Anerkennung | Freiraumplanung Jeetzelufer, Amtsgarten und alter Friedhof
Lüchow
Die drei innerstädtischen Grünräume – Amtsgarten, Alter Friedhof und Jeetzelufer – bilden entlang der Langen Straße eine zusammenhängende Abfolge von Freiräumen, die Natur, Wasser und Ruhe mitten in Lüchow erfahrbar machen. Sie sind über ein durchgängiges, barrierefreies Wegesystem miteinander vernetzt, sodass Besucher:innen die unterschiedlichen Qualitäten der Bereiche gut erschließen können. Einheitliche Möblierung, Aufenthalts- und Ruhebereiche schaffen Orientierung und fördern die Aufenthaltsqualität, während die unterschiedlichen landschaftlichen Charaktere der drei Räume unterschiedliche Atmosphären vermitteln. Die Planung verbindet historische, soziale und ökologische Aspekte, stärkt die Identität der Innenstadt und bietet Orte für Begegnung, Erholung und Naherholung für alle Generationen.
Durch die gezielte Abfolge der Grünräume entstehen sowohl klare Bezüge zwischen den einzelnen Bereichen als auch ein übergeordnetes städtisches Erlebnis. Die Integration naturnaher Gestaltungselemente, Bepflanzung und wasserbezogener Strukturen unterstützt die ökologische Funktion, stärkt die Biodiversität und trägt zu einer nachhaltigen, resilienten Innenstadt bei. So entsteht ein stimmiges Gesamtkonzept, das die Aufenthaltsqualität erhöht, verschiedene Nutzergruppen anspricht und die Innenstadt langfristig als identitätsstarken und lebendigen Stadtraum positioniert.
Jeetzelufer
Die Jeetzel durchquert in Nord-Süd-Richtung das Zentrum von Lüchow und prägt als innerstädtischer Flusslauf das Stadtbild. Historisch als Transportweg genutzt, erfüllt die Jeetzel heute vor allem Funktionen im Hochwasserschutz, in der Stadtstruktur und für ökologische Belange. Die innerstädtischen Ufer sind derzeit stark reguliert, naturnahe Aufenthaltsbereiche nur vereinzelt vorhanden, und der Fluss bleibt für die Bürger:innen weitgehend unerlebbar.
Ziel der Neugestaltung ist es, die Jeetzel stärker in das Stadtleben zu integrieren, ihre ökologischen Potenziale zu stärken und neue Aufenthalts- und Erlebnismöglichkeiten zu schaffen. Unter Berücksichtigung der städtischen Gegebenheiten und des Hochwasserschutzes wurde ein Konzept entwickelt, das naturnahe Gestaltung mit Aufenthaltsangeboten verbindet.
Entlang des Ufers wurden an mehreren Stellen Sitzstufen in die Böschung integriert und zum Teil schwimmende Holzdecks auf dem Wasser angelegt, die den Fluss unmittelbar erlebbar machen. Im nördlichen Bereich entsteht zudem ein Anlegesteg für Kanus und ähnliche Nutzungen, ergänzt durch eine sichere Zufahrt von der Straße „Am Deich“. Gerade der südliche Aufenthaltsbereich, auf der Seite des Altenheims, wurde barrierefrei zugänglich gestaltet, sodass Menschen aller Altersgruppen das Wasser über eine in die Böschung integrierte Rampe erreichen und genießen können.
Die Abfolge der Aufenthaltsbereiche fügt sich harmonisch in die städtische Struktur ein: mal urban geprägt, mal naturnah, und schafft so eine abwechslungsreiche Erlebnisqualität. Ergänzend wurden entlang der vorhandenen Wege neue Bänke und sogenannte „Chillsofas“ installiert, die zu kurzen Pausen und Verweilen am Ufer einladen. Um den Hochwasserschutz auf dem Deich nicht zu beeinträchtigen, wurde dieser von Bäumen und fest installierten Einbauten freigehalten. Stattdessen wurden entlang der Wege auf der wasserabgewandten Seite neue Bäume gepflanzt, die Schatten auf den Wegen und Sitzbereichen spenden und so das Aufenthaltsangebot zusätzlich aufwerten.
Die Böschungen wurden an vielen Stellen mit standorttypischer Vegetation bepflanzt. Flusstypische Pflanzengemeinschaften im Wasser und am Ufer tragen zur ökologischen Vielfalt bei, fördern die Biodiversität und unterstützen die natürliche Reinigung des Gewässers. Blühwiesen entlang der Uferzonen bieten zusätzlichen Lebensraum für Insekten und andere Kleintiere. 2mal im Jahr werden die Wiesen gemäht, um die Flutsicherheit der Böschungen zu gewährleisten.
Insgesamt entsteht ein Jeetzelufer, das die Stadt aufwertet, den Bürger:innen neue Aufenthaltsqualitäten und Bewegungsräume eröffnet und zugleich ökologische Funktionen stärkt. Die Neugestaltung verbindet urbanes Leben, Naturerlebnis und Wassererfahrung und trägt so wesentlich zur Aufwertung des Stadtzentrums von Lüchow bei.
Amtsgarten
Der denkmalgeschützte Amtsgarten bildet einen wichtigen grünen Baustein im Südwesten Lüchows. Als historisch gewachsene Parkanlage mit landschaftlichem Charakter ist er geprägt durch den Verlauf der Drawehner Jeetzel, die das Gelände in weichen Linien durchzieht und als prägendes Element des Ortes erhalten bleibt.
Ziel der Neugestaltung ist es, die vorhandenen Qualitäten des Amtsgarten zu stärken, seine Aufenthaltsqualität zu steigern und den Bezug zum Wasser stärker erlebbar zu machen. Unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Belange wurde eine behutsame, naturnahe Aufwertung vorgenommen, die bestehende Strukturen respektiert und zugleich neue Angebote für unterschiedliche Nutzer:innengruppen schafft.
Die Wegeführung wurde ergänzt und qualifiziert, sodass eine klare Orientierung und bessere Erschließung entstehen, ohne den landschaftlichen Charakter zu beeinträchtigen. Entlang der Drawehner Jeetzel wurde der Uferraum abschnittsweise zu einem erlebbaren Auenbereich geöffnet. Typische Flussvegetation und wasserklärende Pflanzen stärken hier die ökologische Funktion und fördern die Biodiversität. Sitzstufen und Holzplattformen laden zum Verweilen am Wasser ein und schaffen Orte, an denen das Wasser sinnlich erlebbar wird.
Die Pergola wurde erneuert und das historische Relikt als identitätsstiftendes Element bewahrt. Ein neu eingefügter, wettergeschützter Pavillon ergänzt das Angebot und bietet so einen geschützten Aufenthaltsort. Ein Klangpfad und neu angelegte Wildblumenbereiche schaffen zusätzliche Erlebnisschichten, die den Amtsgarten zu einem Ort des Entdeckens machen.
Durch die dezente, naturnahe Gestaltung und die einheitliche, zurückhaltende Material- und Formensprache entsteht ein harmonisches Gesamtbild, das den historischen Charakter. Der Amtsgarten wird so zu einem Naherholungspark, der Natur, Geschichte und Aufenthalt im Grünen verbindet – ein grüner Erlebnisort inmitten der Stadt, der die ökologische und atmosphärische Qualität des Ortes nachhaltig stärkt.
Alter Friedhof
Der denkmalgeschützte Alte St.-Annen-Friedhof liegt am östlichen Rand der Lüchower Altstadt und bildet mit seinem wertvollen Baumbestand einen ruhigen, von Geschichte geprägten Freiraum. Als Begräbnisstätte mit besonderer Atmosphäre ist er heute vor allem Erinnerungs- und Begegnungsort.
Ziel der Neugestaltung ist es, den besonderen Charakter des Friedhofs zu bewahren und zugleich seine Erlebbarkeit und Aufenthaltsqualität zu verbessern. Unter Wahrung der denkmalpflegerischen Belange wurde eine zurückhaltende Gestaltung entwickelt, die bestehende Strukturen respektiert und durch gezielte Ergänzungen aufwertet.
Die vorhandenen Wege, die entlang der alten Familiengräber und des Kriegerdenkmals verlaufen, wurden aufgewertet und barrierefrei ausgebaut. Ergänzende, untergeordnete Wegeverbindungen im Inneren des Areals schaffen neue Durchlässigkeit und betonen die Raumstruktur des Friedhofs. Zwischen den neuen Wegen entsteht ein kleiner Skulpturengarten, der eine weitere Ebene des Erlebens eröffnet und den Ort um eine künstlerische Dimension bereichert.
Im Bereich des Eingangs und der Hauptwege entsteht ein kleiner Platz, der die Besucher:innen empfängt und einen besonderen Akzent setzt. Ein kleiner Brunnen aus Naturstein, in den aus einem Wasserhahn leicht das Wasser läuft, schafft eine ruhige und entspannte Atmosphäre und überdeckt gleichzeitig die Geräusche der benachbarten Straße.
Die Anlage bietet großzügige, von alten Bäumen beschattete Aufenthaltsbereiche, die zum Verweilen und ruhigen Austausch einladen. Neue Sitzmöglichkeiten in Form von Bänken und Sitzblöcken schaffen Orte der Ruhe und laden insbesondere die Schüler:innen des angrenzenden Schulzentrums zur respektvollen Aneignung des Ortes ein.
Besonderes Augenmerk galt der Gestaltung der Randbereiche. Hier wurde eine Lösung entwickelt, die die privaten Gärten der angrenzenden Grundstücke respektiert und zugleich klare, gestalterisch gefasste Übergänge schafft. Eine strukturierte Bepflanzung aus Hecken und Strauchgruppen dient als sanfte Abgrenzung zwischen privatem und öffentlichem Raum, während gezielte Öffnungen den Zugang zum Friedhof weiterhin ermöglichen. Retentionsmulden und Blühwiesen ergänzen die Anlage und stärken deren ökologische Qualität, indem sie zur Versickerung von Regenwasser beitragen und gleichzeitig wertvolle Lebensräume für Insekten schaffen.
Insgesamt entsteht ein Ort, der Geschichte und Gegenwart miteinander verbindet – ein stiller, grün gefasster Erinnerungsraum, der durch seine Offenheit, ökologische Aufwertung und behutsame Gestaltung neue Möglichkeiten der Begegnung bietet und den Alten Friedhof als identitätsstiftenden Bestandteil der Stadtlandschaft Lüchows stärkt.











