Kernbereich Ortenberg | Ortenberg (Hessen)
2. Preis | Neue Stadträume für Ortenberg
Ortenberg (Hessen)
In Zusammenarbeit mit Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner
Die neue Ortsmitte
Die Wilhelm-Leuschner-Straße bildet seit jeher die Lebensader Ortenbergs. Diese zentrale Achse wird künftig weiter gestärkt und durch eine neue Gestaltung aufgewertet. Im Herzen des Ortes erhält Ortenberg entlang der Wilhelm-Leuschner-Straße ein neues Gesicht.
Ein neuer zentraler Platzraum entsteht als übersichtliche Drehscheibe, die wichtige Nutzungen und Stadtbereiche miteinander verbindet und zugleich eine neue Visitenkarte für den Ort darstellt. Dieser Platz bildet den Auftakt sowie das Eingangstor zur historischen Altstadt. Gleichzeitig werden der Marktplatz mit dem Bürgerhaus sowie das neue Rathaus städtebaulich und freiraumplanerisch integriert.
So entsteht an zentraler Stelle eine großzügige, nutzungsoffene Ortsmitte, die als identitätsstiftender Platzraum einen repräsentativen und kommunikativen Stadtraum schafft. Die Neubauten ergänzen das bestehende Gebäudeensemble und beleben den Platz durch ihre vielfältigen Nutzungen.
Das neue Rathaus und Rathausterrassen
Die neue Stadtverwaltung aus Alt- und Neubau bildet den zentralen Baustein des Gesamtkonzepts. Sämtliche Rathausfunktionen werden in einem gemeinsamen Komplex gebündelt. Die öffentlichen Freiräume zur Wilhelm-Leuschner-Straße sowie zum Herrngartengelände schaffen eine wichtige Verbindung zur Nidder.
Durch die Heranführung des Platzes an die Hangkante entsteht eine attraktive Aussichtssituation: Wie ein großes Landschaftsfenster öffnet sich der Blick auf die Nidder und die Hügel des Vogelsbergs – für alle Bürgerinnen und Bürger frei zugänglich. So entsteht ein markanter Ort mit hoher Identifikation und besonderer Einzigartigkeit.
Die vorhandene Steinmauer wird verlängert und bildet einen balkonartigen Terrassenbereich aus. Eine neue Freitreppe schafft eine direkte Verbindung zum renaturierten Nidderufer.
Als moderne Architektur setzt der Neubau ein spannungsvolles Gegenüber zum historischen Rathaus. Alt und Neu bilden gemeinsam ein prägnantes Gebäudepaar.
Das renaturierte Nidderufer
Das Hanggelände zum Herrngarten wird parkartig gestaltet und bildet einen landschaftlichen Trittstein, der sich in das Wegenetz des Ortes einfügt. Neue Verbindungen zum Nidderufer sowie zum Vulkanradweg entstehen.
Das Nidderufer wird renaturiert und über eine großzügige Sitzstufenanlage mit Steg zugänglich gemacht. Im Bereich der Sitzstufen und des Steges wird die Nidder aufgeweitet, sodass ein naturnaher Uferraum mit verbesserter Aufenthaltsqualität und erhöhter ökologischer Vielfalt entsteht. Dadurch wird die besondere landschaftliche Qualität betont und ein neuer Erholungsraum geschaffen.
Weitere Sitz- und Aufenthaltsflächen entlang des neuen Weges entlang der Nidder laden zum Verweilen ein und stärken die Aufenthaltsqualität dieses besonderen Freiraums.
Der Marktplatz
Der Marktplatz entwickelt sich künftig zu einem klar definierten, nutzungsoffenen Stadtraum, der vielfältige Aktivitäten aufnehmen kann. Hier finden gemeinschaftliche Feierlichkeiten, Märkte und Veranstaltungen ihren Platz.
Auf der Nordseite entsteht eine Zone mit Sitz- und Aufenthaltsflächen unter dem bestehenden, schattenspendenden Baumbestand. Der bestehende topografische Sprung wird dabei durch neu gestaltete Sitzstufen aufgegriffen und als terrassierter Aufenthaltsbereich erlebbar gemacht. Große Holzliegen setzen besondere Akzente und schaffen attraktive Orte zum Verweilen, Ausruhen und Begegnen mit hoher Aufenthaltsqualität.
Auf der Südseite werden Besucherstellplätze geschaffen, die bei Bedarf für Marktveranstaltungen freigehalten werden können oder für Besucherinnen und Besuchern des Bürgerhauses zur Verfügung stehen.
Wohnen in der Dorfmitte
Auf den derzeit noch bebauten Grundstücken entlang der Philipp-Glenz-Straße können schrittweise neue Gebäude entstehen. Diese fügen sich in Kubatur und Dachform harmonisch in das bestehende Ortsbild ein.
Geplant sind gemischt genutzte Gebäude mit Wohnnutzungen sowie gewerblichen Einheiten im Erdgeschoss. Sie bilden künftig den Zugang zur Altstadt und verleihen der Wilhelm-Leuschner-Straße ein modernes Gesicht. In den rückwärtigen Bereichen entlang der Philipp-Glenz-Straße entstehen ergänzend Hofhäuser, die vorwiegend für Wohnnutzungen vorgesehen sind und ein ruhiges, innenliegendes Wohnumfeld schaffen. Grüne Hofgärten ergänzen diese Wohnbereiche und schaffen hochwertige, geschützte Freiräume mit hoher Aufenthaltsqualität.
Verkehr
Auf dem Marktplatz entsteht eine neue Mobilitätsstation, die alle Funktionen der „sanften Mobilität“ bündelt. Dazu gehören Carsharing-Stellplätze, Leihfahrräder sowie Ladestationen für Elektromobilität. Gleichzeitig wird hier die Bushaltestelle „Ortenberg Mitte / Rathaus“ integriert.
Das Parkierungskonzept sieht insgesamt eine ausgewogene Verteilung der Stellplätze im Ortskern vor: 60 Stellplätze werden im Bereich des Marktplatzes angeordnet, 40 Stellplätze entstehen in der Tiefgarage des neuen Rathauses und weitere 50 Stellplätze im Bereich des Herrngartens. Dadurch werden die Parkierungsangebote dezentral organisiert und sinnvoll in die jeweiligen Nutzungsbereiche eingebunden.
Die Philipp-Glenz-Straße wird verkehrsberuhigt ausgebildet und ist künftig ausschließlich für Anwohner- und Lieferverkehr befahrbar. Dadurch wird der Durchgangsverkehr reduziert und die Aufenthaltsqualität im Quartier deutlich gestärkt.
Materialität
Die Materialität der neuen Ortsmitte knüpft bewusst an die historische Identität Ortenbergs an. Der zentrale Platz erhält ein hochwertiges, richtungsloses Natursteinpflaster, welches dem neuen Stadtraum eine dauerhafte, robuste und zugleich repräsentative Erscheinung verleiht. Durch die Verwendung langlebiger, wartungsarmer und ressourcenschonender Materialien wird zugleich ein nachhaltiger Beitrag zu einer zukunftsfähigen und wertbeständigen Ortsentwicklung geleistet.
Der charakteristische Belag der Altstadt wird gestalterisch aufgenommen und auf den neuen zentralen Platz weitergeführt. Dadurch entsteht eine selbstverständliche Verbindung zwischen historischem Ortskern und neuer Ortsmitte. Altstadt und neuer Platzraum wachsen zu einem zusammenhängenden Stadtraum mit hoher Wiedererkennbarkeit und besonderer Aufenthaltsqualität zusammen. An den Rändern der Grüninseln im neuen Stadtraum kommt versickerungsfähiges Pflaster mit offenen Rasenfugen zum Einsatz. Diese befestigten Flächen ermöglichen eine natürliche Versickerung des Regenwassers direkt vor Ort. Gleichzeitig schaffen die begrünten Fugen einen weichen Übergang zwischen Platzfläche und Vegetationsbereichen und unterstreichen den landschaftlichen Charakter des Stadtraums.
Der Marktplatz erhält eine robuste Asphaltdeckschicht, die eine langlebige, belastbare und pflegeleichte Oberfläche schafft. Dadurch eignet sich der Marktplatz besonders für wechselnde Nutzungen wie Wochenmärkte, Feste, mobile Bühnen, temporäre Aufbauten oder Befahrungen durch Liefer- und Einsatzfahrzeuge. Gleichzeitig entsteht eine ebene und barrierearme Fläche mit hoher Alltagstauglichkeit, die auch Raum für informelle Spiel- und Bewegungsangebote wie Fahrradfahren, Skaten oder weitere spontane Aktivitäten bietet. Der Parkplatzbereich wird mit versickerungsfähigem Pflaster ausgeführt, sodass Regenwasser direkt vor Ort in den Boden gelangen kann. Im Bereich der neuen Baumreihe entsteht zudem ein für den Marktplatz wichtiger Retentionsraum, der Niederschlagswasser temporär aufnimmt, zwischenspeichert und verzögert ableitet.
Der Herrngarten erhält einen belastbaren Schotterrasenbelag, der den funktionalen Anforderungen für Marktveranstaltungen, Feste und temporäre Nutzungen gerecht wird. Die Fläche bleibt befahrbar und widerstandsfähig, wirkt zugleich jedoch als begrünter Freiraum mit parkähnlichem Charakter. Schotterrasen verbindet Nutzbarkeit mit ökologischem Mehrwert: Die begrünte Oberfläche verbessert das Mikroklima, reduziert die Aufheizung gegenüber versiegelten Flächen und ermöglicht die natürliche Versickerung von Regenwasser. Gleichzeitig bleibt der Boden wasserdurchlässig und unterstützt die Grundwasserneubildung. Auch bei zeitweiser Überflutung erweist sich Schotterrasen als besonders robust. Überschüssiges Wasser kann aufgenommen, zwischengespeichert und verzögert abgeführt werden. Nach Rückgang des Wassers bleibt die Fläche schnell wieder nutzbar und dauerhaft funktionsfähig.
Regenwasser / Retention
Durch ein nachhaltiges Regenwassermanagement werden Oberflächenwasser gezielt gesammelt, zurückgehalten und zeitversetzt versickert bzw. gedrosselt in das System eingeleitet. Begrünte Flächen, offene Mulden und wasserdurchlässige Beläge tragen dabei zur Entlastung der Kanalisation bei und fördern die natürliche Wasserbilanz im Ortskern.
Gleichzeitig wird durch den hohen Anteil an entsiegelten und begrünten Flächen die Bildung von Hitzeinseln deutlich reduziert, da Verdunstung und Verschattung das lokale Mikroklima verbessern. Das Regenwasser wird in den Freiräumen zwischengespeichert, verzögert abgegeben und teilweise vor Ort versickert. Dadurch wird nicht nur die Überflutungsgefahr bei Starkregenereignissen reduziert, sondern auch eine kontrollierte und naturnahe Einbindung in den Wasserkreislauf sichergestellt.
Das Konzept entwickelt eine zukunftsfähige Ortsmitte für Ortenberg, die historische Strukturen mit neuen städtebaulichen Qualitäten verbindet. Durch die Neuordnung des Zentrums, die Aufwertung der Freiräume an der Nidder sowie die Stärkung des Marktplatzes entsteht ein vielseitig nutzbarer, identitätsstiftender Stadtraum.
Das Zusammenspiel von Wohnen, öffentlichen Nutzungen, Verkehr und Freiraum schafft eine neue Mitte mit hoher Aufenthaltsqualität, klarer Adressbildung und nachhaltiger Ausrichtung – als lebendiger Treffpunkt für die gesamte Stadtgemeinschaft.
Neubau eines Wohnhauses mit Mehrfachnutzung | Filderstadt-Bernhausen
2. Preis | Neubau eines Wohnhauses mit Mehrfachnutzung
Filderstadt-Bernhausen
In Zusammenarbeit mit ATELIER30 Architekten GmbH
Städtebau und Innere Organisation
Der Neubau positioniert sich als selbstbewusster städtebaulicher Baustein an der Ecke Bernhäuser Hauptstraße und Volmarstraße auf der Fläche des ehemaligen Parkplatzes. Er bildet den Auftakt und zugleich den räumlichen Abschluss der Fußgängerzone der Bernhäuser Hauptstraße und stärkt damit die städtebauliche Präsenz dieses wichtigen innerörtlichen Bereichs.
Der differenziert ausformulierte, L-förmige Baukörper reagiert sensibel auf den vorhandenen Kontext. Er nimmt sowohl die Höhenentwicklung als auch die Baufluchten der angrenzenden Bebauung auf und übersetzt den kleinteiligen, körnigen Bestand der Umgebung in eine zeitgemäße architektonische Struktur.
Der Ideenteil ergänzt das Ensemble selbstverständlich und schließt dieses mit seiner Querausrichtung zur Volmarstraße städtebaulich ab. Der markante viergeschossige Baukörper im Realisierungsteil bildet durch einen gezielten Rücksprung einen einladenden Vorplatz aus und markiert damit klar die öffentlichen Nutzungen im Erdgeschoss.
Über ein großzügig dimensioniertes Foyer werden sowohl der Veranstaltungsbereich als auch das Restaurant erschlossen. Beide Nutzungen orientieren sich bewusst zur Bernhäuser Hauptstraße und tragen damit zur Belebung des öffentlichen Raumes bei. Zusätzlich erhalten sowohl der Veranstaltungsbereich als auch das Restaurant einen eigenen Zugang vom Vorplatz. Dadurch können beide Nutzungen unabhängig voneinander betrieben werden, während gleichzeitig Synergien zwischen den Bereichen ermöglicht werden. Der Veranstaltungsbereich wird darüber hinaus durch eine Terrasse zum ruhigen gelegenen Innenhof ergänzt.
Im Foyerbereich befindet sich zudem das zentrale Treppenhaus, über das die Wohnungen in den Obergeschossen erschlossen werden. Das Treppenhaus ist sowohl von der Bernhäuser Hauptstraße als auch vom grün geprägten Innenhof aus zugänglich. Für die zukünftigen Bewohner entsteht dadurch ein direkter und unkomplizierter Zugang zum gemeinschaftlichen Freiraum. Der Innenhof fungiert als kommunikative Mitte des Quartiers und bietet Raum für Aufenthalt, Begegnung und nachbarschaftlichen Austausch.
Im Erdgeschoss befinden sich darüber hinaus sämtliche Nebenräume der Gastronomieküche sowie die zentralen WC-Anlagen. Ein Durchgang von der Volmarstraße verbindet den Innenhof auf kurzem Weg mit dem öffentlichen Straßenraum und stärkt damit die Durchlässigkeit des Quartiers.
Im längs angeordneten Bauteil sind zusätzliche Gewerbeflächen vorgesehen, die aufgrund ihrer flexiblen Struktur bei Bedarf problemlos teilbar sind. Ergänzt wird das Erdgeschoss durch einen Elektrofahrradraum, getrennte Müllräume sowie den Hausanschlussraum.
Die darüber liegenden Geschosse basieren auf einer klar strukturierten Grundrissorganisation mit einem Achsraster von etwa 3,00 m. Diese Struktur ermöglicht eine hohe Flexibilität bei der Ausbildung unterschiedlicher Wohnungstypologien. In jedem Geschoss können sowohl Zwei-, Drei- als auch Vierzimmerwohnungen realisiert werden. Rund 50 % der Wohnungen sind barrierefrei geplant, während die übrigen Wohnungen barrierearm ausgebildet werden. Alle Wohnungen verfügen zusätzlich über eine Loggia, die als geschützter privater Außenraum fungiert und die Wohnqualität deutlich erhöht.
Die Zufahrt zur Tiefgarage befindet sich im gewünschten Bereich im Nordosten des Grundstücks. In der Tiefgarage stehen insgesamt 24 Kfz-Stellplätze sowie ergänzende Kellerflächen für die Bewohner zur Verfügung. Die Staffelgeschosse reagieren im dritten Obergeschoss sensibel auf die Höhenentwicklung der Nachbarbebauung und stellen so einen harmonischen Übergang zum städtebaulichen Kontext her. Der Ideenteil reiht sich in seiner strukturellen Logik analog zum Realisierungsteil ein und gewährleistet damit eine klare architektonische Gesamtfigur.
Architektursprache, Fassadengestaltung, Konstruktion
Der Neubau formuliert einen Stadtbaustein, der das Ende der Fußgängerzone markiert und zugleich als Gelenk zur Volmarstraße fungiert. Die Erdgeschosszone ist offen und einladend, die Architektur ist durch die Materialität der Fassade, Transparenz und die Verzahnung mit dem Standort geprägt. Das Planungskonzept basiert auf den Grundsätzen des nachhaltigen Bauens.
Die Konstruktion ist in Hybridbauweise geplant. Das Untergeschoss, die Treppenhauskerne und die brandschutzrelevanten Bauteile sind als Beton-Massivkonstruktion vorgesehen. Die Gebäudeaussteifung erfolgt über die Erschließungskerne.
Das Erdgeschoss setzt sich als Gebäudesockel von der Kubatur ab und ist mit einer robusten Oberfläche aus vorgefertigten Betonelementen verkleidet. Die Fassadenelemente der Obergeschosse sind hochgedämmt und mit einer hinterlüfteten Holzschalung bekleidet. Alle Glasflächen erhalten einen außenliegenden Sonnenschutz.
Ökologisch-energetisches Konzept, Energieeffizienz, Wirtschaftlichkeit
Analog zum Gebäudekonstruktionskonzept, bei dem mit der Holzhybridbauweise die Materialien dort eingesetzt werden, wo es sinnvoll/wirtschaftlich ist und sowohl die Vorteile des Massivbaus als auch die des Holzbaus genutzt und miteinander kombiniert werden, soll auch das Haustechnikkonzept darauf ausgerichtet sein, bei minimiertem Einsatz technischer Systeme eine hohe Gesamteffizienz zu erreichen (Low-Tech vor High-Tech).
Konzeptionelle Grundsätze für Nachhaltigkeit und den wirtschaftlichen Gebäudebetrieb:
- Hybrid-Konstruktion mit hohem Vorfertigungsgrad
- Verwendung recyclingfähiger und natürlicher Baustoffe
- sehr gut gedämmte Gebäudehülle
- robuste und nachhaltige Fassadenoberflächen
- gute und gleichmäßige Tagesbelichtung
- optimierter sommerlicher Wärmeschutz durch Außenjalousien
- Heizen und Kühlen (passive Kühlung) mittels Wärmepumpentechnik (keine fossilen Brennstoffe)
- Einsatz von Photovoltaik und ggf. Solarthermie
- Einsatz effizienter Anlagenkomponenten mit Wärmerückgewinnung
- Begrünung der Dachflächen unter den Aspekten der Biodiversität und Unterstützung des Mikroklimas
Die Herstellung des Gebäudes mit einem hohen Vorfertigungsgrad lässt eine wirtschaftliche Errichtung des Bauwerks erwarten. Auf der Basis – Verwendung kreislauffähiger Materialien und Baustoffe, Energieeffizienz und Low-Tech – kann ein nahezu klimaneutrales Gebäude realisiert werden, welches einen vorbildlichen Beitrag zum Klimaschutz leistet.
Freiraum
Der Vorplatz bildet die räumliche Adresse des Gebäudes und markiert den Eingangsbereich der öffentlichen Nutzungen. Gleichzeitig kann er vom Restaurant für eine Außenbestuhlung genutzt werden und trägt damit aktiv zur Belebung der Bernhäuser Hauptstraße bei. Der Platz kann als räumliche Erweiterung der gegenüber liegenden Fußgängerzone verstanden werden und stärkt die Verzahnung der öffentlichen Freiräume.
Der Innenhof wird als grüner, gemeinschaftlich nutzbarer Freiraum gestaltet. Unterschiedliche grüne Inseln schaffen Aufenthaltsqualitäten und bieten vielfältige Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten für Kinder und Bewohner. Durch gezielte Pflanzungen von Bäumen sowie heimischen Sträuchern entstehen schattenspendende Bereiche, die insbesondere in den Sommermonaten zu einer hohen Aufenthaltsqualität beitragen. Ein gemeinschaftliches Grilldeck ergänzt das Freiraumangebot und ermöglicht vielfältige Nutzungen für die zukünftigen Bewohner. Der Ideenteil schließt sich gestalterisch mit derselben freiraumplanerischen Sprache an und bildet so ein zusammenhängendes Freiraumgefüge. Großzügig dimensionierte Rasenflächen bieten zusätzlich Raum für Spiel, Bewegung und informelle Begegnungen und unterstützen die Ausbildung eines lebendigen, gemeinschaftlichen Wohnumfelds.
BOMA+ | Braunschweig
2. Preis | BOMA+
Braunschweig
In Zusammenarbeit mit STAUTH Architekten Partnerschaftsgesellschaft mbB
Ausgangslage und Leitidee
Das Wettbewerbsgebiet bildet einen zentralen Übergangsraum zwischen Bohlweg, Schlosscarée, Schloss-Arkaden und dem historischen Magniviertel. Heute ist dieser Stadtraum von überdimensionierten Verkehrsflächen, hohen Versiegelungsgraden und mangelnden Blick- und Wegebeziehungen geprägt. Insbesondere die abschottende Architektur des Horten-/Galeria-Bestands sowie die bestehende Gestaltung der Haltestelle „Schloss“ verhindern eine selbstverständliche Verknüpfung mit dem angrenzenden Magniviertel.
Der Entwurf verfolgt daher das Ziel, diesen wichtigen Innenstadtbereich räumlich, funktional und atmosphärisch neu zu ordnen. Unter der Leitidee „Öffnen, Verbinden, Begrünen“ wird der bisher zergliederte Verkehrsraum in ein zusammenhängendes urbanes Platz- und Freiraumgefüge transformiert. Der motorisierte Individualverkehr wird deutlich reduziert und im Shared-Space-Prinzip mit je einer Fahrspur pro Richtung auf die Westseite des Bohlwegs verlagert; der Bereich am Ritterbrunnen wird vom Durchgangsverkehr befreit. Neue Wegeverbindungen, niveaugleich durchgepflasterte Straßenräume und helle, akzentuierende Pflasterbänder in Ost-West-Richtung stärken die visuelle und funktionale Verbindung zwischen Innenstadt, Schlossplatz und Magniviertel. Pocket-Parks im Norden und Süden, begrünte Aufenthaltsbereiche sowie Außengastronomie im Grünen erhöhen die Aufenthaltsqualität und machen das Magniviertel wieder sichtbar und erlebbar.
Mit der Wiederherstellung des historischen Ackerhofportals und der Schaffung einer attraktiven fußläufigen Verbindung zwischen Magniviertel und Schloss-Arkaden wird die historische Wegebeziehung gestärkt und der Stadtraum neu verknüpft. Der Wiederaufbau soll dabei durch den Verkauf der Horten-Kacheln an die Bürger finanziert und als gemeinschaftlich getragenes Projekt in der Stadtgesellschaft verankert werden.
Städtebau und Hochbau
Der Entwurf sieht drei eigenständige, maßstäblich differenzierte Baukörper vor, die historische Wegebeziehungen aufnehmen und eine neue Mitte zwischen Innenstadt und Magniviertel schaffen. Die Baukörper staffeln sich innerhalb des städtischen Kontextes in ihrer Höhe von bis zu sieben Geschossen an der Nordwestecke zum Schlossplatz hin über das Magniviertel auf fünf Geschosse ab und fassen zwei kleine neue Stadtplätze, die als vermittelnde Übergangsräume in das Quartier wirken.
Die Erdgeschosszonen werden mit zwei großen publikumsorientierten sowie weiteren kleinteiligen Nutzungen belebt. Vorgesehen sind Einzelhandel, kleine Gastronomieangebote, soziale und kulturelle Einrichtungen, Dienstleistungen sowie quartiersbezogene Angebote, die einen lebendigen und maßstäblichen Übergang zur kleinteiligen Struktur des Magniviertels herstellen. Als frequenzstarke Anziehungspunkte fungieren im Norden der „LöwenDome“ als Trendsportcenter über Erdgeschoss und erstes Obergeschoss – gekoppelt an die Idee, Dennis Schröder als Leitfigur einzubinden – sowie im südwestlichen Baukörper der Eingang zu einem IKEA City mit ergänzender Markthallennutzung im ersten Untergeschoss.
In den Obergeschossen entsteht eine differenzierte Nutzungsmischung aus Büro, Hotel, Wohnen, Mikro- bzw. Business-Apartments und betreutem Wohnen. Lärmintensivere Fassadenlagen am Damm und an der Georg-Eckert-Straße werden überwiegend gewerblich genutzt, während an den ruhigeren Gebäudeseiten Wohnnutzungen angeordnet sind. Der kleinste Baukörper vermittelt zum Magniviertel und nimmt familiengerechte Wohnungen auf. Ein Restaurant im sechsten Obergeschoss mit intensiv begrüntem Dachgarten und Stadtbalkon bildet einen besonderen städtischen Anziehungspunkt mit Ausblick über Schlossplatz und Innenstadt.
Erschließung und Mobilität
Bewährte Teile der Bestandserschließung werden erhalten und in das neue Quartier integriert. Dazu zählen insbesondere die Anbindung an die Magni-Tiefgarage im Untergeschoss sowie der bestehende Fußgängertunnel vom Damm, der gestalterisch modernisiert und funktional aufgewertet wird. Die IKEA-Markthallennutzung im ersten Untergeschoss wird sowohl über das Erdgeschoss als auch über den ehemaligen Horten-Tunnel erschlossen und so optimal mit Innenstadt, ÖPNV und bestehender Tiefgaragenstruktur verknüpft.
Im zweiten Untergeschoss werden rund 140 PKW-Stellplätze für Bewohner, Hotel, Büro und Gewerbe untergebracht. Ergänzend entsteht im Norden ein zentraler Fahrradraum mit rund 230 Stellplätzen in Doppelparksystemen, erschlossen über einen Aufzug an der Georg-Eckert-Straße und komfortabel aus allen Gebäuden über das zweite Untergeschoss erreichbar. Weitere rund 150 öffentliche Fahrradstellplätze werden im Außenraum angeboten. Eine neue, von außen zugängliche Aufzugs- und Treppenanlage ermöglicht zudem eine barrierefreie Nutzung der Magni-Tiefgarage rund um die Uhr.
Haltestelle und öffentlicher Raum
Die Straßenbahnhaltestelle „Schloss“ wird transparent und filigran neugestaltet. Eine gezielte Unterbrechung der Überdachung in der Sichtachse zwischen Damm und Magniviertel stärkt die visuelle Durchlässigkeit und betont die neue Wegeverbindung. Durch den Rückbau der östlichen Fahrspuren wird der östliche Haltestellenbereich künftig direkt und sicher an das Quartier angebunden, ohne zusätzliche Querung von Fahrbahnen.
Bauabschnitte – Städtebau und Freiraum
Die Realisierung des neuen Quartiers erfolgt in drei aufeinander abgestimmten Bauphasen, die Schritt für Schritt Stadtstruktur und Freiraum neu ordnen und erlebbar machen. So wächst das Projekt in klar lesbaren Etappen zu einem neuen urbanen Mittelpunkt heran und kann rechtzeitig zum 1.000-jährigen Stadtjubiläum von Braunschweig im Jahr 2031 vollendet werden.
Im ersten Bauabschnitt bis 2028 wird die neue städtebauliche Raumkante zum Schlossplatz durch die Errichtung des nördlichen Baukörpers ausgebildet. Parallel entsteht der eingeschossige Innenhof des südwestlichen Baukörpers. Durch die Wiederverwendung der prägenden Horten-Kacheln erhält das Interimsbauwerk eine identitätsstiftende temporäre Gestaltung und ermöglicht bereits frühzeitig eine attraktive Erschließung der Nutzungen im ersten Untergeschoss. Zur visuellen Wiederaufnahme historischer Wegebeziehungen werden die Grundflächen der späteren Baukörper als begrünte Streuwiesen angelegt und machen die zukünftige Quartiersstruktur bereits im Stadtraum ablesbar. Zeitgleich erfolgt der Umbau der Haltestelle „Schloss“. Die Verkehrsflächen werden niveaugleich durchgepflastert, wodurch ein zusammenhängender Stadtraum entsteht. Während der Übergangszeit bleibt der Verkehr auf der Ostseite der Haltestelle – bei reduzierter Fahrspur – weiterhin in Nordrichtung möglich, jedoch bereits verkehrsberuhigt.
Im zweiten Bauabschnitt bis 2030 werden die wesentlichen städtebaulichen und freiraumplanerischen Qualitäten umgesetzt. Die Straße am Ritterbrunnen wird zugunsten eines schattigen, begrünten Fußgängerbereichs zurückgebaut. Nebelfelder erhöhen die Aufenthaltsqualität in den Sommermonaten. Im Norden entsteht ein autofreier Stadtpark mit hoher Aufenthaltsqualität, während im Süden ein begrünter Pocket-Park das Freiraumangebot ergänzt. Entlang des Bohlwegs bildet eine grüne Pufferzone einen angenehmen Übergang zwischen Außengastronomie und Verkehrsraum.
Im dritten Bauabschnitt bis 2031 wird die Gesamtmaßnahme fertiggestellt. Der dritte Baukörper ergänzt das Quartier und vollendet die räumliche Fassung der neuen Stadtplätze. Gleichzeitig werden Teile der Georg-Eckert-Straße zu Radwegen umgebaut und begrünt, während der motorisierte Individualverkehr weiter reduziert wird.
Zukunftsvision ab 2035+
Mit Blick auf das Jahr 2035 wird die Transformation des Bohlwegs zu einem weitgehend autofreien Stadtraum angestrebt. Der Straßenraum wandelt sich von einer verkehrsdominierten Infrastruktur zu einem urbanen Aufenthalts- und Bewegungsraum mit klarer Priorisierung nachhaltiger Mobilitätsformen. Künftig ist die Nutzung im Wesentlichen dem öffentlichen Personennahverkehr sowie dem Radverkehr vorbehalten.
Dachgarten und Stadtbalkon
Angrenzend an das Restaurant entsteht eine intensiv begrünte Dachlandschaft als hochwertiger urbaner Freiraum. Sitzbereiche, Außenbar, Bäume und Aussichtspunkte schaffen vielfältige Aufenthaltsqualitäten mit Blick über die Stadt. Ergänzt wird dieses Angebot durch einen Stadtbalkon, der einen besonderen Ort für Aufenthalt und Beobachtung des städtischen Geschehens bildet.
Belichtung, Flexibilität und Nutzung
Trotz vergleichbarer Bruttogrundfläche zur Bestandsimmobilie verdreifacht der Neubau die belichtete Fassadenfläche. Dadurch entstehen helle, flexible Raumstrukturen mit hoher Aufenthalts- und Arbeitsqualität. Die Nutzungsmischung des Quartiers ist bewusst heterogen angelegt, um langfristig auf unterschiedliche Anforderungen reagieren zu können. Große Publikumsmagneten wie der „LöwenDome“ und IKEA City werden durch kleinteilige Angebote ergänzt, die einen lebendigen Übergang zum Magniviertel schaffen. Wohnangebote für unterschiedliche Nutzergruppen – darunter Familien, Senioren und mobile Berufsgruppen – runden das Konzept ab und interpretieren das urbane Wohnen im Sinne eines lebendigen, durchmischten Quartiers des 21. Jahrhunderts neu.
Neugestaltung Freiflächen am Informationszentrum Mathildenhöhe | Darmstadt
Anerkennung | Neugestaltung Freiflächen am Informationszentrum Mathildenhöhe
Darmstadt
Die Blaue Mathilde – Natur als Galerie
Das neue Informationszentrum der Mathildenhöhe erhebt sich als Solitär im Park, eingebettet in die historische und kulturträchtige Umgebung und bildet zugleich einen zentralen Bezugspunkt innerhalb der Grünachse zwischen der Altstadt, der Erich-Ollenhauer-Promenade und dem Grünzug Rosenhöhe. Der Entwurf hat den zentralen Gedanken, einen maximalbegrünten Ort zu schaffen, er Schatten und Verdunstungskühle für die Besucher spendet, sich im Laufe der Jahreszeiten verändert und ausreichend Fläche für Versickerung und Verdunstung bietet. Aufenthaltsflächen für kleine und große Gruppen entstehen sowohl auf als auch entlang der Grünflächen. Ein langes geschwungenes Wegeband, legt sich behutsam auf die großen Grünflächen und verbindet so die einzelnen Bereiche miteinander. Der Freiraum reagiert dabei sensibel auf die historischen, ökologischen und künstlerischen Anforderungen an den Ort und verbindet diese zu einem fließenden, harmonischen Erlebnisraum, der Besucher:innen auf unterschiedlichen Ebenen anspricht.
Die Wegeführung folgt einem organischen, geschwungenen Gesamtkonzept, das die Bewegung durch das Gelände natürlich und intuitiv leitet. Vom nördlichen Bereich über den Vorplatz des Informationszentrums, durch den bewaldeten Osthang bis hin zum Fiedlerweg entstehen direkte Anschlüsse, während zugleich eine harmonische Gesamtbewegung durch den Park entwickelt wird. Hauptwege führen zu den zentralen Nutzungen, Nebenwege eröffnen Rückzugsräume und kleinere Aufenthaltsorte und ermöglichen eine differenzierte Raumerfahrung. Die Wege im Osthang sind bewusst als barrierearme, feste „Waldwege“ ausgebildet und sensibel in die naturnahe Umgebung eingebettet. Zwischen ihnen bleiben großzügige, naturnahe Flächen – teilweise aus Rindenmulch – für temporäre Nutzungen, künstlerische Aktivitäten oder Veranstaltungen erhalten.
Das gestalterische Leitmotiv des Freiraums greift die künstlerische Tradition der Mathildenhöhe auf. Inspiriert von den Wandmosaiken der Anlage sowie von den Arbeiten der Künstlerin Nevin Aladag entsteht ein organisch-abstraktes Kompositionsprinzip, das Wege, Aufenthaltsflächen, Möblierung und Pflanzung miteinander verbindet. Die Freiflächen folgen einem malerischen, fließenden Muster, das Besucher:innen sinnlich durch den Raum führt. Die Möblierung aus leuchtend, blauem Corian setzt bewusste Kontraste, nimmt das tiefe Blau der Wandkunst innerhalb der Gebäude auf und erzeugt eine visuelle Spannung zwischen minimalistischen, geraden Elementen und der organischen, natürlichen Formsprache der Landschaft. Sitzblöcke, Loungemöbel und Bänke werden als gestalterische Skulpturen verstanden, die Funktionalität, Ästhetik und Aufenthaltsqualität vereinen.
Der Vorbereich des Informationszentrums fungiert als multifunktionaler Empfangsraum mit barrierefreien Zugängen vom Olbrichweg, sicheren Haltemöglichkeiten für Busse sowie Aufenthalts- und Begegnungsflächen für bis zu 100 Personen. Der Ateliergarten, als historisch bedeutender Teil der UNESCO-Welterbestätte, ist über eine Treppe im nördlichen Bereich sowie über eine barrierearme Zuwegung im Nordwesten direkt erschlossen. Auf diese Weise wird der Garten wieder erlebbar, seine historischen Strukturen bleiben ablesbar und die künstlerische Substanz des Ortes wird bewahrt. Zugänge zum Osthang sind sowohl nördlich als auch südlich des Informationszentrums sowie über den Olbrichweg und den Fiedlerweg vorgesehen und gewährleisten eine vielfältige Durchwegung sowie flexible Nutzungsmöglichkeiten.
Die Materialität der Freiflächen ist differenziert und fein aufeinander abgestimmt. Der Großteil der Wege besteht aus wasserdurchlässigen Materialien; lediglich der Hauptweg wird aus Gründen der Befahrbarkeit aus hellem Asphalt hergestellt. Die übrigen Wege im Vorbereich erhalten wassergebundene Oberflächen in einer Farbigkeit, die sowohl mit den Asphaltflächen als auch mit den bestehenden Wegen der Mathildenhöhe harmoniert. Der Vorbereich des Informationszentrums sowie der Bereich vor dem Ateliergarten sind mit einem Kleinsteinpflaster aus Naturstein gestaltet, das einen ruhigen Kontrast zur blauen Möblierung bildet. Der Ankunftsbereich für Reisebusse ist als kiesgebundene Fläche ausgebildet und fügt sich farblich in das Gesamtkonzept ein.
Besondere Gestaltungselemente bereichern die Aufenthaltsqualität und schaffen Raumerlebnisse für alle Sinne. Vor dem Ateliergarten erinnert ein Wasserelement an das historische Wasserbecken; ergänzend erzeugen Wasseraustritte aus der Mauer ein sanftes Plätschern, das Ruhe und Verweilen fördert. Im Osthang bietet ein zentral angeordnetes Holzdeck Raum für multifunktionale Nutzungen, während der Großteil der Fläche für temporäre künstlerische Aneignung und Veranstaltungen offenbleibt. Trampelpfade sowie punktuell positionierte Sitzblöcke führen durch das dichte Grün, stärken die Verbindung zur Natur und eröffnen wechselnde Perspektiven in die Waldfläche.
Die Freianlagen differenzieren sich bewusst funktional und atmosphärisch: Der westliche Vorbereich ist repräsentativ, beschattet und vielseitig nutzbar, während der Osthang naturnah, kleinklimatisch wirksam und als Rückzugs- und Erlebnisraum erhalten bleibt. Die Beleuchtung ist im Vorbereich zurückhaltend und warm geplant. Der Osthang bleibt bewusst unbeleuchtet, um seinen natürlichen Charakter zu bewahren und die Tiere im Dunklen zu schützen. Lediglich temporäre Beleuchtungen bei Veranstaltungen sind gewünscht.
Die Sichtachsen und Blickbeziehungen der Mathildenhöhe bleiben vollständig erhalten, sodass der außergewöhnliche universelle Wert der UNESCO-Welterbestätte respektiert wird. Bauliche Elemente des Ateliergartens werden denkmalgerecht instandgesetzt, Pergolen und Mauern restauriert und nicht eindeutig belegte Elemente im Sinne einer kritischen Rekonstruktion ergänzt. Barrierearme Zugänge gewährleisten ein harmonisches Zusammenspiel historischer und zeitgenössischer Nutzungen.
Die Stellplätze sind bewusst zurückhaltend und gestalterisch unauffällig integriert. Entlang des Olbrichwegs befinden sich drei barrierefreie PKW-Stellplätze in angemessener Entfernung zum Eingang sowie 30 zentral gelegene Fahrradstellplätze und ein Mobilitätsstandort, die als Teil der geschwungenen Freiraumgestaltung wahrgenommen werden. Auf diese Weise wird nachhaltige Mobilität gefördert, ohne den historischen oder landschaftlichen Charakter zu beeinträchtigen.
Entlang des Olbrichwegs wird im Ideenteil eine grüne Leitidee entwickelt, die den historischen Straßenraum als integralen Bestandteil des Freiraums der UNESCO-Welterbestätte versteht. Straßenverlauf und Profil bleiben ablesbar, historische Materialien werden aufgenommen und in einen niveaugleichen, verkehrsberuhigten Raum überführt. Der Bereich zwischen Fiedlerweg und Lucasweg verknüpft Wege- und Grünstrukturen und stärkt die Verbindung zwischen dem westlichen Teil der Mathildenhöhe und dem Wettbewerbsgebiet. Orientierung entsteht nicht über Beschilderung, sondern über räumliche Klarheit, Blickbeziehungen und grüne Leitelemente. Ergänzend entsteht im nördlichen Bereich auf der vormals komplett versiegelten Fläche, ein grüner Freiraum mit hoher Aufenthaltsqualität, der die durchgehende Grünachse zwischen Altstadt und Rosenhöhe stärkt. Die starke Reduzierung der befestigten Flächen verbessert das Mikroklima erheblich.
Durch die Verzahnung von Architektur, Kunst und Landschaft, die Berücksichtigung des Baumbestands, die Vernetzung bestehender Biotopstrukturen und die fein abgestimmte Materialität entsteht ein Freiraum, der historische Tiefe und künstlerische Qualität in Einklang bringt. Die Mathildenhöhe wird als malerisches Gesamtkonstrukt erfahrbar, in dem Vegetation, Licht, Wasser, Material und Farbe eine atmosphärische Verbindung von Natur und Kunst eingehen.
Freiraumplanung Jeetzelufer, Amtsgarten und alter Friedhof | Lüchow
Anerkennung | Freiraumplanung Jeetzelufer, Amtsgarten und alter Friedhof
Lüchow
Die drei innerstädtischen Grünräume – Amtsgarten, Alter Friedhof und Jeetzelufer – bilden entlang der Langen Straße eine zusammenhängende Abfolge von Freiräumen, die Natur, Wasser und Ruhe mitten in Lüchow erfahrbar machen. Sie sind über ein durchgängiges, barrierefreies Wegesystem miteinander vernetzt, sodass Besucher:innen die unterschiedlichen Qualitäten der Bereiche gut erschließen können. Einheitliche Möblierung, Aufenthalts- und Ruhebereiche schaffen Orientierung und fördern die Aufenthaltsqualität, während die unterschiedlichen landschaftlichen Charaktere der drei Räume unterschiedliche Atmosphären vermitteln. Die Planung verbindet historische, soziale und ökologische Aspekte, stärkt die Identität der Innenstadt und bietet Orte für Begegnung, Erholung und Naherholung für alle Generationen.
Durch die gezielte Abfolge der Grünräume entstehen sowohl klare Bezüge zwischen den einzelnen Bereichen als auch ein übergeordnetes städtisches Erlebnis. Die Integration naturnaher Gestaltungselemente, Bepflanzung und wasserbezogener Strukturen unterstützt die ökologische Funktion, stärkt die Biodiversität und trägt zu einer nachhaltigen, resilienten Innenstadt bei. So entsteht ein stimmiges Gesamtkonzept, das die Aufenthaltsqualität erhöht, verschiedene Nutzergruppen anspricht und die Innenstadt langfristig als identitätsstarken und lebendigen Stadtraum positioniert.
Jeetzelufer
Die Jeetzel durchquert in Nord-Süd-Richtung das Zentrum von Lüchow und prägt als innerstädtischer Flusslauf das Stadtbild. Historisch als Transportweg genutzt, erfüllt die Jeetzel heute vor allem Funktionen im Hochwasserschutz, in der Stadtstruktur und für ökologische Belange. Die innerstädtischen Ufer sind derzeit stark reguliert, naturnahe Aufenthaltsbereiche nur vereinzelt vorhanden, und der Fluss bleibt für die Bürger:innen weitgehend unerlebbar.
Ziel der Neugestaltung ist es, die Jeetzel stärker in das Stadtleben zu integrieren, ihre ökologischen Potenziale zu stärken und neue Aufenthalts- und Erlebnismöglichkeiten zu schaffen. Unter Berücksichtigung der städtischen Gegebenheiten und des Hochwasserschutzes wurde ein Konzept entwickelt, das naturnahe Gestaltung mit Aufenthaltsangeboten verbindet.
Entlang des Ufers wurden an mehreren Stellen Sitzstufen in die Böschung integriert und zum Teil schwimmende Holzdecks auf dem Wasser angelegt, die den Fluss unmittelbar erlebbar machen. Im nördlichen Bereich entsteht zudem ein Anlegesteg für Kanus und ähnliche Nutzungen, ergänzt durch eine sichere Zufahrt von der Straße „Am Deich“. Gerade der südliche Aufenthaltsbereich, auf der Seite des Altenheims, wurde barrierefrei zugänglich gestaltet, sodass Menschen aller Altersgruppen das Wasser über eine in die Böschung integrierte Rampe erreichen und genießen können.
Die Abfolge der Aufenthaltsbereiche fügt sich harmonisch in die städtische Struktur ein: mal urban geprägt, mal naturnah, und schafft so eine abwechslungsreiche Erlebnisqualität. Ergänzend wurden entlang der vorhandenen Wege neue Bänke und sogenannte „Chillsofas“ installiert, die zu kurzen Pausen und Verweilen am Ufer einladen. Um den Hochwasserschutz auf dem Deich nicht zu beeinträchtigen, wurde dieser von Bäumen und fest installierten Einbauten freigehalten. Stattdessen wurden entlang der Wege auf der wasserabgewandten Seite neue Bäume gepflanzt, die Schatten auf den Wegen und Sitzbereichen spenden und so das Aufenthaltsangebot zusätzlich aufwerten.
Die Böschungen wurden an vielen Stellen mit standorttypischer Vegetation bepflanzt. Flusstypische Pflanzengemeinschaften im Wasser und am Ufer tragen zur ökologischen Vielfalt bei, fördern die Biodiversität und unterstützen die natürliche Reinigung des Gewässers. Blühwiesen entlang der Uferzonen bieten zusätzlichen Lebensraum für Insekten und andere Kleintiere. 2mal im Jahr werden die Wiesen gemäht, um die Flutsicherheit der Böschungen zu gewährleisten.
Insgesamt entsteht ein Jeetzelufer, das die Stadt aufwertet, den Bürger:innen neue Aufenthaltsqualitäten und Bewegungsräume eröffnet und zugleich ökologische Funktionen stärkt. Die Neugestaltung verbindet urbanes Leben, Naturerlebnis und Wassererfahrung und trägt so wesentlich zur Aufwertung des Stadtzentrums von Lüchow bei.
Amtsgarten
Der denkmalgeschützte Amtsgarten bildet einen wichtigen grünen Baustein im Südwesten Lüchows. Als historisch gewachsene Parkanlage mit landschaftlichem Charakter ist er geprägt durch den Verlauf der Drawehner Jeetzel, die das Gelände in weichen Linien durchzieht und als prägendes Element des Ortes erhalten bleibt.
Ziel der Neugestaltung ist es, die vorhandenen Qualitäten des Amtsgarten zu stärken, seine Aufenthaltsqualität zu steigern und den Bezug zum Wasser stärker erlebbar zu machen. Unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Belange wurde eine behutsame, naturnahe Aufwertung vorgenommen, die bestehende Strukturen respektiert und zugleich neue Angebote für unterschiedliche Nutzer:innengruppen schafft.
Die Wegeführung wurde ergänzt und qualifiziert, sodass eine klare Orientierung und bessere Erschließung entstehen, ohne den landschaftlichen Charakter zu beeinträchtigen. Entlang der Drawehner Jeetzel wurde der Uferraum abschnittsweise zu einem erlebbaren Auenbereich geöffnet. Typische Flussvegetation und wasserklärende Pflanzen stärken hier die ökologische Funktion und fördern die Biodiversität. Sitzstufen und Holzplattformen laden zum Verweilen am Wasser ein und schaffen Orte, an denen das Wasser sinnlich erlebbar wird.
Die Pergola wurde erneuert und das historische Relikt als identitätsstiftendes Element bewahrt. Ein neu eingefügter, wettergeschützter Pavillon ergänzt das Angebot und bietet so einen geschützten Aufenthaltsort. Ein Klangpfad und neu angelegte Wildblumenbereiche schaffen zusätzliche Erlebnisschichten, die den Amtsgarten zu einem Ort des Entdeckens machen.
Durch die dezente, naturnahe Gestaltung und die einheitliche, zurückhaltende Material- und Formensprache entsteht ein harmonisches Gesamtbild, das den historischen Charakter. Der Amtsgarten wird so zu einem Naherholungspark, der Natur, Geschichte und Aufenthalt im Grünen verbindet – ein grüner Erlebnisort inmitten der Stadt, der die ökologische und atmosphärische Qualität des Ortes nachhaltig stärkt.
Alter Friedhof
Der denkmalgeschützte Alte St.-Annen-Friedhof liegt am östlichen Rand der Lüchower Altstadt und bildet mit seinem wertvollen Baumbestand einen ruhigen, von Geschichte geprägten Freiraum. Als Begräbnisstätte mit besonderer Atmosphäre ist er heute vor allem Erinnerungs- und Begegnungsort.
Ziel der Neugestaltung ist es, den besonderen Charakter des Friedhofs zu bewahren und zugleich seine Erlebbarkeit und Aufenthaltsqualität zu verbessern. Unter Wahrung der denkmalpflegerischen Belange wurde eine zurückhaltende Gestaltung entwickelt, die bestehende Strukturen respektiert und durch gezielte Ergänzungen aufwertet.
Die vorhandenen Wege, die entlang der alten Familiengräber und des Kriegerdenkmals verlaufen, wurden aufgewertet und barrierefrei ausgebaut. Ergänzende, untergeordnete Wegeverbindungen im Inneren des Areals schaffen neue Durchlässigkeit und betonen die Raumstruktur des Friedhofs. Zwischen den neuen Wegen entsteht ein kleiner Skulpturengarten, der eine weitere Ebene des Erlebens eröffnet und den Ort um eine künstlerische Dimension bereichert.
Im Bereich des Eingangs und der Hauptwege entsteht ein kleiner Platz, der die Besucher:innen empfängt und einen besonderen Akzent setzt. Ein kleiner Brunnen aus Naturstein, in den aus einem Wasserhahn leicht das Wasser läuft, schafft eine ruhige und entspannte Atmosphäre und überdeckt gleichzeitig die Geräusche der benachbarten Straße.
Die Anlage bietet großzügige, von alten Bäumen beschattete Aufenthaltsbereiche, die zum Verweilen und ruhigen Austausch einladen. Neue Sitzmöglichkeiten in Form von Bänken und Sitzblöcken schaffen Orte der Ruhe und laden insbesondere die Schüler:innen des angrenzenden Schulzentrums zur respektvollen Aneignung des Ortes ein.
Besonderes Augenmerk galt der Gestaltung der Randbereiche. Hier wurde eine Lösung entwickelt, die die privaten Gärten der angrenzenden Grundstücke respektiert und zugleich klare, gestalterisch gefasste Übergänge schafft. Eine strukturierte Bepflanzung aus Hecken und Strauchgruppen dient als sanfte Abgrenzung zwischen privatem und öffentlichem Raum, während gezielte Öffnungen den Zugang zum Friedhof weiterhin ermöglichen. Retentionsmulden und Blühwiesen ergänzen die Anlage und stärken deren ökologische Qualität, indem sie zur Versickerung von Regenwasser beitragen und gleichzeitig wertvolle Lebensräume für Insekten schaffen.
Insgesamt entsteht ein Ort, der Geschichte und Gegenwart miteinander verbindet – ein stiller, grün gefasster Erinnerungsraum, der durch seine Offenheit, ökologische Aufwertung und behutsame Gestaltung neue Möglichkeiten der Begegnung bietet und den Alten Friedhof als identitätsstiftenden Bestandteil der Stadtlandschaft Lüchows stärkt.
Transformation Bezirksamt Hamburg-Nord | Hamburg-Eppendorf
3. Preis | Transformation Bezirksamt Hamburg-Nord
Hamburg-Eppendorf
In Zusammenarbeit mit gmp Architekten
Städtebau und Denkmalschutz
Die Potentiale des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudeensembles „Bezirksamt Hamburg-Nord“ herauszuarbeiten und zu stärken ist das Ziel dieses Wettbewerbsbeitrages. Der Verwaltungsbau wird in ein lebenswertes und zukunftsfähiges Quartier transformiert: Das Seitzquartier entsteht.
Die denkmalgeschützten Bauteile B-E nach den Plänen des Architekten Paul Seitz werden in ihrer Bausubstanz erhalten und behutsam durch drei Neubauten ergänzt: Ein neuer Turm als Hochpunkt an der Magistrale betont durch seine Fernwirkung den Auftakt von Eppendorf. Er stellt sich anstelle des Bauteils A direkt hinter das Bauteil B1, dockt mit einer überdachten Halle als Fuge daran an und schafft nach Osten einen großen und zusammenhängenden Innenhof.
Eine Aufstockung der ehemaligen Bücherhalle arrondiert den Gebäudeblock entlang der stark befahrenen Lenhartzstraße. Dabei ist die Straßenkante des Neubaus ein Stück nach hinten versetzt, sodass das Bauteil E seine Präsenz behält. Ein Anbau an Bauteil C1 verbindet als vermittelnder Baustein das Quartier mit dem angrenzenden Marie-Jonas-Platz. Die ursprüngliche Entwurfsidee wird hier fortgeführt, indem sich der Neubau gegenüber dem Bestand in der Höhe abstaffelt und eine neue Stirnseite erzeugt. So fügen sich alle Neubauten harmonisch in die Bestandsstruktur und die angrenzende Bebauung ein und entwickeln diese zeitgemäß weiter.
Die Bestandsgebäude werden in Abstimmung mit dem Denkmalamt saniert und in den Innenräumen für die neue Nutzung umgebaut. Die Fassaden behalten ihre schützenswerte Präsenz und werden lediglich in den Hofbereichen um Balkone ergänzt (Bauteil C und D). Dort ergibt sich ein innerer, privater und landschaftlich geprägter Quartiershof als Oase und identitätsstiftenden Raum für die Bewohner:innen des Seitzquartiers im Gegensatz zu dem eher öffentlichen Quartiersplatz zum Marie-Jonas-Platz- und dem eher städtischen Platz zur Magistrale hin.
Erschließung und Nutzung
Durch die Neubauten wird eine angemessene Nutzungsdichte und damit einhergehend auch eine größere Wirtschaftlichkeit des Projekts möglich. Nach Norden sind im EG v.a. Einzelhandelsflächen angeordnet. In den unteren Geschossen auf der Ostseite und im Hochpunkt finden sich Bürobereiche. In den oberen Geschossen sind Wohnungen unterschiedlicher Größe vorgesehen – vom kompakten 1-Zimmerappartement im Bestand bis hin zu großzügigen Stadthäusern in Bauteil D oder Maisonettewohnungen im Bauteil C.
Freiraumgestaltung
Mit der Transformation des Verwaltungsgebäudes in ein Quartier mit Gewerbe-, Büro und Wohneinheiten ändern sich auch die Anforderungen an den Freiraum. Ungenutzte und nicht zugängliche Grünflächen, rein funktionale Eingangsbereiche und Stellplatzflächen machen Platz für nachbarschaftliches Leben und Spielflächen. Der Innenhof ist öffentlich zugänglich, jedoch vorwiegend den Bewohner:innen vorbehalten. Neupflanzungen in freien, geschwungenen Formen ergänzen den bestehenden schützenswerten Baumbestand. Erschlossen wird der Hof direkt von den umliegenden Gebäuden. Eine private Durchwegung verbindet die Freiräume untereinander.
Mobilitätskonzept
Der Bedarf der KFZ-Stellplätze ermittelt sich aus Erfahrungswerten, in denen ortsspezifische Abminderungsfaktoren berücksichtigt sind. Den Bewohnern und Gästen stehen zwei große Fahrradgaragen, ergänzt durch dezentrale Parkbereiche in den Freibereichen zur Verfügung. Ein Mobility-Hub und zwei Fahrradwerkstätten komplettieren das Mobilitätskonzept.
Quartier Westerwischstrom | Cuxhaven
3. Preis | Quartier Westerwischstrom
Cuxhaven
In Zusammenarbeit mit Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner
Städtebauliche Leitidee
Aufgrund der bestehenden Insellage benötigt das neue Quartier ein nachbarschaftliches Gefüge um hier zukünftig eine Identität zu erzeugen. Als zentrales freiräumliches Element entsteht ein Anger, der als „Grünes Herz“ einen gemeinschaftlichen Innenbereich ausbildet, an den sich alle Baufelder anlehnen und ihre Adressen erhalten.
Der Anger vernetzt sich mit den Landschaftsräumen, insbesondere zum südlich Grünzug und der Süderwischschule und schafft so einen zusammenhängendes Freiraumgerüst. Aus diesen Wegeachsen entstehen wie selbstverständlich die einzelnen Baufelder, die der Grünen Mitte seine Raumkanten geben.
Der Biotopbereich des Röhrichstreifens bleibt erhalten und erhält einen ausreichenden Pufferstreifen. Er wird zum neuen freiräumlichen Thema der Grünen Mitte und stärkt die Funktion eines Retentionsanger.
Quartiersmitte
In direkter Blickbeziehung zur Theodor-Heuss-Allee entsteht ein zentral gelegener Quartiersplatz als repräsentativer Auftakt zum neuen Quartier. Er öffnet sich fensterartig zum Retentionsanger und bildet hier eine zentrale Mitte aus. Als urbaner Platzraum lässt er vielfältige Nutzungsmöglichkeiten zu und integriert zentrale Spiel- und Aktionsflächen. Große Bänke und Sitzstufen laden zum Verweilen ein und schaffen eine angenehme Aufenthaltsqualität mit Blick über den Retentionsanger hinweg.
Der bauliche Mittelpunkt wird durch die Kita gebildet, die hier zusammen mit einem Bäcker oder einem kleinen Dorfladen im angrenzenden Quartiershaus den Platz beleben. In den Obergeschossen können sich hier Sonderwohnformen als Mehrgenerationenhaus oder Seniorenwohnen befinden.
Der Vorbereich entlang der Kreisstraße wird freiräumlich in die neue Platzfolge eingebunden und bildet das Entree zum neuen Quartier. Hier befinden sich die ÖPNV-Haltestelle und die Quartiersgarage, die hier auch als baulicher Lärmschutz genutzt wird.
Gartenhöfe an der Grünen Mitte
Das modulare Konzept der Gartenhöfe bildet kleine Nachbarschaften aus, die mit unterschiedlichen Gebäudetypen für Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäusern mit dem Schwerpunkt familiengerechtes und gemeinschaftliches Wohnen bebaut werden können. Sie gruppieren sich um einen Gartenhof mit Spiel- und Kommunikationsflächen, wodurch das nachbarschaftliche Zusammenleben gestärkt wird. Die bauliche Dichte ist an der Grünen Mitte am höchsten und lockert sich zu den Rändern hin auf.
Die Gebäude entlang der Grünen Mitte sind für Baugruppen vorgesehen die durch eine individuelle Bebauung eine markante Parkkante mit abwechslungsreicher Architektur ausbilden. Die erdgeschossigen gemeinschaftlichen Nutzungen und die kleine Büros für W+A besitzen leicht auffindbaren Adressen und beleben den öffentlichen Raum.
Verkehrsfreies Wohnumfeld
Direkt im Zufahrtsbereich befindet sich die Quartiersgarage, die hier die Stellplätze des westlichen Geschoßwohnungsbaus aufnimmt. Im Sockel befinden sich ein Fahrradparkhaus und eine Energiezentrale, die als Heizkraftwerk oder Großwärmepumpe das Quartier autark mit Energie versorgt.
Die Stellplätze der Gartenhöfe befinden sich direkt an den Zufahrtsbereichen und halten die Innenbereiche autofrei wodurch Nachbarschaften mit einer hohen Lebensqualität entstehen. Eine zurückhaltende und wohlgesetzte Möblierung schafft Aufenthaltsqualitäten in den öffentlichen Räumen als Orte der Begegnung und Kommunikation.
Direkt am Quartiersplatz befindet sich eine Mobilitätsstation, die hier alle Funktionen der „sanften Mobiltät“ wie carsharing und e-Mobilität aufnimmt. Die Fuß- und Radwege durch die Grünraume stärken das durchlässige innere Erschließungskonzept und fördern den individuellen Fuß- und Radverkehr.
Grüne Mitte als Retentionsanger
Die Grüne Mitte dient als großer Retentionsanger, er wird naturnah ausgebildet und übernimmt die Funktion eines Retentionsraumes für das anfallende Regenwasser. Er trägt durch seine Aufenthaltsqualität, seine Spielangebote und ökologische Funktion als Regenwasserretentionsfläche zur Qualitätssteigerung und Identifikation des Quartiers bei.
Eine flache Rasenmulde parallel zum Röhrichstreifen übernimmt die Funktion eines zentralen Retentionsraums, der das Regenwasser aus den benachbarten Wohnhöfen aufnimmt und in die nördlich und südlich angrenzenden Regenwasserrückhalteflächen ableitet. Das Zusammenspiel aus Röhrichtbestand und der Erweiterung mit wechselfeuchten Retentionsflächen wird bezüglich Modellierung, Zuführung von Regenwasser sorgfältig mit den Belangen des Naturschutzes abgestimmt.
Regenwasser- und Klimafolgenanpassungskonzept
Das Konzept zur Regenwasserbewirtschaftung folgt den Prinzipien, die Versiegelung von Flächen auf ein Mindestmaß zu reduzieren und den
Regenwasserabfluss am Entstehungsort zurückzuhalten, sodass ein großer Teil des Wassers durch Verdunstung nicht mehr abgeleitet werden muss. Zunächst wird in den Baufeldern das anfallende Regenwasser der Flachdächer in Retentionsdächern mit minimalem Abfluss und einer Verdunstungsrate von bis zu 75 % zurückgehalten, das Regenwasser der Satteldach- und Hofflächen in Retentionszisternen gesammelt bzw. über offene Sickergräben und Sickerrinnen oberflächennah in die temporär eingestauten abgesenkten Flächen der Wohnhöfe und der wegebegleitenden Rasen- und Feuchtwiesenmulden geführt.
Das Wasser der Zisternen kann zur Grauwassernutzung in den Gebäuden sowie zum Bewässern der Gartenhöfe verwendet werden. Eine anteilige Dachbegrünung kann dabei zur Reinigung des Regenwassers beitragen und das anfallende Wasser auf den privaten Flächen reduzieren. Über die Gartenflächen gelangt das Wasser auf den zentralen Nachbarschaftsplatz, bzw. direkt in die angrenzenden Mulden. Hier wird das Wasser zurückgehalten und gedrosselt in die angrenzenden Grünfugen mit seinen Verbandsgewässern abgeleitet. Durch die Grünen Fugen sind bei Starkregenereignissen auch die Notwasserwege gewährleistet, so dass eine schadlose Ableitung des Regenwassers erfolgen kann.
Besonderer Wert wird auf eine umfangreiche Baumpflanzung mit klimaresilienten Arten gelegt, die für Beschattung und Verdunstungskühle sorgen. In Straßenräumen und den Platzbereichen werden sie über abgesenkte Pflanzstreifen und zu einem geringeren Teil über Baumrigolen mit Wasser versorgt und unterstützen so den Schwammstadtgedanken des gesamten Quartiers. Die Einsaat von artenreichen Wiesenflächen schafft im Zusammenspiel mit Vogelschutzgehölzen wertvolle Lebensräume für Insekten und andere Tiere. So werden Regenwasser- und Klimafolgenanpassung als ökologische Qualität sichtbar und erlebbar gemacht und tragen zum positiven Image des Quartiers bei.
Ankunfts- & Informationszentrum Wasserkuppe | Gersfeld (Rhön)
3. Preis | Ankunfts- & Informationszentrum Wasserkuppe
Gersfeld (Rhön)
In Zusammenarbeit mit Sturm und Wartzeck
Leitmotiv Basalt
Basalt ist überall in der Rhön in unterschiedlichsten Formen zu finden. Ob er an der Steinwand als spektakuläre, vertikale Schichtung, wie ein steinerner Wald zwischen den Bäumen steht, sich am Pferdskopf in der Horizontalen mit den umgebenen Wiesen vernadelt oder als filigrane sechseckige Säulen (Gangolfsberg) die skulpturale Kraft der Natur illustriert. Immer erscheint der Basalt als ortsprägendes Element, das durch seine differenzierten Schichten in Dialog mit der ihn umgebenden Landschaft tritt. Diese skulpturale Qualität, die einen Ort definiert, ohne ihn zu dominieren, diente als Leitmotiv für unseren Entwurf.
Städtebauliche Setzung und Freiraumplanung
Das Gebäude liegt als vielschichtiger, länglicher Körper zwischen dem heterogenen Baubestand des Areals und dem offenen Flugfeld. Die Verschiebung der Gebäudeschichten erlaubt es, organisch auf die unterschiedlichen Ansprüche der Umgebung zu reagieren. Im Nordosten definiert die differenzierte Gebäudekante vis-à-vis mit dem Flügelbau einen großzügigen, frei bespielbaren Platz, der das gesamte Areal als neue Mitte zusammenbindet. Hier sind die Riegel niedriger, um dem Platz einen maßstäblichen und einladenden Rahmen zu geben. Den weithin sichtbaren Abschluss des Platzes bildet der Haupteingang des neuen Informationszentrums. Dieser liegt auf gleicher Höhe mit dem Haupteingang des Seegelflugmuseums, was die Orientierung auf dem Gelände erleichtert und räumliche Synergien zwischen den Institutionen eröffnet. Im Nordwesten entsteht durch den Rücksprung der letzten Gebäuderiegel ein klar von den öffentlichen Nutzungen getrennter Außenraum mit Parkplätzen für die Mitarbeitenden und der Zufahrt für die Bergwacht.
Im Süden wendet sich das Gebäude auf voller Länge dem Flugfeld mit seinen offenen Fernen zu. Durch die höchsten Gebäudeteile mit Aussichts- und Sternenterrassen entsteht hier eine Silhouette mit hohem Wiedererkennungswert – der neue Auftakt zur Wasserkuppe. Im Bereich von Gastronomie und Regio Shop bieten dreiseitig gefasste Außenterrassen einen wind- und wettergeschützten Blick auf das Flugfeld und über die Rhön.
Freiraum
Für den Hochbau werden die nahegelegenen Basaltformationen interpretiert, Kanten und Versprünge der Fassade geben dem Gebäude einen Charakter, der sich wie selbstverständlich in die Landschaft einfügt. Das Grundstück hat einen Höhenversprung von mehreren Metern, der Hochbau reagiert hier mit ebenfalls, verspringenden EG-Höhen. Dieses Prinzip wird im Freiraum fortgesetzt, einzelne Nutzungsbereiche des EG haben Zugang zu vorgelagerten Terrassenebenen, die ebenfalls den Höhen folgen und zwischen Gebäude ein dem freiem Gelände vermitteln. Die Versprünge der Terrassensegmente werden über Bänke oder Stufen inszeniert und damit zu nutzbaren Elementen. Im Süden schließt ein Grünstreifen an, der über die Straße hinweg auch den Rand der Segelflugwiese integriert. Die Straße wird mit Rasenlinern gestaltet und erhält damit den Charakter eine Privatstraße, die nur von den Segelflieger:innen befahren wird. Die Bepflanzung ist hier dicht, versperrt aber nicht den weiten Blick. Baume werden hier zurückhaltend platziert. Im Norden ist die Bepflanzung etwas üppiger und bildet den Rahmen für die freie Eventfläche zwischen Neubau und dem Kompetenzzentrum. Die Materialitäten und Farben im Freiraum orientieren sich am Hochbau – Basalt und Holz, ergänzt mit gelbgoldenen Akzenten schaffen eine Einheit aus Gebäude und Terrassensockel.
Ersatzneubau GGS - Strand Europaschule Timmendorfer Strand | Timmendorf
Ein 3. Preis | Ersatzneubau GGS – Strand Europaschule Timmendorfer Strand
Timmendorf
In Zusammenarbeit mit Baufrösche Architekten und Stadtplaner
Leitidee
Die neue GGS Strand Europaschule vereint drei bisher getrennte Schul- und Gebäudeteile in einem gemeinsamen architektonischen und pädagogischen Konzept. Es entsteht ein lebendiger Lern- und Begegnungsort, der pädagogische Vielfalt, architektonische Klarheit und räumliche Flexibilität miteinander verbindet. Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, der Lernen, Gemeinschaft und Nachhaltigkeit in Einklang bringt und den europäischen Gedanken der Vielfalt sichtbar verkörpert.
Architektur
Der Neubau präsentiert sich als kompakter, dreigeschossiger Baukörper, der sich durch seine klare Gliederung harmonisch in den städtebaulichen Kontext einfügt. Die dreiteilige Fassadenstruktur schafft Maßstäblichkeit und fügt sich selbstverständlich in das Umfeld ein. Durch die gewählte Setzung des Baukörpers entsteht ein großzügiger, zusammenhängender Freiraum, der als Schulhof und Veranstaltungsfläche vielseitig genutzt werden kann.
Der zentral angeordnete Haupteingang wird über einen großzügigen Vorplatz von der nahegelegenen ÖPNV-Haltestelle erschlossen. Zusätzlich verfügt die Grundschule über einen eigenen Eingang, der insbesondere den jüngeren Kindern den Schulalltag erleichtert und zugleich die Schülerströme zu Stoßzeiten entzerrt.
Im Inneren öffnet sich das Gebäude zu einer zentralen Pausenhalle mit Mensa, die das kommunikative Herz der Schule bildet. Große Oberlichter mit steuerbarer Verdunkelung sorgen für ein angenehmes Tageslicht, während flexible Bühnen- und Raumkonzepte unterschiedlichste Nutzungen ermöglichen – von alltäglichen Begegnungen bis hin zu schulischen oder kulturellen Veranstaltungen. Eine umlaufende Galerie in den Obergeschossen erweitert die Nutzungsmöglichkeiten und fördert die Begegnung zwischen den Jahrgängen. Musikraum und Bibliothek sind unmittelbar an das Pausenforum angebunden. Die Mensa öffnet sich großzügig zum Schulhof und bietet mit ihrem überdachten Außenbereich geschützte Aufenthaltsmöglichkeiten.
Die innere Organisation folgt modernen pädagogischen Ansätzen. Clusterstrukturen mit offenen Lernzonen fördern Kommunikation, Flexibilität und selbstständiges Lernen. Klassen- und Differenzierungsräume sind transparent mit den Freilernbereichen verbunden und über zusätzliche Innenhöfe natürlich belichtet. Kurze Wege, klare Grundrisse und eine gute Orientierung kennzeichnen das Konzept. Die Grundschule verfügt über einen eigenen zweigeschossigen Bereich mit direkter Verbindung ins Obergeschoss. Zwei unterschiedlich dimensionierte Schulhöfe – ein großer für alle, ein kleiner für die Grundschule – schaffen altersgerechte Bewegungsräume. Ein zentraler Aufzug gewährleistet die barrierefreie Erschließung aller Ebenen.
Fassade
Die Fassade kombiniert warme, natürliche Materialien mit innovativen, nachhaltigen Elementen. Eine Holzverschalung trifft auf bunte, sechseckige Fassadenfliesen aus recyceltem Kunststoff – sogenannte Pretty Plastic Tiles. Diese bestehen zu 100 % aus upcyceltem PVC, gewonnen aus alten Fensterrahmen, Regenrinnen und Fallrohren. Die farbenfrohe Gestaltung steht sinnbildlich für die Vielfalt Europas und die Offenheit der Schulgemeinschaft. Das Material wurde 2021 mit dem Green Product Award ausgezeichnet und vereint Ästhetik, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit.
Freiraumkonzept
Durch die städtebauliche Positionierung des Neubaus entsteht eine Abfolge von drei eigenständigen, aber miteinander vernetzten Freiräumen. Diese Bereiche bilden eine abwechslungsreiche Lern- und Bewegungslandschaft.
Die Eingangsplaza dient als Durchgangs- und Treffpunkt und wird seitlich von Fahrradstellplätzen begleitet. Der Grundschulhof ist ein geschützter Spielbereich mit altersgerechten Klettermöglichkeiten und integriertem grünen Klassenzimmer. Ein Spielweg führt von dort entlang des Sportfelds zum großen Schulhof, der mit Baumgruppen, geschwungenen Formen und unterschiedlichen Aufenthaltszonen gestaltet ist. Vor der Mensa lädt eine fest installierte Möblierung zum Verweilen ein, während ein großes Spielgerät im Süden zum Treffpunkt für Bewegung und Gemeinschaft wird. Ruhigere Bereiche sind für die Schulimkerei und ein weiteres grünes Klassenzimmer vorgesehen.
Wassermanagement und Biodiversität
Die Freiflächen folgen einem ökologisch nachhaltigen Ansatz. Extensive Dachbegrünungen, wasserdurchlässige Beläge und ein Regenwasserkreislaufsystem tragen zur Resilienz des Areals bei. Regenwasser wird vor Ort zurückgehalten, versickert oder in Zisternen für die Brauchwassernutzung gesammelt. Die Bepflanzung fördert mit artenreichen, standortgerechten Pflanzengesellschaften die Biodiversität und schafft wertvolle Lebensräume.
Fahrrad- und PKW-Parkierung
Die überdachte Fahrradabstellanlage mit begrüntem Dach befindet sich westlich des Gebäudes. PKW-Stellplätze sind in der Tiefgarage untergebracht, während oberirdisch nur die Stellplätze für Menschen mit Behinderungen vorgesehen sind.
Ehemaliges Fernmeldezeugamt | Heusenstamm
1. Preis | Ehemaliges Fernmeldezeugamt
Heusenstamm
In Zusammenarbeit mit Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner
Städtebauliches Konzept
Das städtebauliche Konzept entwickelt sich aus dem angrenzenden Stadtgefüge heraus und bildet einen eigenständigen urbanen Stadtbaustein, der zwischen den nördlichen Wohngebieten und dem südlichen Gewerbegebiet vermittelt.
Als urban geprägtes Quartier entstehen hier neue Wohnformen, die Wohnen und Arbeiten kombinieren und auf Einzelparzellen ein neuartiges nachhaltiges Stadtquartier für Heusenstamm schaffen. Durch seine starke Begrünung der öffentlichen Räume entstehen eine allseitige freiräumliche Verzahnung und ein grüner Trittstein zu den angrenzenden Landschaftsräumen.
Freiräumliches Rückgrat und Quartiersstruktur
Das neue Quartier wird über ein zentrales freiräumliches Rückgrat erschlossen, an dem sich die einzelnen Baufelder anlehnen und worüber diese ihre Adressen erhalten. Dieser Freiraum als „urbanen Anger“ bildet einen attraktiven inneren grünen Wegekorridor und verbindet alle Quartiersbereiche miteinander, was die Identifikation und die Gemeinschaft innerhalb des neuen Stadtquartiers fördert.
Im gesamten Innenbereich entsteht so eine hohe Wohnqualität mit gemeinschaftlichen Flächen zum Spielen, Treffen und Aufenthalt. Rücksprünge und Aufweitungen bilden unterschiedliche räumliche Situationen aus und lassen ein spannungsvolles inneres Gefüge entstehen.
Der „Grüne Anger“ funktioniert als kommunikativer gemeinschaftlicher Freiraum mit Spiel- und Aufenthaltsflächen für alle Generationen.
Partiell überschirmt von einem gemischten Baumdach aus klimaresilienten Arten, sind in den Anger Treffpunkte, Outdoor-Fitness und Spielpunkte integriert. Eine unmerkliche Reliefierung mit Mulden nimmt Teile des Oberflächen- und Dachwassers auf und erzeugt neben dem wechselnden Bild aus trockenen und temporär nassen Flächen ein Mosaik aus verschiedenen Standortfaktoren, die eine hochgradig diverse Artenzusammensetzung erwarten lassen.
Grünfugen gliedern das neue Wohnquartier in deutlich ablesbare, einzelne Baufelder und sorgen für eine klare Orientierung und Adressbildung. Gleichzeitig machen Sie das Quartier durchlässig, ermöglichen eine Vielzahl von Querungen und sichern die Anbindung an die vorhandenen Rad- und Fußwegenetze.
Bebauungskonzept
Das Konzept sieht Baufelder mit offenen Hofstrukturen vor, die als eigenständige Quartierbereiche abschnittsweise entwickelt werden können. Sie bilden ein robustes städtebauliches Gerüst für ein urbanes gemischtgenutztes Stadtquartier, mit einem Nebeneinander von Wohnen, Arbeiten und Gewerbe. Auf verschiedenen Einzelparzellen entsteht eine flexible Bebauung für Geschoßwohnungsbau, Stadthäuser oder als Haus-im-Haus mit unterschiedlichen Wohn- und Arbeitsmodellen.
Die Baufelder werden mit individuellen Einzelhäusern bebaut, was zu einem lebhaften kleinteiligen Quartiersbild beiträgt. Es entsteht eine flexible Mischung aus unterschiedlichen Typologien für geförderten und freifinanzierten Wohnungsbau.
Kleine erdgeschossige Gewerbeeinheiten, Gemeinschaftsräumen sowie Wohnen+Arbeiten orientieren sich zum „urbanen Anger“ hin und beleben den öffentlichen Raum. Die Impulse der Baugruppen werden hier genutzt, um den Charakter des Quartiers mit seinen gemischten Arbeits- und Wohnmodellen zu stärken.
Die Wohnhöfe unterstützen die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens, mit Spielflächen und Kommunikationsorten. Als begrünte Innenhöfe tragen sie zum Wohlbefinden bei und funktionieren als grüne Oasen mit hoher Wohnqualität. Begrünte Wohnebenen, Wohngärten mit großen Bäumen und Selbstversorgergärten auf den Dächern bilden weitere Gemeinschaftsflächen innerhalb der Gebäudegruppen aus.
Dieser klare und robuste Rahmen schafft die Voraussetzung für eine kleinteilige bauliche Entwicklung mit einem Höchstmaß an individueller Freiheit. Durch wenige typologische Vorgaben wird die Grundstruktur für ein neues Stadtquartier geschaffen werden – stadträumlich integriert und flexibel für neue Wohnkonzepte.
Zentraler Platz als Visitenkarte
Im Kreuzungspunkt der Wegeachsen entsteht der Quartiersplatz, der hier wie eine Drehscheibe urbanes Leben aufnehmen kann. Er bildet das Herzstück des neuen Quartiers und dient als Kommunikationsort zwischen den Bewohnern der angrenzenden Stadtteile und des neuen Quartiers. Hier befinden sich Spiel- und Kommunikationsflächen für alle Altersgruppen und nutzungsoffene Flächen für gemeinschaftliche Veranstaltungen. Ein kleiner Brunnen bildet ein zentrales und belebendes Element auf dem Platz.
Direkt am Platz entsteht das zentrale Quartiershaus, welches als Solitär zeichenhaft die bauliche Mitte symbolisiert. Hier befinden kulturelle und gewerbliche Nutzungen, Co-Working und innovative Büroflächen für Start-ups. Ein Galerie-Cafe belebt den öffentlichen Raum und wirkt als stadträumlicher Magnet.
Angrenzend befindet sich das Quartiershaus mit der Kita und dem darüberliegenden Mehrgenerationenhaus. Die stadträumlich markante Ecke des nördlichen Baufeldes wird durch den Quartierstreff und den Bürgerladen belebt. Darüber befinden sich Sonderwohnformen für Senioren mit unterschiedlichen Betreuungsangeboten.
Klimaschutz und Klimaanpassung
Alle erhaltenswerten Bäume bleiben erhalten und werden durch neue Baumpflanzungen ergänzt. Der heutige und zukünftige Baumbestand kann so weiterhin als Entstehungsbereich für Frisch- und Kaltluft dienen. Durch die aufgelockerte Bauweise wird eine bioklimatische Entlastung und Verbesserung der Durchlüftungsverhältnisse erreicht.
Auch innerhalb der Quartiere sorgen großzügige Baumpflanzungen auf den Plätzen und in den Wohnstraßen für eine ausreichende Verschattung und tragen so zur Verbesserung des Kleinklimas bei. Die Begrünung der Innenhöfe, eine umfangreiche Fassadenbegrünung sowie die Begrünung der Dachflächen sorgen für größtmögliche Kühlungs- und Verdunstungseffekte.
Verkehr und Mobilität
Die PKW-Stellplätze werden auf zwei Quartiersgaragen verteilt die sich zentral innerhalb der einzelnen Bauabschnitte befinden. Die Zufahrten erfolgen über den angrenzenden Straßenraum und führen den Verkehr auf kurzem Weg in die Quartiersgarage. Die Zugänge zu den Garagen orientieren sich zu den Plätzen hin und erzeugen hier kommunikative Orte. Im Sockel befinden sich eine Mobilitätsstation und Stellplätze für Fahrräder.
Am Entréeplatz befindet sich der zentralen Mobilitätshub, ein Pavillon mit Fahrradwerkstatt und allen Funktionen für das Konzept der „sanften Mobilität“, wie carsharing-Stellplätze, Leihfahrräder sowie die Ladestationen der Elektromobilität. Durch intelligente Mobilitäts- und Sharing-Konzepte in Kombination mit dem ÖPNV kann eine signifikante Reduzierung des fahrenden und ruhenden KfZ-Verkehrs erreicht werden. Die Fuß- und Radwege durch die Grünraume stärken das durchlässige innere Erschließungskonzept und fördern den individuellen Fuß- und Radverkehr.
Das Wohnumfeld wird frei von Verkehr gehalten und ist nur eingeschränkt für die Anwohner, Müll- und Rettungsfahrzeuge im Bedarfsfall befahrbar. So entsteht ein weitgehend verkehrsfreier Innenbereich mit einer hohen Qualität in den Freiräumen, was ein pulsierendes Quartiersleben mit einer hohen Lebensqualität schafft. Eine zurückhaltende und wohlgesetzte Möblierung schafft Aufenthaltsqualitäten in den öffentlichen Räumen als Orte der Begegnung und Kommunikation.
Regenwasserkonzept
Für die Entwässerung wird ein differenziertes, dezentrales Regenwassermanagement in drei Stufen vorgeschlagen. In einer ersten Stufe wird das anfallende Dachwasser über Retentionsdächer zurückgehalten und zu einem hohen Anteil über Dachbegrünung bereits auf dem Dach verdunstet, was einen deutlich kühlenden Effekt für das Gebiet hat.
Der restliche und stark gedrosselte Teil das Dachwassers wird wie auch der Abfluss aus den sehr reduzierten befestigten Flächen in den Innenhöfen über offene Gräben und Rinnen und in den leicht abgesenkten Rasenmulden zurückgehalten und zum Teil versickert. Zusätzlich kann bei nachgewiesener Wirtschaftlichkeit das Wasser aus den privaten Flächen in dezentralen Retentionszisternen gesammelt, auf dem Grundstück zurückgehalten und für die Grauwassernutzung eingesetzt.
Das Regenwasser aus den öffentlichen Straßen- und Platzflächen wird ebenfalls in einem Netz aus kleinen Gräben und offenen Rinnen gesammelt und in einem ersten Schritt den leichten Mulden innerhalb des Grünen Angers und der Grünfugen zugeführt. Im Starkregenfall münden diese Mulden in den Retentionsraum im südlichen Randbereich. Durch die hohe Verweildauer des Wassers in den begrünten Mulden kann ein Teil des Wassers verdunsten oder es versickert bereits in den Vegetationsflächen.
Über Baumrigolen sichert das gesammelte Oberflächenwasser der Plätze die Wasserversorgung der Bäume.
Das Thema der Regenwasserbewirtschaftung wird als ökologische Qualität und als Anpassung an den Klimawandel sichtbar und erlebbar gemacht und trägt zum positiven Image der Siedlung bei.
Wirtschaftlichkeit/Recycling
Vorrangiges Ziel ist eine Wiederverwendung von Abbruchmaterialien, z.B. als Recyclingbeton innerhalb einer Hybridbauweise mit Holzbau. Die Gebäude werden grundsätzlich mit recycelbaren Materialen erstellt und sind energieautark. Ebenfalls soll das Konzept waste-to-energy zu einem natürlichen Kreislauf der Wertstoffe beitragen bei dem kein Abfall erzeugt wird.
Die Planung wird auf Grundlage wiederkehrender Maße erstellt und berücksichtigt einheitliche Standards in allen Bereichen. Dies schafft die Voraussetzung für eine elementierte Bauweise mit einem hohen Vorfertigungsgrad, welche insbesondere im Bereich des Holzbaus sinnvoll ist. Ziel ist es mit möglichst wenigen technischen Maßnahmen ein Höchstmaß an Energie einzusparen und Ressourcen zu schonen und maximal auszunutzen.

























































































