo sie sinnvoll sind – etwa in Küche, Mensa und innenliegenden Räumen. Für Heizung und Kühlung kommen Wärmepumpen mit regenerativen Energiequellen wie Fundamentabsorbern, Erdsonden und Bohrpfählen zum Einsatz. Eine statische Klimatisierung erfolgt über Deckenelemente, während Photovoltaikanlagen auf den Dachflächen einen nahezu energieautarken Betrieb der Schule ermöglichen.

Materialität und Gestaltung orientieren sich an Bestand und Funktionalität. Die neuen Klassenräume bestehen aus selbstragenden Holzcontainern, ergänzt durch eine hölzerne Lamellenstruktur, die das geometrische Dreieck im Lageplan wieder vollständig schließt. Diese Lamellen dienen zugleich als Wetter- und Sonnenschutz durch die darüberliegende Photovoltaikschicht. Die Dachflächen werden saniert und die Lüftung in die neue Dachform integriert. Im Bestand werden die Fassaden reduziert transparent gestaltet, mit lichtlenkenden Lamellen, bedruckten Glaselementen und effektiven Sonnenschutzeinrichtungen.

Nicht zuletzt spiegelt sich in der Architektur das eigentliche “Bunte” des Dreiecks wider: die Schüler und die natürliche, sich wandelnde Landschaft. Verglaste, glänzende und bedruckte Bauteile fangen die Farben und Bewegungen des Schullebens sowie der Umgebung ein – ein lebendiges, vielfältiges Bild, das sich mit den Jahreszeiten verändert. So entsteht ein neues Schulgebäude, das das freundliche, lebendige Miteinander in einem klar gefassten, aber offenen architektonischen Rahmen in Szene setzt – unaufgeregt, nachhaltig und voller Aufenthaltsqualität.

Freianlagen

Das bestehende Schulgelände, eingebettet in das östliche Wohngebiet zeichnet sich durch eine offene Struktur mit mehreren Zugängen und weiten Blickbeziehungen in die umgebende Landschaft aus. Das neue Konzept nimmt diese positiven Merkmale auf und integriert sie in ein modernes, zukunftsfähiges Konzept.
Die neue Gestaltung umschließt den dreiecksförmigen Schulbau mit einer dichten abwechslungsreichen Bepflanzung und formt einen neuen robusten und lebendigen Pausenhof. Durch die organischen Formen der Pflanzbereiche schafft der Entwurf nicht nur eine spannende Beziehung zum Schulgebäude, sondern auch interne, geschützte Bereiche. Die Pflanzungen öffnen sich gezielt an den Hauptzugängen — dem Zugang über die Straße „Am Felde“ sowie dem Nebenzugang über den „Bokensdorfer Weg“ — und schaffen so einladende Eingangsbereiche.
Der Schulhof entwickelt sich aus den vorhandenen Strukturen der Freianlagen und dem neuen Erweiterungsbau zu einem zusammenhängenden Außenraum, der sich rund um das Gebäude legt. Er entwickelt sich so von einem umfangreichen Spielbereich im Westen des Gebäudes zu einem naturnahem Ruhebereich im Osten. Der Pausenbereich westlich vom Gebäude ist durch Angebote zum Toben, Buddeln und Spielen geprägt. Hier werden den Kindern unterschiedliche Bewegungsangebote wie eine große Kletterskulptur, Basketballkorb, Tischtennisplatten gemacht und zusätzliche Flächen für das freie Spiel vorgesehen. Auch das bestehende Außenklassenzimmer wird hier integriert und in einem ruhigeren und begrünten Schattenplatz vorgesehen, welches mit einem Klanggarten kombiniert wird.
In Richtung Osten entwickelt sich der Schulhof zu einem schattigen Rückzugsort. Hier befindet sich ein weiteres grünes Klassenzimmer und grüne Nischen und Flächen fürs Gärtnern. Die Möblierung auf dem gesamten Schulgelände lädt zu unterschiedlichen Aufenthaltsmöglichkeiten ein. So können sich überall Gruppen von Schüler*innen aufhalten, sich austauschen und bewegen. Die Grünflächen werden so gestaltet, dass sie zu den Rändern hin dichter und höher werden und die Einblicke ins Schulgelände reduzieren. Die abwechslungsreichen und standortgerechten Pflanzflächen fördern die ökologischen Lernprozesse und sensibilisieren die Schüler*innen für Umweltzusammenhänge. Zusätzliche Grüninseln reagieren auf klimatische Herausforderungen. Der Freiraum erfüllt somit nicht nur die Anforderungen eines modernen Schulhofs, sondern fördert auch eine bewusste Auseinandersetzung mit Natur und Nachhaltigkeit.
Im Bereich der nördlichen Haupterschließung bleiben ausreichend viele Fahrradbügel erhalten. Die Zugänge zum Müllplatz sowie zum kleinen Heizhaus werden eingebunden.


Neubau Molekulare Biologie der Universität Biologie am Campus Poppelsdorf der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität | Bonn

1. Preis | Neubau Molekulare Biologie der Universität Biologie am Campus Poppelsdorf der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität

Bonn

In Zusammenarbeit mit Atelier30

 

Städtebauliches Konzept
Der viergeschossige Neubau für das Laborgebäude der Molekularen Biologie fügt sich städtebaulich als weiterer präzise gesetzter Baustein in das Gesamtkonzept des bestehenden Masterplans ein. Den oberen Abschluss des Gebäudes bilden ein gestaffeltes Technikgeschoss sowie eine Dachterrasse. Entlang der Planstraße E wird der Haupteingang durch einen Rücksprung im Erdgeschoss klar akzentuiert und bildet somit ein einladendes Entree. Der vorgelagerte, landschafts-architektonisch gestaltete Vorbereich mit integrierten Fahrradstellplätzen unterstreicht die Eingangssituation und schafft Aufenthaltsqualität. Zusätzliche Zugänge sind im südwestlichen Bereich entlang der Campusallee sowie entlang der Verbindungsachse zwischen Planstraße E und Käthe-Kümmel-Straße vorgesehen. Diese ermöglichen interne Anlieferungen und erschließen einen Nebeneingang. Zur Stärkung der campusprägenden Identität sind im Erdgeschoss rund um den zentralen Luftraum vorrangig kommunikative und publikumsorientierte Funktionen wie Seminarbereiche, EDV-Pools und eine Ausstellungsfläche im Foyer angeordnet. Die Fassade präsentiert sich im städtebaulichen Kontext der umliegenden Institutsgebäude als eine fein strukturierte Bandfassade mit integrierten Photovoltaik-Elementen, die zugleich eine Sonnenschutzfunktion übernehmen. Vertikale Fassadenelemente rhythmisieren zusätzlich die Gebäudehülle und dienen der Führung des außenliegenden Sonnenschutzsystems. Im Bereich der Brüstungen sind Elemente in Holzbauweise vorgesehen, die dem Gesamtbild eine warme, materialgerechte Akzentuierung verleihen und die Nachhaltigkeitsstrategie des Gebäudes unterstreichen.

Innere und äußere Erschließung, räumliche Organisation
Die Erschließung des Neubaus erfolgt zentral und verbindet alle Funktionsbereiche auf kurzen Wegen miteinander. Das kommunikative Herz des Gebäudes – ein großzügiger Innenbereich mit offenen Kommunikationszonen – erleichtert die Orientierung und fördert den interdisziplinären Austausch. Um diesen Kern gruppieren sich alle wesentlichen vertikalen Erschließungselemente wie Fluchttreppen, Technikschächte und Sanitärbereiche auf allen Ebenen. Neben allgemeinen Funktionen und zentralen Seminarräumen bildet der differenziert gestaltete Innenhof mit seinen Vor- und Rücksprüngen sowie den angrenzenden Terrassenbereichen das grüne Zentrum des Gebäudes. Im Erdgeschoss befinden sich um diesen Hof der Ausstellungsbereich, Seminarzonen sowie Funktionsräume wie Praktikumsbereiche, eine Elektrowerkstatt und EDV-Pools.
Die Obergeschosse werden neben den Fluchttreppen durch ein läufige galerieartige Treppenanlagen erschlossen, die direkt in das kommunikative Zentrum führen. Wechselnde Seminarzonen, Terrassen und offene Kommunikationsbereiche laden auf allen Ebenen zum informellen Austausch ein. Durch die versetzte Anordnung innerhalb der Geschossgrundrisse entsteht ein spannungsvoller Innenhof, der als verbindendes Element das Gebäudeensemble gliedert und belebt. Labore, Auswertebereiche und flexible Büroflächen sind logisch und nutzungsnah innerhalb der Geschosse organisiert und optimal an die Erschließung angeschlossen.
In der Gesamtheit entsteht ein fein austariertes Raumgefüge mit einem zentralen kommunikativen Herz und ruhigen, dezentralen Arbeitsbereichen – eine Struktur, die sowohl Austausch als auch konzentriertes Arbeiten fördert.
Die Dachfläche wird im Sinne ökologischer Nachhaltigkeit extensiv begrünt – mit heimischen Gräsern und Straucharten zur Förderung der Biodiversität. Ergänzend dazu steht den Mitarbeitenden eine weitere Dachterrasse als Aufenthaltsbereich mit Blick über den Campus zur Verfügung. Zudem ist eine großflächige Photovoltaikanlage zur Eigenstromversorgung vorgesehen, die einen wesentlichen Beitrag zur Energieeffizienz des Gebäudes leistet.

Architektur, Konstruktion und Materialität
Das Gebäude ist als optimierter Hybridbau konzipiert, bei dem Materialien gezielt dort eingesetzt werden, wo sie funktional, wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll sind. Grundlage der Materialwahl ist der ressourcenschonende Kreislaufgedanke, der über den gesamten Lebenszyklus hinweg wirksam werden soll. Die Primärkonstruktion wird als materialeffizientes Stahlbetonskelett in Halbfertigteilbauweise ausgeführt. Der Einsatz von Recyclingbeton wird dort vorgesehen bzw. geprüft, wo er statisch und wirtschaftlich vertretbar ist. Die klare und durchgängige Tragwerksstruktur erlaubt den Einsatz vorgefertigter Bauelemente und ermöglicht eine robuste, wirtschaftliche Bauweise sowie einen optimierten Bauablauf. Untergeschoss, Treppenhauskerne, punktgestützte Decken und brandschutzrelevante Bauteile werden in Massivbauweise errichtet. Die Aussteifung des Gebäudes erfolgt über die zentralen Erschließungs- und Technikkerne.
Die Fassadenelemente sind in hoch wärmegedämmter, vorgefertigter Holzbauweise mit vertikal strukturierter Holzverschalung vorgesehen. Die vertikale Schwertstruktur im Bereich der Fensterbänder dient der Aufnahme der integrierten Photovoltaikelemente und strukturiert zugleich das Fassadenbild. Die horizontal angeordneten PV-Module übernehmen ergänzend die Funktion des baulichen Sonnenschutzes und integrieren die notwendige Brandschottung.
Das statische System – kombiniert mit einem hohen Vorfertigungsgrad – bildet die Grundlage für eine wirtschaftliche, zeiteffiziente und langlebige Bauweise. Das Laborraster ist mit 1,20 m definiert. Daraus abgeleitet ergeben sich die Konstruktionsraster von 3,60 m, 7,20 m und 10,80 m. Weitgespannte Decken werden durch Unterzüge unterstützt. Die Fensterteilung folgt dem Ausbauraster und ermöglicht eine flexible Anbindung mobiler Trennwände zur variablen Raumstrukturierung.
Die Innenräume zeichnen sich durch eine klare Materialästhetik aus: helle Wandflächen, Holzoberflächen und Glas schaffen ein hochwertiges, lichtdurchflutetes Raumklima. In Verbindung mit abgestimmten Bodenbelägen und einem differenzierten Farb-Materialkonzept entstehen Räume, die gleichermaßen für konzentrierte Einzelarbeit wie für offene Teamarbeit geeignet sind. Visuelle Bezüge zwischen den Funktionsbereichen stärken Transparenz, Identifikation und hausinterne Kommunikation. Alle Glasflächen sind mit einem außenliegenden Sonnenschutzsystem ausgestattet. Im Bereich der zentralen Erschließung kommen akustisch wirksame Lignotrend-Oberflächen mit hell lasierter Holzoptik zum Einsatz, die dem Gebäude eine warme, ruhige Atmosphäre verleihen.
Die Dachflächen werden durchgehend begrünt und mit Photovoltaikanlagen kombiniert – ein integraler Bestandteil des nachhaltigen Energiekonzepts des Gebäudes.


Neugestaltung Schulcampus Mühlenberg | Wipperfürth

Anerkennung | Neugestaltung Schulcampus Mühlenberg

Wipperfürth

In Zusammenarbeit mit LH Architekten und STLH Architekten

 

Leitidee und Städtebau
Der Neubau für den Schulcampus generiert sich aus drei einfachen, ineinander geschobenen Volumen für die beiden Nutzungen Realschule und Hauptschule sowie den gemeinsam genutzten Bereichen dazwischen. Aufgrund des unterschiedlichen Flächenbedarfs unterscheiden sich die drei Kuben in Fläche und Höhe, sodass sich ein differenziertes Gesamtensemble ergibt, bei dem die einzelnen Nutzungen weiterhin klar ablesbar bleiben. Der Baukörper für die Hauptschule ist im westlichen Grundstücksbereich angeordnet, der für die Realschule im östlichen. Beide überragen mit vier, bzw. fünf Obergeschossen den dreigeschossigen Kubus für die Gemeinschaftsflächen und Fachklassenbereiche, die Eigenständigkeit beider Schulen als separate Organisationseinheiten bleibt dabei gewahrt. Die Gebäudevolumen für die Realschule und die Gemeinschaftsbereiche verfügen jeweils über Innenhöfe, um die Belichtung aller Räume zu gewährleisten. Die Anordnung der Baukörper erlaub es, den Neubau in zwei Bauabschnitten errichtet zu können, auf aufwendige Interimslösungen kann dadurch verzichtet werden. Die Höhenstaffelung des Schulcampus folgt dabei der nach Osten ansteigenden Topographie des Areals, der Footprint des Gebäudes wird dadurch minimiert. Aufgrund dieser Topografie entsteht nach Südwesten unter dem Erdgeschoss ein weiteres, teilweise eingegrabenes „Gartengeschoss“, das zusätzliche Nutzungen in allen Bereichen aufnimmt. Die beiden Schulhöfe können so auf unterschiedlichen Ebenen angeordnet werden, sie erstrecken sich südwestlich (Hauptschule) und nordöstlich (Realschule) an die Baukörper angrenzend und folgenden damit der Grundidee der separaten Organisationseinheiten. Beide Schulhöfe verfügen durch Unterschnitte im Gebäudevolumen über die geforderten überdachten Bereiche. Die klare farbliche Ausbildung der Fassaden folgt dem Farbcode für die beiden Schulen, der Mittelbau für die Gemeinschaftsnutzungen erhält einen eigenständigen Farbcode. Die Voss-Arena erhält einen neuen Eingangsbaukörper, der nicht nur die Erschließung vom Schulhof aus ermöglicht, sondern über ein weiteres Geschoss aus direkt von der Straße aus erreichbar ist. Die Arena bekommt damit eine eigene Adresse und Sichtbarkeit vom Straßenraum und damit einen vom Schulgelände unabhängigen Zugang.

Freiraum
Erschlossen wird das Gelände über einen gemeinsamen Zugang von Norden. Ein zweiter Zugang wird von Süd-Westen ermöglicht, über den Zugang zum südlich gelegenen Wohngebiet. Hier sind auch nach wie vor – neu geordnet – die geforderten Stellplätze angeordnet. Die gemeinsam genutzten Sportfelder liegen – wie auch die „grünen Klassenzimmer“ im südlichen Grüngürtel und fassen die Schulhöfe. Unter Berücksichtigung einer möglichst flexiblen Nutzung der Schulhofflächen werden auch hier grüne Inseln und Baumpflanzungen vorgesehen, die die Aufenthaltsqualität fördern und dem Kleinklima zugutekommen. In den grünen Rahmen eingebettet sind auch die Outdoor-Klassenzimmer beider Schulen. Auch hier wird die Topografie genutzt und mit Sitzkanten sichtbar gemacht. Trotz der Hanglage konnten Flächen geschaffen werden, die für den Rückhalt von Regenwasser zur Verfügung stehen. Bei der Farbigkeit der Beläge wurden hellere, aber blendfreie Farbtöne gewählt, diese absorbieren weniger Strahlungswärme.

 

Baukörper
Die drei gleichwertigen Haupteingänge sind jeweils zum nördlichen Vorplatz ausgerichtet, durch Bauköperrücksprünge gekennzeichnet und damit leicht auffindbar. Das Organisationsprinzip beider Schulen ist dabei identisch: Über die Haupteingänge erreicht man jeweils die im Erdgeschoss verorteten Verwaltungs- und Personalbereiche sowie die vertikalen Haupterschließungskerne, die jeweils in den Überlappungsflächen der Kuben angeordnet sind. Diese Kerne dienen gleichzeitig als Übergang und Verbindung zu den mittig angeordneten gemeinsamen Nutzungen wie z.B. Aula und Mensa und den Fachklassenbereichen in den Obergeschossen. An den Enden der jeweiligen Baukörper befindet sich jeweils ein außenliegendes Treppenhaus, das den zweiten Rettungsweg darstellt. Beide Schulen verfügen in den oberen Geschossen jeweils über „Etagenfoyers“, über die man die Lerncluster-Bereiche erreicht. Die Treppen und Foyers sind dabei je nach Schule unterschiedlich gestaltet, was die jeweiligen eigenen Identitäten der Schulen unterstreicht und die Orientierung erleichtert. Im dritten Obergeschoss verfügen beide Schulen über eine Dachterrasse auf dem Dach des Mittelbaus. Der Mittelbau nimmt im Erdgeschoss das Forum, die Bibliothek sowie den Ganztagsbereich auf, im Gartengeschoss befinden sich hier die zweigeschossige Aula und die Mensa, sowie Musikräume. Die großzügige Freitreppe mit Sitzstufenanlage im Forum verbindet beide Geschosse. Forum und Mensa sind dabei als Regenpausenbereiche den jeweiligen Schulhöfen zugeordnet. In den Obergeschossen sind im Mittelbau die für beide Schulen nutzbaren und benötigten Fachklassenbereiche angeordnet.

 

Materialität, Konstruktion & Nachhaltigkeit
Das gesamte Gebäude ist oberhalb des als Massivbau vorgesehenen Gartengeschosses als Holz-Beton-Verbundkonstruktion konzipiert. Die Erschließungs- und Treppenhauskerne werden in Stahlbetonbauweise errichtet, um den Brandschutzanforderungen zu genügen und gleichzeitig die Aussteifung des Gebäudes zu gewährleisten. In den übrigen Bereichen wird eine Betondecke auf Holzträger im Raster 1,25m aufgelegt. Diese Träger sind an Hauptträger in Fassaden- und Flurwandrichtung angebunden, die auf Stützen im Raster 3,75m aufliegen. Der Materialaufwand für die Decken kann durch diese Konstruktion minimiert werden. Alle Holzbauteile sind so dimensioniert, dass der Brandschutz über Abbrand sichergestellt wird. Die Materialität der Konstruktion kann damit in allen Gebäudebereichen sichtbar und erlebbar gemacht werden. Die Skelettbauweise ermöglicht, auf alle Anforderungen des Raumprogramms flexibel reagieren zu können, spätere Anpassungen der Raumgrößen sind problemlos möglich. Das Konstruktionsraster wird über die Fassade auch nach außen getragen. Vertikale Lisenen aus Holz gliedern diese, in den Sockelbereichen wird dieses Raster abgelöst durch das Stützen-Hauptraster von 3,75m. Prägnant auskragende Fensterbänke als oberer Abschluss der Brüstungsbereiche bilden dazu das horizontale Pendant. Die variierende Verkleidung der Brüstungsbänder aus profilierten Keramikelemente verleiht wiederum jedem Baukörper seine eigene Identität. Die Farbgebung der Lisenen, Brüstungen und der sonstigen geschlossenen Fassadenbereiche folgen weitestgehend monochrom dem Farbkonzept für die einzelnen Nutzungsbereiche Hauptschule (blau), Mittelbau (grün) und Realschule (rot). Alle Räume verfügen über außenliegenden Sonnenschutz. Das Dach des Mittelbaus wird intensiv begrünt und als Retentionsdach aktivierbar, jede Schule verfügt hier über eine eigene Terrasse. Die Dächer der Schulbaukörper sind jeweils extensiv begrünt und mit großflächigen PV-Anlagen ausgerüstet. Die Wärmeversorgung erfolgt über eine Wärmepumpe, die im Sommer auch zur Kühlung herangezogen werden kann. Der Großteil der Räume ist mit Fussbodenheizung ausgerüstet. Durch die optimale Ausrichtung der Räume – der überwiegende Teil orientiert sich nach Norden oder Süden – werden die solaren Einträge im Sommer minimiert. Der Verglasungsanteil der Fassade wurde so konzipiert, dass Nutzung von künstlicher Belichtung reduziert werden kann.


Kernbereich Ortenberg | Ortenberg (Hessen)

2. Preis | Neue Stadträume für Ortenberg

Ortenberg (Hessen)

In Zusammenarbeit mit Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner

 

Die neue Ortsmitte

Die Wilhelm-Leuschner-Straße bildet seit jeher die Lebensader Ortenbergs. Diese zentrale Achse wird künftig weiter gestärkt und durch eine neue Gestaltung aufgewertet. Im Herzen des Ortes erhält Ortenberg entlang der Wilhelm-Leuschner-Straße ein neues Gesicht.
Ein neuer zentraler Platzraum entsteht als übersichtliche Drehscheibe, die wichtige Nutzungen und Stadtbereiche miteinander verbindet und zugleich eine neue Visitenkarte für den Ort darstellt. Dieser Platz bildet den Auftakt sowie das Eingangstor zur historischen Altstadt. Gleichzeitig werden der Marktplatz mit dem Bürgerhaus sowie das neue Rathaus städtebaulich und freiraumplanerisch integriert.
So entsteht an zentraler Stelle eine großzügige, nutzungsoffene Ortsmitte, die als identitätsstiftender Platzraum einen repräsentativen und kommunikativen Stadtraum schafft. Die Neubauten ergänzen das bestehende Gebäudeensemble und beleben den Platz durch ihre vielfältigen Nutzungen.

Das neue Rathaus und Rathausterrassen

Die neue Stadtverwaltung aus Alt- und Neubau bildet den zentralen Baustein des Gesamtkonzepts. Sämtliche Rathausfunktionen werden in einem gemeinsamen Komplex gebündelt. Die öffentlichen Freiräume zur Wilhelm-Leuschner-Straße sowie zum Herrngartengelände schaffen eine wichtige Verbindung zur Nidder.
Durch die Heranführung des Platzes an die Hangkante entsteht eine attraktive Aussichtssituation: Wie ein großes Landschaftsfenster öffnet sich der Blick auf die Nidder und die Hügel des Vogelsbergs – für alle Bürgerinnen und Bürger frei zugänglich. So entsteht ein markanter Ort mit hoher Identifikation und besonderer Einzigartigkeit.
Die vorhandene Steinmauer wird verlängert und bildet einen balkonartigen Terrassenbereich aus. Eine neue Freitreppe schafft eine direkte Verbindung zum renaturierten Nidderufer.
Als moderne Architektur setzt der Neubau ein spannungsvolles Gegenüber zum historischen Rathaus. Alt und Neu bilden gemeinsam ein prägnantes Gebäudepaar.

 

Das renaturierte Nidderufer

Das Hanggelände zum Herrngarten wird parkartig gestaltet und bildet einen landschaftlichen Trittstein, der sich in das Wegenetz des Ortes einfügt. Neue Verbindungen zum Nidderufer sowie zum Vulkanradweg entstehen.
Das Nidderufer wird renaturiert und über eine großzügige Sitzstufenanlage mit Steg zugänglich gemacht. Im Bereich der Sitzstufen und des Steges wird die Nidder aufgeweitet, sodass ein naturnaher Uferraum mit verbesserter Aufenthaltsqualität und erhöhter ökologischer Vielfalt entsteht. Dadurch wird die besondere landschaftliche Qualität betont und ein neuer Erholungsraum geschaffen.
Weitere Sitz- und Aufenthaltsflächen entlang des neuen Weges entlang der Nidder laden zum Verweilen ein und stärken die Aufenthaltsqualität dieses besonderen Freiraums.

 

Der Marktplatz

Der Marktplatz entwickelt sich künftig zu einem klar definierten, nutzungsoffenen Stadtraum, der vielfältige Aktivitäten aufnehmen kann. Hier finden gemeinschaftliche Feierlichkeiten, Märkte und Veranstaltungen ihren Platz.
Auf der Nordseite entsteht eine Zone mit Sitz- und Aufenthaltsflächen unter dem bestehenden, schattenspendenden Baumbestand. Der bestehende topografische Sprung wird dabei durch neu gestaltete Sitzstufen aufgegriffen und als terrassierter Aufenthaltsbereich erlebbar gemacht. Große Holzliegen setzen besondere Akzente und schaffen attraktive Orte zum Verweilen, Ausruhen und Begegnen mit hoher Aufenthaltsqualität.
Auf der Südseite werden Besucherstellplätze geschaffen, die bei Bedarf für Marktveranstaltungen freigehalten werden können oder für Besucherinnen und Besuchern des Bürgerhauses zur Verfügung stehen.

Wohnen in der Dorfmitte

Auf den derzeit noch bebauten Grundstücken entlang der Philipp-Glenz-Straße können schrittweise neue Gebäude entstehen. Diese fügen sich in Kubatur und Dachform harmonisch in das bestehende Ortsbild ein.
Geplant sind gemischt genutzte Gebäude mit Wohnnutzungen sowie gewerblichen Einheiten im Erdgeschoss. Sie bilden künftig den Zugang zur Altstadt und verleihen der Wilhelm-Leuschner-Straße ein modernes Gesicht. In den rückwärtigen Bereichen entlang der Philipp-Glenz-Straße entstehen ergänzend Hofhäuser, die vorwiegend für Wohnnutzungen vorgesehen sind und ein ruhiges, innenliegendes Wohnumfeld schaffen. Grüne Hofgärten ergänzen diese Wohnbereiche und schaffen hochwertige, geschützte Freiräume mit hoher Aufenthaltsqualität.

 

Verkehr

Auf dem Marktplatz entsteht eine neue Mobilitätsstation, die alle Funktionen der „sanften Mobilität“ bündelt. Dazu gehören Carsharing-Stellplätze, Leihfahrräder sowie Ladestationen für Elektromobilität. Gleichzeitig wird hier die Bushaltestelle „Ortenberg Mitte / Rathaus“ integriert.
Das Parkierungskonzept sieht insgesamt eine ausgewogene Verteilung der Stellplätze im Ortskern vor: 60 Stellplätze werden im Bereich des Marktplatzes angeordnet, 40 Stellplätze entstehen in der Tiefgarage des neuen Rathauses und weitere 50 Stellplätze im Bereich des Herrngartens. Dadurch werden die Parkierungsangebote dezentral organisiert und sinnvoll in die jeweiligen Nutzungsbereiche eingebunden.
Die Philipp-Glenz-Straße wird verkehrsberuhigt ausgebildet und ist künftig ausschließlich für Anwohner- und Lieferverkehr befahrbar. Dadurch wird der Durchgangsverkehr reduziert und die Aufenthaltsqualität im Quartier deutlich gestärkt.

 

Materialität

Die Materialität der neuen Ortsmitte knüpft bewusst an die historische Identität Ortenbergs an. Der zentrale Platz erhält ein hochwertiges, richtungsloses Natursteinpflaster, welches dem neuen Stadtraum eine dauerhafte, robuste und zugleich repräsentative Erscheinung verleiht. Durch die Verwendung langlebiger, wartungsarmer und ressourcenschonender Materialien wird zugleich ein nachhaltiger Beitrag zu einer zukunftsfähigen und wertbeständigen Ortsentwicklung geleistet.
Der charakteristische Belag der Altstadt wird gestalterisch aufgenommen und auf den neuen zentralen Platz weitergeführt. Dadurch entsteht eine selbstverständliche Verbindung zwischen historischem Ortskern und neuer Ortsmitte. Altstadt und neuer Platzraum wachsen zu einem zusammenhängenden Stadtraum mit hoher Wiedererkennbarkeit und besonderer Aufenthaltsqualität zusammen. An den Rändern der Grüninseln im neuen Stadtraum kommt versickerungsfähiges Pflaster mit offenen Rasenfugen zum Einsatz. Diese befestigten Flächen ermöglichen eine natürliche Versickerung des Regenwassers direkt vor Ort. Gleichzeitig schaffen die begrünten Fugen einen weichen Übergang zwischen Platzfläche und Vegetationsbereichen und unterstreichen den landschaftlichen Charakter des Stadtraums.
Der Marktplatz erhält eine robuste Asphaltdeckschicht, die eine langlebige, belastbare und pflegeleichte Oberfläche schafft. Dadurch eignet sich der Marktplatz besonders für wechselnde Nutzungen wie Wochenmärkte, Feste, mobile Bühnen, temporäre Aufbauten oder Befahrungen durch Liefer- und Einsatzfahrzeuge. Gleichzeitig entsteht eine ebene und barrierearme Fläche mit hoher Alltagstauglichkeit, die auch Raum für informelle Spiel- und Bewegungsangebote wie Fahrradfahren, Skaten oder weitere spontane Aktivitäten bietet. Der Parkplatzbereich wird mit versickerungsfähigem Pflaster ausgeführt, sodass Regenwasser direkt vor Ort in den Boden gelangen kann. Im Bereich der neuen Baumreihe entsteht zudem ein für den Marktplatz wichtiger Retentionsraum, der Niederschlagswasser temporär aufnimmt, zwischenspeichert und verzögert ableitet.
Der Herrngarten erhält einen belastbaren Schotterrasenbelag, der den funktionalen Anforderungen für Marktveranstaltungen, Feste und temporäre Nutzungen gerecht wird. Die Fläche bleibt befahrbar und widerstandsfähig, wirkt zugleich jedoch als begrünter Freiraum mit parkähnlichem Charakter. Schotterrasen verbindet Nutzbarkeit mit ökologischem Mehrwert: Die begrünte Oberfläche verbessert das Mikroklima, reduziert die Aufheizung gegenüber versiegelten Flächen und ermöglicht die natürliche Versickerung von Regenwasser. Gleichzeitig bleibt der Boden wasserdurchlässig und unterstützt die Grundwasserneubildung. Auch bei zeitweiser Überflutung erweist sich Schotterrasen als besonders robust. Überschüssiges Wasser kann aufgenommen, zwischengespeichert und verzögert abgeführt werden. Nach Rückgang des Wassers bleibt die Fläche schnell wieder nutzbar und dauerhaft funktionsfähig.

 

Regenwasser / Retention

Durch ein nachhaltiges Regenwassermanagement werden Oberflächenwasser gezielt gesammelt, zurückgehalten und zeitversetzt versickert bzw. gedrosselt in das System eingeleitet. Begrünte Flächen, offene Mulden und wasserdurchlässige Beläge tragen dabei zur Entlastung der Kanalisation bei und fördern die natürliche Wasserbilanz im Ortskern.
Gleichzeitig wird durch den hohen Anteil an entsiegelten und begrünten Flächen die Bildung von Hitzeinseln deutlich reduziert, da Verdunstung und Verschattung das lokale Mikroklima verbessern. Das Regenwasser wird in den Freiräumen zwischengespeichert, verzögert abgegeben und teilweise vor Ort versickert. Dadurch wird nicht nur die Überflutungsgefahr bei Starkregenereignissen reduziert, sondern auch eine kontrollierte und naturnahe Einbindung in den Wasserkreislauf sichergestellt.
Das Konzept entwickelt eine zukunftsfähige Ortsmitte für Ortenberg, die historische Strukturen mit neuen städtebaulichen Qualitäten verbindet. Durch die Neuordnung des Zentrums, die Aufwertung der Freiräume an der Nidder sowie die Stärkung des Marktplatzes entsteht ein vielseitig nutzbarer, identitätsstiftender Stadtraum.

Das Zusammenspiel von Wohnen, öffentlichen Nutzungen, Verkehr und Freiraum schafft eine neue Mitte mit hoher Aufenthaltsqualität, klarer Adressbildung und nachhaltiger Ausrichtung – als lebendiger Treffpunkt für die gesamte Stadtgemeinschaft.


Neubau eines Wohnhauses mit Mehrfachnutzung | Filderstadt-Bernhausen

2. Preis | Neubau eines Wohnhauses mit Mehrfachnutzung

Filderstadt-Bernhausen

In Zusammenarbeit mit ATELIER30 Architekten GmbH

 

Städtebau und Innere Organisation
Der Neubau positioniert sich als selbstbewusster städtebaulicher Baustein an der Ecke Bernhäuser Hauptstraße und Volmarstraße auf der Fläche des ehemaligen Parkplatzes. Er bildet den Auftakt und zugleich den räumlichen Abschluss der Fußgängerzone der Bernhäuser Hauptstraße und stärkt damit die städtebauliche Präsenz dieses wichtigen innerörtlichen Bereichs.
Der differenziert ausformulierte, L-förmige Baukörper reagiert sensibel auf den vorhandenen Kontext. Er nimmt sowohl die Höhenentwicklung als auch die Baufluchten der angrenzenden Bebauung auf und übersetzt den kleinteiligen, körnigen Bestand der Umgebung in eine zeitgemäße architektonische Struktur.
Der Ideenteil ergänzt das Ensemble selbstverständlich und schließt dieses mit seiner Querausrichtung zur Volmarstraße städtebaulich ab. Der markante viergeschossige Baukörper im Realisierungsteil bildet durch einen gezielten Rücksprung einen einladenden Vorplatz aus und markiert damit klar die öffentlichen Nutzungen im Erdgeschoss.
Über ein großzügig dimensioniertes Foyer werden sowohl der Veranstaltungsbereich als auch das Restaurant erschlossen. Beide Nutzungen orientieren sich bewusst zur Bernhäuser Hauptstraße und tragen damit zur Belebung des öffentlichen Raumes bei. Zusätzlich erhalten sowohl der Veranstaltungsbereich als auch das Restaurant einen eigenen Zugang vom Vorplatz. Dadurch können beide Nutzungen unabhängig voneinander betrieben werden, während gleichzeitig Synergien zwischen den Bereichen ermöglicht werden. Der Veranstaltungsbereich wird darüber hinaus durch eine Terrasse zum ruhigen gelegenen Innenhof ergänzt.
Im Foyerbereich befindet sich zudem das zentrale Treppenhaus, über das die Wohnungen in den Obergeschossen erschlossen werden. Das Treppenhaus ist sowohl von der Bernhäuser Hauptstraße als auch vom grün geprägten Innenhof aus zugänglich. Für die zukünftigen Bewohner entsteht dadurch ein direkter und unkomplizierter Zugang zum gemeinschaftlichen Freiraum. Der Innenhof fungiert als kommunikative Mitte des Quartiers und bietet Raum für Aufenthalt, Begegnung und nachbarschaftlichen Austausch.
Im Erdgeschoss befinden sich darüber hinaus sämtliche Nebenräume der Gastronomieküche sowie die zentralen WC-Anlagen. Ein Durchgang von der Volmarstraße verbindet den Innenhof auf kurzem Weg mit dem öffentlichen Straßenraum und stärkt damit die Durchlässigkeit des Quartiers.
Im längs angeordneten Bauteil sind zusätzliche Gewerbeflächen vorgesehen, die aufgrund ihrer flexiblen Struktur bei Bedarf problemlos teilbar sind. Ergänzt wird das Erdgeschoss durch einen Elektrofahrradraum, getrennte Müllräume sowie den Hausanschlussraum.
Die darüber liegenden Geschosse basieren auf einer klar strukturierten Grundrissorganisation mit einem Achsraster von etwa 3,00 m. Diese Struktur ermöglicht eine hohe Flexibilität bei der Ausbildung unterschiedlicher Wohnungstypologien. In jedem Geschoss können sowohl Zwei-, Drei- als auch Vierzimmerwohnungen realisiert werden. Rund 50 % der Wohnungen sind barrierefrei geplant, während die übrigen Wohnungen barrierearm ausgebildet werden. Alle Wohnungen verfügen zusätzlich über eine Loggia, die als geschützter privater Außenraum fungiert und die Wohnqualität deutlich erhöht.
Die Zufahrt zur Tiefgarage befindet sich im gewünschten Bereich im Nordosten des Grundstücks. In der Tiefgarage stehen insgesamt 24 Kfz-Stellplätze sowie ergänzende Kellerflächen für die Bewohner zur Verfügung. Die Staffelgeschosse reagieren im dritten Obergeschoss sensibel auf die Höhenentwicklung der Nachbarbebauung und stellen so einen harmonischen Übergang zum städtebaulichen Kontext her. Der Ideenteil reiht sich in seiner strukturellen Logik analog zum Realisierungsteil ein und gewährleistet damit eine klare architektonische Gesamtfigur.

Architektursprache, Fassadengestaltung, Konstruktion

Der Neubau formuliert einen Stadtbaustein, der das Ende der Fußgängerzone markiert und zugleich als Gelenk zur Volmarstraße fungiert. Die Erdgeschosszone ist offen und einladend, die Architektur ist durch die Materialität der Fassade, Transparenz und die Verzahnung mit dem Standort geprägt. Das Planungskonzept basiert auf den Grundsätzen des nachhaltigen Bauens.
Die Konstruktion ist in Hybridbauweise geplant. Das Untergeschoss, die Treppenhauskerne und die brandschutzrelevanten Bauteile sind als Beton-Massivkonstruktion vorgesehen. Die Gebäudeaussteifung erfolgt über die Erschließungskerne.
Das Erdgeschoss setzt sich als Gebäudesockel von der Kubatur ab und ist mit einer robusten Oberfläche aus vorgefertigten Betonelementen verkleidet. Die Fassadenelemente der Obergeschosse sind hochgedämmt und mit einer hinterlüfteten Holzschalung bekleidet. Alle Glasflächen erhalten einen außenliegenden Sonnenschutz.

Ökologisch-energetisches Konzept, Energieeffizienz, Wirtschaftlichkeit

Analog zum Gebäudekonstruktionskonzept, bei dem mit der Holzhybridbauweise die Materialien dort eingesetzt werden, wo es sinnvoll/wirtschaftlich ist und sowohl die Vorteile des Massivbaus als auch die des Holzbaus genutzt und miteinander kombiniert werden, soll auch das Haustechnikkonzept darauf ausgerichtet sein, bei minimiertem Einsatz technischer Systeme eine hohe Gesamteffizienz zu erreichen (Low-Tech vor High-Tech).

Konzeptionelle Grundsätze für Nachhaltigkeit und den wirtschaftlichen Gebäudebetrieb:

  • Hybrid-Konstruktion mit hohem Vorfertigungsgrad
  • Verwendung recyclingfähiger und natürlicher Baustoffe
  • sehr gut gedämmte Gebäudehülle
  • robuste und nachhaltige Fassadenoberflächen
  • gute und gleichmäßige Tagesbelichtung
  • optimierter sommerlicher Wärmeschutz durch Außenjalousien
  • Heizen und Kühlen (passive Kühlung) mittels Wärmepumpentechnik (keine fossilen Brennstoffe)
  • Einsatz von Photovoltaik und ggf. Solarthermie
  • Einsatz effizienter Anlagenkomponenten mit Wärmerückgewinnung
  • Begrünung der Dachflächen unter den Aspekten der Biodiversität und Unterstützung des Mikroklimas

Die Herstellung des Gebäudes mit einem hohen Vorfertigungsgrad lässt eine wirtschaftliche Errichtung des Bauwerks erwarten. Auf der Basis – Verwendung kreislauffähiger Materialien und Baustoffe, Energieeffizienz und Low-Tech – kann ein nahezu klimaneutrales Gebäude realisiert werden, welches einen vorbildlichen Beitrag zum Klimaschutz leistet.

Freiraum

Der Vorplatz bildet die räumliche Adresse des Gebäudes und markiert den Eingangsbereich der öffentlichen Nutzungen. Gleichzeitig kann er vom Restaurant für eine Außenbestuhlung genutzt werden und trägt damit aktiv zur Belebung der Bernhäuser Hauptstraße bei. Der Platz kann als räumliche Erweiterung der gegenüber liegenden Fußgängerzone verstanden werden und stärkt die Verzahnung der öffentlichen Freiräume.
Der Innenhof wird als grüner, gemeinschaftlich nutzbarer Freiraum gestaltet. Unterschiedliche grüne Inseln schaffen Aufenthaltsqualitäten und bieten vielfältige Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten für Kinder und Bewohner. Durch gezielte Pflanzungen von Bäumen sowie heimischen Sträuchern entstehen schattenspendende Bereiche, die insbesondere in den Sommermonaten zu einer hohen Aufenthaltsqualität beitragen. Ein gemeinschaftliches Grilldeck ergänzt das Freiraumangebot und ermöglicht vielfältige Nutzungen für die zukünftigen Bewohner. Der Ideenteil schließt sich gestalterisch mit derselben freiraumplanerischen Sprache an und bildet so ein zusammenhängendes Freiraumgefüge. Großzügig dimensionierte Rasenflächen bieten zusätzlich Raum für Spiel, Bewegung und informelle Begegnungen und unterstützen die Ausbildung eines lebendigen, gemeinschaftlichen Wohnumfelds.


BOMA+ | Braunschweig

2. Preis | BOMA+

Braunschweig

In Zusammenarbeit mit STAUTH Architekten Partnerschaftsgesellschaft mbB

 

Ausgangslage und Leitidee

Das Wettbewerbsgebiet bildet einen zentralen Übergangsraum zwischen Bohlweg, Schlosscarée, Schloss-Arkaden und dem historischen Magniviertel. Heute ist dieser Stadtraum von überdimensionierten Verkehrsflächen, hohen Versiegelungsgraden und mangelnden Blick- und Wegebeziehungen geprägt. Insbesondere die abschottende Architektur des Horten-/Galeria-Bestands sowie die bestehende Gestaltung der Haltestelle „Schloss“ verhindern eine selbstverständliche Verknüpfung mit dem angrenzenden Magniviertel.
Der Entwurf verfolgt daher das Ziel, diesen wichtigen Innenstadtbereich räumlich, funktional und atmosphärisch neu zu ordnen. Unter der Leitidee „Öffnen, Verbinden, Begrünen“ wird der bisher zergliederte Verkehrsraum in ein zusammenhängendes urbanes Platz- und Freiraumgefüge transformiert. Der motorisierte Individualverkehr wird deutlich reduziert und im Shared-Space-Prinzip mit je einer Fahrspur pro Richtung auf die Westseite des Bohlwegs verlagert; der Bereich am Ritterbrunnen wird vom Durchgangsverkehr befreit. Neue Wegeverbindungen, niveaugleich durchgepflasterte Straßenräume und helle, akzentuierende Pflasterbänder in Ost-West-Richtung stärken die visuelle und funktionale Verbindung zwischen Innenstadt, Schlossplatz und Magniviertel. Pocket-Parks im Norden und Süden, begrünte Aufenthaltsbereiche sowie Außengastronomie im Grünen erhöhen die Aufenthaltsqualität und machen das Magniviertel wieder sichtbar und erlebbar.
Mit der Wiederherstellung des historischen Ackerhofportals und der Schaffung einer attraktiven fußläufigen Verbindung zwischen Magniviertel und Schloss-Arkaden wird die historische Wegebeziehung gestärkt und der Stadtraum neu verknüpft. Der Wiederaufbau soll dabei durch den Verkauf der Horten-Kacheln an die Bürger finanziert und als gemeinschaftlich getragenes Projekt in der Stadtgesellschaft verankert werden.

Städtebau und Hochbau

Der Entwurf sieht drei eigenständige, maßstäblich differenzierte Baukörper vor, die historische Wegebeziehungen aufnehmen und eine neue Mitte zwischen Innenstadt und Magniviertel schaffen. Die Baukörper staffeln sich innerhalb des städtischen Kontextes in ihrer Höhe von bis zu sieben Geschossen an der Nordwestecke zum Schlossplatz hin über das Magniviertel auf fünf Geschosse ab und fassen zwei kleine neue Stadtplätze, die als vermittelnde Übergangsräume in das Quartier wirken.
Die Erdgeschosszonen werden mit zwei großen publikumsorientierten sowie weiteren kleinteiligen Nutzungen belebt. Vorgesehen sind Einzelhandel, kleine Gastronomieangebote, soziale und kulturelle Einrichtungen, Dienstleistungen sowie quartiersbezogene Angebote, die einen lebendigen und maßstäblichen Übergang zur kleinteiligen Struktur des Magniviertels herstellen. Als frequenzstarke Anziehungspunkte fungieren im Norden der „LöwenDome“ als Trendsportcenter über Erdgeschoss und erstes Obergeschoss – gekoppelt an die Idee, Dennis Schröder als Leitfigur einzubinden – sowie im südwestlichen Baukörper der Eingang zu einem IKEA City mit ergänzender Markthallennutzung im ersten Untergeschoss.
In den Obergeschossen entsteht eine differenzierte Nutzungsmischung aus Büro, Hotel, Wohnen, Mikro- bzw. Business-Apartments und betreutem Wohnen. Lärmintensivere Fassadenlagen am Damm und an der Georg-Eckert-Straße werden überwiegend gewerblich genutzt, während an den ruhigeren Gebäudeseiten Wohnnutzungen angeordnet sind. Der kleinste Baukörper vermittelt zum Magniviertel und nimmt familiengerechte Wohnungen auf. Ein Restaurant im sechsten Obergeschoss mit intensiv begrüntem Dachgarten und Stadtbalkon bildet einen besonderen städtischen Anziehungspunkt mit Ausblick über Schlossplatz und Innenstadt.

Erschließung und Mobilität

Bewährte Teile der Bestandserschließung werden erhalten und in das neue Quartier integriert. Dazu zählen insbesondere die Anbindung an die Magni-Tiefgarage im Untergeschoss sowie der bestehende Fußgängertunnel vom Damm, der gestalterisch modernisiert und funktional aufgewertet wird. Die IKEA-Markthallennutzung im ersten Untergeschoss wird sowohl über das Erdgeschoss als auch über den ehemaligen Horten-Tunnel erschlossen und so optimal mit Innenstadt, ÖPNV und bestehender Tiefgaragenstruktur verknüpft.
Im zweiten Untergeschoss werden rund 140 PKW-Stellplätze für Bewohner, Hotel, Büro und Gewerbe untergebracht. Ergänzend entsteht im Norden ein zentraler Fahrradraum mit rund 230 Stellplätzen in Doppelparksystemen, erschlossen über einen Aufzug an der Georg-Eckert-Straße und komfortabel aus allen Gebäuden über das zweite Untergeschoss erreichbar. Weitere rund 150 öffentliche Fahrradstellplätze werden im Außenraum angeboten. Eine neue, von außen zugängliche Aufzugs- und Treppenanlage ermöglicht zudem eine barrierefreie Nutzung der Magni-Tiefgarage rund um die Uhr.

Haltestelle und öffentlicher Raum

Die Straßenbahnhaltestelle „Schloss“ wird transparent und filigran neugestaltet. Eine gezielte Unterbrechung der Überdachung in der Sichtachse zwischen Damm und Magniviertel stärkt die visuelle Durchlässigkeit und betont die neue Wegeverbindung. Durch den Rückbau der östlichen Fahrspuren wird der östliche Haltestellenbereich künftig direkt und sicher an das Quartier angebunden, ohne zusätzliche Querung von Fahrbahnen.

Bauabschnitte – Städtebau und Freiraum

Die Realisierung des neuen Quartiers erfolgt in drei aufeinander abgestimmten Bauphasen, die Schritt für Schritt Stadtstruktur und Freiraum neu ordnen und erlebbar machen. So wächst das Projekt in klar lesbaren Etappen zu einem neuen urbanen Mittelpunkt heran und kann rechtzeitig zum 1.000-jährigen Stadtjubiläum von Braunschweig im Jahr 2031 vollendet werden.

Im ersten Bauabschnitt bis 2028 wird die neue städtebauliche Raumkante zum Schlossplatz durch die Errichtung des nördlichen Baukörpers ausgebildet. Parallel entsteht der eingeschossige Innenhof des südwestlichen Baukörpers. Durch die Wiederverwendung der prägenden Horten-Kacheln erhält das Interimsbauwerk eine identitätsstiftende temporäre Gestaltung und ermöglicht bereits frühzeitig eine attraktive Erschließung der Nutzungen im ersten Untergeschoss. Zur visuellen Wiederaufnahme historischer Wegebeziehungen werden die Grundflächen der späteren Baukörper als begrünte Streuwiesen angelegt und machen die zukünftige Quartiersstruktur bereits im Stadtraum ablesbar. Zeitgleich erfolgt der Umbau der Haltestelle „Schloss“. Die Verkehrsflächen werden niveaugleich durchgepflastert, wodurch ein zusammenhängender Stadtraum entsteht. Während der Übergangszeit bleibt der Verkehr auf der Ostseite der Haltestelle – bei reduzierter Fahrspur – weiterhin in Nordrichtung möglich, jedoch bereits verkehrsberuhigt.

Im zweiten Bauabschnitt bis 2030 werden die wesentlichen städtebaulichen und freiraumplanerischen Qualitäten umgesetzt. Die Straße am Ritterbrunnen wird zugunsten eines schattigen, begrünten Fußgängerbereichs zurückgebaut. Nebelfelder erhöhen die Aufenthaltsqualität in den Sommermonaten. Im Norden entsteht ein autofreier Stadtpark mit hoher Aufenthaltsqualität, während im Süden ein begrünter Pocket-Park das Freiraumangebot ergänzt. Entlang des Bohlwegs bildet eine grüne Pufferzone einen angenehmen Übergang zwischen Außengastronomie und Verkehrsraum.

Im dritten Bauabschnitt bis 2031 wird die Gesamtmaßnahme fertiggestellt. Der dritte Baukörper ergänzt das Quartier und vollendet die räumliche Fassung der neuen Stadtplätze. Gleichzeitig werden Teile der Georg-Eckert-Straße zu Radwegen umgebaut und begrünt, während der motorisierte Individualverkehr weiter reduziert wird.

Zukunftsvision ab 2035+

Mit Blick auf das Jahr 2035 wird die Transformation des Bohlwegs zu einem weitgehend autofreien Stadtraum angestrebt. Der Straßenraum wandelt sich von einer verkehrsdominierten Infrastruktur zu einem urbanen Aufenthalts- und Bewegungsraum mit klarer Priorisierung nachhaltiger Mobilitätsformen. Künftig ist die Nutzung im Wesentlichen dem öffentlichen Personennahverkehr sowie dem Radverkehr vorbehalten.

Dachgarten und Stadtbalkon

Angrenzend an das Restaurant entsteht eine intensiv begrünte Dachlandschaft als hochwertiger urbaner Freiraum. Sitzbereiche, Außenbar, Bäume und Aussichtspunkte schaffen vielfältige Aufenthaltsqualitäten mit Blick über die Stadt. Ergänzt wird dieses Angebot durch einen Stadtbalkon, der einen besonderen Ort für Aufenthalt und Beobachtung des städtischen Geschehens bildet.

Belichtung, Flexibilität und Nutzung

Trotz vergleichbarer Bruttogrundfläche zur Bestandsimmobilie verdreifacht der Neubau die belichtete Fassadenfläche. Dadurch entstehen helle, flexible Raumstrukturen mit hoher Aufenthalts- und Arbeitsqualität. Die Nutzungsmischung des Quartiers ist bewusst heterogen angelegt, um langfristig auf unterschiedliche Anforderungen reagieren zu können. Große Publikumsmagneten wie der „LöwenDome“ und IKEA City werden durch kleinteilige Angebote ergänzt, die einen lebendigen Übergang zum Magniviertel schaffen. Wohnangebote für unterschiedliche Nutzergruppen – darunter Familien, Senioren und mobile Berufsgruppen – runden das Konzept ab und interpretieren das urbane Wohnen im Sinne eines lebendigen, durchmischten Quartiers des 21. Jahrhunderts neu.


Neugestaltung Freiflächen am Informationszentrum Mathildenhöhe | Darmstadt

Anerkennung | Neugestaltung Freiflächen am Informationszentrum Mathildenhöhe

Darmstadt

 

Die Blaue Mathilde – Natur als Galerie

Das neue Informationszentrum der Mathildenhöhe erhebt sich als Solitär im Park, eingebettet in die historische und kulturträchtige Umgebung und bildet zugleich einen zentralen Bezugspunkt innerhalb der Grünachse zwischen der Altstadt, der Erich-Ollenhauer-Promenade und dem Grünzug Rosenhöhe. Der Entwurf hat den zentralen Gedanken, einen maximalbegrünten Ort zu schaffen, er Schatten und Verdunstungskühle für die Besucher spendet, sich im Laufe der Jahreszeiten verändert und ausreichend Fläche für Versickerung und Verdunstung bietet. Aufenthaltsflächen für kleine und große Gruppen entstehen sowohl auf als auch entlang der Grünflächen. Ein langes geschwungenes Wegeband, legt sich behutsam auf die großen Grünflächen und verbindet so die einzelnen Bereiche miteinander. Der Freiraum reagiert dabei sensibel auf die historischen, ökologischen und künstlerischen Anforderungen an den Ort und verbindet diese zu einem fließenden, harmonischen Erlebnisraum, der Besucher:innen auf unterschiedlichen Ebenen anspricht.

Die Wegeführung folgt einem organischen, geschwungenen Gesamtkonzept, das die Bewegung durch das Gelände natürlich und intuitiv leitet. Vom nördlichen Bereich über den Vorplatz des Informationszentrums, durch den bewaldeten Osthang bis hin zum Fiedlerweg entstehen direkte Anschlüsse, während zugleich eine harmonische Gesamtbewegung durch den Park entwickelt wird. Hauptwege führen zu den zentralen Nutzungen, Nebenwege eröffnen Rückzugsräume und kleinere Aufenthaltsorte und ermöglichen eine differenzierte Raumerfahrung. Die Wege im Osthang sind bewusst als barrierearme, feste „Waldwege“ ausgebildet und sensibel in die naturnahe Umgebung eingebettet. Zwischen ihnen bleiben großzügige, naturnahe Flächen – teilweise aus Rindenmulch – für temporäre Nutzungen, künstlerische Aktivitäten oder Veranstaltungen erhalten.
Das gestalterische Leitmotiv des Freiraums greift die künstlerische Tradition der Mathildenhöhe auf. Inspiriert von den Wandmosaiken der Anlage sowie von den Arbeiten der Künstlerin Nevin Aladag entsteht ein organisch-abstraktes Kompositionsprinzip, das Wege, Aufenthaltsflächen, Möblierung und Pflanzung miteinander verbindet. Die Freiflächen folgen einem malerischen, fließenden Muster, das Besucher:innen sinnlich durch den Raum führt. Die Möblierung aus leuchtend, blauem Corian setzt bewusste Kontraste, nimmt das tiefe Blau der Wandkunst innerhalb der Gebäude auf und erzeugt eine visuelle Spannung zwischen minimalistischen, geraden Elementen und der organischen, natürlichen Formsprache der Landschaft. Sitzblöcke, Loungemöbel und Bänke werden als gestalterische Skulpturen verstanden, die Funktionalität, Ästhetik und Aufenthaltsqualität vereinen.

Der Vorbereich des Informationszentrums fungiert als multifunktionaler Empfangsraum mit barrierefreien Zugängen vom Olbrichweg, sicheren Haltemöglichkeiten für Busse sowie Aufenthalts- und Begegnungsflächen für bis zu 100 Personen. Der Ateliergarten, als historisch bedeutender Teil der UNESCO-Welterbestätte, ist über eine Treppe im nördlichen Bereich sowie über eine barrierearme Zuwegung im Nordwesten direkt erschlossen. Auf diese Weise wird der Garten wieder erlebbar, seine historischen Strukturen bleiben ablesbar und die künstlerische Substanz des Ortes wird bewahrt. Zugänge zum Osthang sind sowohl nördlich als auch südlich des Informationszentrums sowie über den Olbrichweg und den Fiedlerweg vorgesehen und gewährleisten eine vielfältige Durchwegung sowie flexible Nutzungsmöglichkeiten.

Die Materialität der Freiflächen ist differenziert und fein aufeinander abgestimmt. Der Großteil der Wege besteht aus wasserdurchlässigen Materialien; lediglich der Hauptweg wird aus Gründen der Befahrbarkeit aus hellem Asphalt hergestellt. Die übrigen Wege im Vorbereich erhalten wassergebundene Oberflächen in einer Farbigkeit, die sowohl mit den Asphaltflächen als auch mit den bestehenden Wegen der Mathildenhöhe harmoniert. Der Vorbereich des Informationszentrums sowie der Bereich vor dem Ateliergarten sind mit einem Kleinsteinpflaster aus Naturstein gestaltet, das einen ruhigen Kontrast zur blauen Möblierung bildet. Der Ankunftsbereich für Reisebusse ist als kiesgebundene Fläche ausgebildet und fügt sich farblich in das Gesamtkonzept ein.

Besondere Gestaltungselemente bereichern die Aufenthaltsqualität und schaffen Raumerlebnisse für alle Sinne. Vor dem Ateliergarten erinnert ein Wasserelement an das historische Wasserbecken; ergänzend erzeugen Wasseraustritte aus der Mauer ein sanftes Plätschern, das Ruhe und Verweilen fördert. Im Osthang bietet ein zentral angeordnetes Holzdeck Raum für multifunktionale Nutzungen, während der Großteil der Fläche für temporäre künstlerische Aneignung und Veranstaltungen offenbleibt. Trampelpfade sowie punktuell positionierte Sitzblöcke führen durch das dichte Grün, stärken die Verbindung zur Natur und eröffnen wechselnde Perspektiven in die Waldfläche.

Die Freianlagen differenzieren sich bewusst funktional und atmosphärisch: Der westliche Vorbereich ist repräsentativ, beschattet und vielseitig nutzbar, während der Osthang naturnah, kleinklimatisch wirksam und als Rückzugs- und Erlebnisraum erhalten bleibt. Die Beleuchtung ist im Vorbereich zurückhaltend und warm geplant. Der Osthang bleibt bewusst unbeleuchtet, um seinen natürlichen Charakter zu bewahren und die Tiere im Dunklen zu schützen. Lediglich temporäre Beleuchtungen bei Veranstaltungen sind gewünscht.

Die Sichtachsen und Blickbeziehungen der Mathildenhöhe bleiben vollständig erhalten, sodass der außergewöhnliche universelle Wert der UNESCO-Welterbestätte respektiert wird. Bauliche Elemente des Ateliergartens werden denkmalgerecht instandgesetzt, Pergolen und Mauern restauriert und nicht eindeutig belegte Elemente im Sinne einer kritischen Rekonstruktion ergänzt. Barrierearme Zugänge gewährleisten ein harmonisches Zusammenspiel historischer und zeitgenössischer Nutzungen.

Die Stellplätze sind bewusst zurückhaltend und gestalterisch unauffällig integriert. Entlang des Olbrichwegs befinden sich drei barrierefreie PKW-Stellplätze in angemessener Entfernung zum Eingang sowie 30 zentral gelegene Fahrradstellplätze und ein Mobilitätsstandort, die als Teil der geschwungenen Freiraumgestaltung wahrgenommen werden. Auf diese Weise wird nachhaltige Mobilität gefördert, ohne den historischen oder landschaftlichen Charakter zu beeinträchtigen.
Entlang des Olbrichwegs wird im Ideenteil eine grüne Leitidee entwickelt, die den historischen Straßenraum als integralen Bestandteil des Freiraums der UNESCO-Welterbestätte versteht. Straßenverlauf und Profil bleiben ablesbar, historische Materialien werden aufgenommen und in einen niveaugleichen, verkehrsberuhigten Raum überführt. Der Bereich zwischen Fiedlerweg und Lucasweg verknüpft Wege- und Grünstrukturen und stärkt die Verbindung zwischen dem westlichen Teil der Mathildenhöhe und dem Wettbewerbsgebiet. Orientierung entsteht nicht über Beschilderung, sondern über räumliche Klarheit, Blickbeziehungen und grüne Leitelemente. Ergänzend entsteht im nördlichen Bereich auf der vormals komplett versiegelten Fläche, ein grüner Freiraum mit hoher Aufenthaltsqualität, der die durchgehende Grünachse zwischen Altstadt und Rosenhöhe stärkt. Die starke Reduzierung der befestigten Flächen verbessert das Mikroklima erheblich.

Durch die Verzahnung von Architektur, Kunst und Landschaft, die Berücksichtigung des Baumbestands, die Vernetzung bestehender Biotopstrukturen und die fein abgestimmte Materialität entsteht ein Freiraum, der historische Tiefe und künstlerische Qualität in Einklang bringt. Die Mathildenhöhe wird als malerisches Gesamtkonstrukt erfahrbar, in dem Vegetation, Licht, Wasser, Material und Farbe eine atmosphärische Verbindung von Natur und Kunst eingehen.